Rammstein
Bildrechte: Universal Music/Jes Larsen

So klingt das vielleicht letzte Rammstein-Album

17.05.2019 | 14:26 Uhr

Fast zehn Jahre sind seit ihrem letzten Album "Liebe ist für alle da" vergangen. Jetzt haben Rammstein nachgelegt.

Rammstein
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Nach zehn Jahren Pause präsentieren Rammstein elf neue Songs, die alles vereinen was diese Band ausmacht: kraftvolle Stakkato-Riffs, Retro-Synthesizer-Sounds und provokante Texte. Das selbstbetitelte Album startet mit den bekannten Singles „Deutschland“  (ein Lied über die Identitätskrise des Landes) und „Radio“ (eine Liebeserklärung an eben jenes Medium).

Danach geht es äußerst kritisch weiter. „Zeig Dich“ setzt sich mit der Geschichte der katholischen Kirche auseinander. Es gibt hier sowohl Verweise auf die Kreuzzüge als auch auf Missbrauchsskandale. Eingeleitet wird das Stück durch einen Chor, den Rammstein übrigens in Minsk aufgenommen haben. Danach folgen gewohnt knochentrockene Metal-Riffs, die die Härte des Textes unterstreichen.

Thematisch seichter wird es dann mit dem Titel „Ausländer“. Denn der Song handelt keineswegs von der Flüchtlingsthematik, wie man vermuten könnte. Augenzwinkernd wird der Text aus Sicht eines Gigolos erzählt, der vor allem bei der Damenwahl keinen Heimathafen kennt. Rammstein mixen hierzu schmunzelnd Italo-Disco und Metal-Riffs.

Rätselraten über Zukunft von Rammstein

Mit dem Thema Beischlaf geht es dann gleich weiter. Nur eine Band wie Rammstein kommt damit durch, im Song „Sex“ eben genau jenes Wort im Refrain immer wieder zu brüllen. Das Lied ist ein tiefergelegter Blues mit mächtigen Gitarren und einem Synthesizer-Solo, das so atonal klingt, als hätte es nicht Flake sondern R2D2 persönlich eingespielt.

Till Lindemann - Sänger der Band Rammstein - im Pyroregen.
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Aber Rammstein greifen auch im weiteren Verlauf des Albums sozialkritische Themen auf. Der Song „Puppe“ ist aus Sicht eines Kindes geschrieben, das in schrecklichen Verhältnissen aufwächst. Täglich bekommt es mit, wie sich seine Schwester prostituiert. Seine Aggression lässt das Kind an eben jener Puppe aus dem Songtitel aus. Till Lindemann schreit hier in entrücktem Wahn: „Jetzt reiß ich der Puppe den Kopf ab!“ Das ist durchaus Stoff für einen Horrorfilm und tatsächlich erinnert das gespenstische Piano im Hintergrund an klassische Gruselfilme.

Und auch an die Handylichter für die kommende Stadiontour wurde gedacht. Im Liebeslied „Diamant“ schlägt die Band mit gezupfter Gitarre und Streichern sogar leise Töne an und erinnert damit an frühere Balladen wie „Seemann“ oder „Ohne Dich“.

Fans freuen sich auf Tour

Nach 25 Jahren Bandgeschichte könnte „Rammstein“ nun das letzte Arbeitszeugnis der Band sein. Gitarrist Richard Kruspe hat in Interviews bereits verkündet, dass für ihn das Kapitel Rammstein nach der Stadiontour beendet sei. Als wichtiger Songwriter steht damit die komplette Existenz der Gruppe in Frage.

Doch Fans müssen sich darüber noch keine Gedanken machen. Erstmal steht die Tour zum neuen Album an. Los geht es Ende Mai in Gelsenkirchen. Aber schon kurze Zeit später werden Lindemann und Co. auch in Mitteldeutschland spielen. MDR JUMP präsentiert zwei Rammstein-Konzerte am 12. und 13. Juni in Dresden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 17. Mai 2019 | 20:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2019, 14:26 Uhr