Wilder Gast Elch Bert gibt Wissenschaft Rätsel auf

Eine Kuhherde in Coswig bei Anhalt hat seit kurzem einen treuen Begleiter. Ein Elch hat sich vor Wochen der Herde angeschlossen. Die Wissenschaft kann sich das Verhalten des Elches nicht erklären.

Elch zwischen einer Kuhherde
Seit fünf Wochen unzertrennlich: Der Elch und die Kuhherde des Landguts "Hundeleben". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sie gehören eigentlich nicht zusammen: Der Elch Bert und die Kuhherde des Landguts "Hundeluft" bei Coswig. Doch Bert hat offenbar Gefallen an der Gesellschaft der Kuhdamen gefunden und folgt seit nun fünf Wochen den Kuhmüttern auf alle Weidenflächen rund um Bräsen hinterher. Lediglich nachts macht er sich auf den Weg in den Wald, um zu fressen.

Bert stammt aus Polen, ist zwei Jahre alt, hat noch Milchzähne und das Erstlingsgeweih erst im Frühjahr abgeworfen. Elche sind in Deutschland extrem selten. Selten ist es auch, dass ein Elch sich einer Kuhherde anschließt, weil sie eigentlich Einzelgänger sind. "Hundeluft"-Geschäftsführer Hartmut Schröter hat sowas auch noch nicht erlebt – es ist "sein erster Elch", obwohl er schon seit 1986 beim Landgut arbeitet.

Nicht sein erstes Mal

Elch zwischen einer Kuhherde
Fühlt sich offennbar wohl in Gesellschaft von Kuhdamen: der Elch Bert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Für Bert hingegen ist die Kuhherde bei Coswig nicht seine erste. Anfang des Jahres hat er bereits bei einer Herde bei Treuenbrietzen in Brandenburg gelebt. Hier wurde er auch registriert und hat einen Chip am Ohr und ein Halsband zur Identifikation bekommen.

Das Verhalten des Elchs ist einzigartig, meint Martin Trost vom Landesamt für Naturschutz Halle: "Wir können uns dieses Verhalten nicht wirklich erklären. Das hat mit der Brunstzeit wenig zu tun. Das ist auf jeden Fall außergewöhnlich."

Die Kuhherde des Landguts "Hundeluft" ist seit ein paar Wochen ohne Bullen. Deshalb vermutet der Landwirt, dass Bert einen ausgeprägten Beschützerinstikt hat und den Platz des Bullen einnahm.

Kein Happy End

Auch wenn Bert und die Damen von "Hundeluft" sich gut verstehen, wird diese Liebesgeschichte kein Happy End erfahren. "Es muss irgendwann zum Ende kommen, wir wollen ja keine Zucht mit Elch und Mutterkuh vorbereiten", so Schröter. Was den Landwirt jedoch am meisten stört, ist nicht der Elch selbst, sondern die Aufmerksamkeit durch die Medien und Schaulustige, die auch ihren Müll am Weiderand liegen lassen würden.

Elch zwischen einer Kuhherde
Bert ist kein gewöhnlicher Elch, er ist offenbar sehr gesellig. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nun soll wieder Ruhe einkehren. Da die Weideflächen bei Bräsen abgegrast waren, wurden die Kühe am Mittwoch mittels Tiertransport umgesetzt, nach Ragösen. Der Elch hat sich das Verladen der Tiere, das am Mittwoch von 8 bis 14 Uhr dauerte, angesehen und sei dann im Wald verschwunden. Am Donnerstagmorgen stand er dann plötzlich wieder auf der Weide in Ragösen.

Die Hoffnung des Landwirts den Elch durch den Umzug loszuwerden, hat sich nicht erfüllt. Die Luftlinie zwischen den Weiden betrug sieben Kilometer. Das sei für ein Tier nicht viel, so Schröter. Nun ist die nächste Idee des Landwirts zwei Jungbullen anzuschaffen, um den Elch zu vertreiben.

Der Landwirt will bereits am Freitag auf die Suche gehen. Am Montag oder Dienstag könnten dann die Jungbullen schon nach Ragösen gebracht werden. Da sie aber wahrscheinlich noch sehr jung sein werden (12 und 13 Monate), sei damit nicht gesagt, dass sie den Elch vertreiben. Genauso gut möglich wäre es, dass auf der Weide in Ragösen eine neue Männerfreundschaft entsteht.

Elch zwischen einer Kuhherde
Das Verlegen der Kuhherde über sieben Kilometer hat nichts gebracht. Der Elch hat "seine" Herde wiedergefunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Bildrechte: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 08:40 Uhr