Mach dich ran: Chinesische Mauer
Bildrechte: MDR/Richardt

Sieht man die Chinesische Mauer aus dem All?

19.02.2019 | 00:00 Uhr

"Wer die Mauer nicht gesehen hat, ist kein richtiger Mann", lautet eine chinesische Volksweisheit. Die Große Mauer erstreckt sich über 6 250 Kilometer, über sechs Provinzen und zwei autonome Regionen. Angeblich sieht man sie auch aus dem All. Fakt oder Fake?

Mach dich ran: Chinesische Mauer
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In der Geschichte gibt es viele Beispiele für oft mit großem Aufwand errichtete Schutzwälle und Zäune. Sie dienten der Abwehr äußerer Feinde, sperrten Völker ein oder trennten streitende Nachbarn. Der römische Limes oder die scharf bewachte Berliner Mauer sind Vergangenheit.

Die Anfänge der Chinesischen Mauer reichen zurück bis in die Zeit der "Streitenden Reiche" von 474 bis 221 vor Christus. Damals ließen die Nordstaaten eine Kette von Bastionen aus Erde und Schotter gegen die einfallenden osttürkischen, tartarischen und mongolischen Reitervölker errichten.

Größtes Bauwerk, das jemals von Menschen geschaffen wurde

In der Qin-Dynastie (221-207) ließ der erste chinesische Kaiser Qin Shihuangdi, der das Land einte, die Schutzwehre miteinander verbinden und Steinblöcke verstärken. Hundertausende von Arbeitern, viele davon Gefangene, arbeiteten zehn Jahre daran. Mehrere Dynastien bauten später weiter an dem Schutzwall.

Erst unter den Mongolen, die selbst aus dem Norden eingefallen waren, verlor die Mauer an Bedeutung. Der erste Ming-Kaiser jedoch, der 1368 die fremden Herrscher vertrieb, ließ den verfallenen Grenzwall wiederherstellen. 18 Erweiterungen erfolgten in der Ming-Zeit. 20 000 stark befestigte Tore und Wachttürme stehen jeweils nur 140 Meter voneinander entfernt. Zeitweilig sollen bis zu eine Millionen Menschen daran gebaut haben. Die Opfer von über hundert Jahren Bauzeit waren groß. Ungezählte Arbeiter ließen ihr Leben. Arbeitsverweigerung wurde mit Erdrosseln und Verschütten im Wall bestraft.

Die Behauptung

Die Chinesische Mauer sieht man aus dem All.

Fakt oder Fake?

Die Antwort kennt Alexander Szameit. Der gebürtige Hallenser ist Professor für Physik an der Uni Rostock.

Das ist ein Fakt. In der Tat kann man die Chinesische Mauer - gerade so - aus dem Weltraum sehen.

Für alle, die sich fragen, warum man diese Mauer sehen kann, hat Professor Szameit die passende Antwort:

Das menschliche Auge hat eine Winkelauflösung von 13 Bogensekunden. Das ist ziemlich wenig. Von der Internationalen Raumstation, die ungefähr in 350 Kilometer Höhe fliegt, kann man also die Chinesische Mauer - zumindest bei Sonnenauf- und Untergang, wenn die Mauer einen sehr langen Schatten wirft - sehen.

Übrigens: Vom Mond aus kann man die Chinesische Mauer nicht sehen, "aber von der ISS geht das", stellt Szameit klar.

Die Behauptung ist also ein Fakt!

Die MDR JUMP Morningshow sagt dem Halbwissen den Kampf an und prüft jeden Morgen um 05:20 Uhr und 07:20 Uhr die verrücktesten Internetmythen. Gemeinsam mit Experten checken Sarah und Lars den Wahrheitsgehalt der Behauptungen und klären am Ende: Ist die Behauptung Fakt oder Fake!?

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Morningshow | 19. Februar 2019 | 05:20 Uhr