Zeit oder Geld? Bildungsministerium will Lehrern Überstunden auszahlen

Sollen die Thüringer Lehrer ihre Überstunden lieber abfeiern oder sie sich auszahlen lassen? Wenn es nach dem Bildungsministerium geht, dann soll es künftig möglich sein, sich für Geld statt Zeit zu entscheiden. Die Auszahlung von Überstunden ist Teil der Verhandlungen über den Landeshaushalt 2020, teilte das Ministerium mit. Wie viel Geld für das Vorhaben nötig wäre, blieb aber vorerst noch unklar.

Mehr Flexibilität gegen Unterrichtsausfall

Helmut Holter, Präsident der Kultusministerkonferenz, spricht bei der Vorstellung des  OECD-Berichts ''Bildung auf einen Blick 2018''.
Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) Bildrechte: dpa

Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) sagte, er wolle sich dafür einsetzen, dass Überstunden mit Geld beglichen werden können. Bisher müssen die Lehrer ihre Überstunden abfeiern. Sie haben dafür ab dem Monat, in dem die Überstunden angefallen sind, ein Jahr Zeit. Doch in der Praxis lasse sich das angesichts des akuten Personalmangels kaum mehr umsetzen: Wenn jemand Übersunden abbaut, fehlt diese Arbeitskraft dann an anderer Stelle.

Die Alternative soll nun der finanzielle Ausgleich sein - als einer der "kleinen Schritte", um dem Unterrichtsausfall entgegenzuwirken. "Da brauchen wir mehr Flexibilität", so Holter. Die Lehrer würden zu Recht darauf hinweisen, dass bei den Überstunden "ein Abbummeln kaum möglich ist".  

Auch Gewerkschaft für Geld statt Freizeit

Mit der Idee dürfte Holter beim Thüringer Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) offene Türen einrennen. Auch die Gewerkschaft fordert die Möglichkeit, dass sich Lehrer geleistete Überstunden auszahlen lassen können. Da der Freizeitausgleich Vorrang habe, müsse gerade in Zeiten des hohen Unterrichtsausfalls aufgegeben werden.

Aufgrund des akuten Lehrermangels vor allem auf dem Land und in Grund- und Realschulen fallen zahlreiche Unterrichtsstunden ersatzlos aus. Dem Bildungsministerium zufolge waren das zu Beginn dieses Schuljahres rund 16.200 von 310.000 geplanten Stunden. Das entspreche 5,2 Prozent - eine Steigerung um 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 4,1 Prozent ausgefallener Schulstunden. Bildungsminister Holter will das Problem mit einem ganzen Paket an Maßnahmen in den Griff bekommen.

Quelle: MDR THÜRINGEN / dpa

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Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 14:09 Uhr

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