Lkw Parkplätze
Mit einem eingeschränkten Kabinenschlafverbot wollen die EU-Verkehrsminister überfüllten Rastplätzen entgegenwirken. Bildrechte: Colourbox.de

Vorschläge der EU-Verkehrsminister Bessere Arbeitsbedingungen für Lkw-Fahrer: Pro und Kontra am Fernfahrerstammtisch

Die EU-Verkehrsminister wollen die Arbeitsbedingungen von Lkw-Fahrern verbessern. Beim Fernfahrerstammtisch an der A4 haben Polizisten, Spediteure und Kraftfahrer aus der Oberlausitz über die Pläne der EU diskutiert.

Lkw Parkplätze
Mit einem eingeschränkten Kabinenschlafverbot wollen die EU-Verkehrsminister überfüllten Rastplätzen entgegenwirken. Bildrechte: Colourbox.de

Lenk- und Ruhezeiten sind stets ein heißes Thema am Fernfahrerstammtisch auf dem Rasthof Oberlausitz. Die sorgten mit Blick auf die neuesten Vorschläge aus der EU auch bei der aktuellen Runde am Mittwoch für rege Diskussionen.

EU soll für ausreichend Parkplätze sorgen

Fernfahrerstammtisch Weihnachten Rasthof Oberlausitze
Winfried Lerch (l.) und Klaus Mieth waren Kollegen. Während der eine mit dem Lkw unterwegs war, reparierte der andere die Fahrzeuge. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Winfried Lerch aus Bautzen war 50 Jahre lang als Lkw-Fahrer auf den Straßen in Europa unterwegs. Die Ideen der EU-Verkehrsminister hält er für nur bedingt tauglich. Gleichen Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort für Brummifahrer befürwortet er uneingeschränkt. Dass allerdings ein Lkw-Fahrer sein Auto für längere Zeit verlässt, um zum Beispiel seine wöchentliche Ruhezeit im Hotel zu verbringen, hält der 69-Jährige für unrealistisch: "Der Fahrer muss bei seinem Auto bleiben, denn er ist für sein Fahrzeug und die Ladung verantwortlich. Niemand kann ihm garantieren, dass es nicht irgendwo Spitzbuben gibt, die sich an seinem Wagen oder der Ladung vergreifen."

Der pensionierte Fernfahrer findet die geplante Ruhezeitregelung außerhalb der Fahrerkabinen falsch. "Viel wichtiger wäre, dass sich die EU darum kümmert, dass ausreichend Parkplätze vorhanden sind und dass jeder Fahrer einen Platz hat, an dem er seine Ruhezeit machen kann.

Längere Ruhezeiten nicht in Fahrerkabinen verbringen

Steffen Anders ist Fahrlehrer in Löbau und bildet unter anderem Lkw-Fahrer aus. Er findet die geplanten Änderungen für Fernfahrer gut: Seiner Ansicht nach sollten die Fahrer längere Ruhezeiten nicht in ihren engen Kabinen verbringen. "Das ist unmenschlich, wenn man sich ansieht, wie es auf den Parkplätzen aussieht", sagt Steffen Anders.

Für die Fahrer sollten entsprechende Unterkünfte an der Autobahn entstehen, weil sie mit ihren Autos nicht in die Städte fahren und dort parken können, findet der Fahrlehrer. "Das müssten videoüberwachte Parkplätze sein, mit einem Pförtner. Der Spediteur bezahlt dafür einen Obulus und den Fahrern tut das gut, wenn sie nicht in ihrer Kabine, sondern in einem Bett schlafen  können und ordentliche hygienische Bedingungen haben." Dann wären sie sicher ausgeruhter als nach einer Nacht in der engen, stickigen Fahrerkabine, sagt Steffen Anders.

Fernfahrerstammtisch Weihnachten Rasthof Oberlausitze
Rund 190 Fernfahrerstammtische hat Polizeihauptkommissar Martin Hottinger bislang organisiert. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Ob es besser ist, dass Lkw-Fahrer in ihren längeren Ruhezeiten nicht mehr in ihren Führerhäusern, sondern in festen Unterkünften wie Hotels oder Pensionen übernachten sollen, will Polizist Martin Hottinger nicht bewerten: "Ob das wirklich das Gelbe vom Ei ist, sei dahingestellt." Es sei viel wichtiger, dass ein Lkw-Fahrer nach einer bestimmten Zeit wieder nach Hause komme. "Was nützt es den Fahrern, wenn sie irgendwo in einem Hotel sind. Dann sind sie nicht dort, wo sie wohnen und ihre Familie haben. Meine Meinung ist, die Fahrer sollten nach 14 Tagen, mindestens aber nach drei Wochen wieder nach Hause kommen können."

Fernfahrerstammtisch auf dem Rasthof Oberlausitz Jeden ersten Mittwoch im Monat lädt die Polizeidirektion Görlitz zum Fernfahrerstammtisch auf den Rasthof Oberlausitz ein. Die Idee dazu hatte vor 16 Jahren der damalige Chef der Autobahnpolizei und heutige Leiter des Verkehrsunfalldienstes, Martin Hottinger. Der Stammtisch ist ein Erfolg. Mehr als 500 Teilnehmer zählte die Polizei dieses Jahr.

Menschliches Versagen oft Ursache für schwere Unfälle

Fernfahrerstammtisch Weihnachten Rasthof Oberlausitze
Weihnachtsüberraschung von der Polizei für die Teilnehmer des Fernfahrerstammtisches: Stirnbänder mit Stirnleuchten. Die sollen die Lkw-Fahrer aufsetzen, wenn sie bei Dunkelheit das Fahrzeug verlassen. Bildrechte: MDR/Rica Sturm

Auch Frank Wobst ist sehr daran gelegen, dass sich die Arbeitsbedingungen der  Fernfahrer verbessern. Was die EU vorschlägt, findet er grundsätzlich nicht falsch. Aber es müsste einiges nochmal durchdacht werden, damit es in der umsetzbar sei, sagt der Leiter der Verkehrspolizeiinspektion: "Die Hotelübernachtung ist sicher nicht so einfach durchzusetzen, wie sich das mancher in Brüssel überlegt hat."

Ansonsten sei es wichtig, dass die Kraftfahrer gut entlohnt werden und vor allem ihre nötigen Ruhezeiten bekommen. "Die schweren Unfälle auf der A4 in meinem Zuständigkeitsbereich beweisen, dass oft menschliches Versagen die Ursache dafür ist. Und das hängt auch mit den Lenk- und Ruhezeiten zusammen", sagt Polizeioberrat Frank Wobst. Der schwere Unfall eines polnischen Sattelschleppers, der vor zwei Wochen auf der A4 zwischen Uhyst und Burkau in die Mittelleitplanke fuhr und umkippte, zeige das. Die von den Polizisten vermutete Unfallursache hat sich bestätigt: Der Fahrer war übermüdet und kurz eingenickt.

Quelle: MDR/ris

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 06.12.2018 | 16:30 Uhr im Regionalreport aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2018, 10:24 Uhr

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