Polizeieinsatz
Die Polizei bereitet sich auf ein Hochsicherheitsspiel vor. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Sicherheitslage Vor FCM-Spiel gegen Union Berlin: Horror-Szenario ohne Grund?

Eine E-Mail aus dem Umfeld von Union Berlin sorgt vor dem Auswärtsspiel beim 1. FCM für Aufregung. Sie zeichnet ein bedrohliches Bild der Sicherheitslage in Magdeburg. Ein überzogenes, sagen Vereine und Polizei.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Polizeieinsatz
Die Polizei bereitet sich auf ein Hochsicherheitsspiel vor. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Der Wirtschaftsrat des 1. FC Union Berlin hat eine Busfahrt zum Auswärtsspiel beim 1. FC Magdeburg wegen großer Sicherheitsbedenken abgesagt. Das geht aus einer internen E-Mail hervor, die MDR SACHSEN-ANHALT vorliegt. Die darin erhobenen Vorwürfe wiegen schwer: "Die Magdeburger Einsatzkräfte haben teilweise resigniert und eingeräumt, dass sie in ihrer Stadt nicht Herr der Lage sind", heißt es mit Bezug auf eine Sicherheitsberatung in dieser Woche. Es könne keine Sicherheit gewährleistet werden. Die Vergangenheit habe gezeigt, dass "auch Jugendliche, Frauen und Gehandicapte nicht verschont werden". Es gebe keinen Ehrenkodex bei einigen FCM-Anhängern, "wirklich alle können zur Zielscheibe werden".

Die Geschäftsstelle des Wirtschaftsrates bestätigte MDR SACHSEN-ANHALT am Donnerstag die Echtheit der E-Mail. Als Reisegruppe wären die Union-Fans aus dem Sponsorenumfeld, die wohl bereits am Sonnabend anreisen und in einem Hotel nahe des Weihnachtsmarktes übernachten wollten, klar zu erkennen gewesen. Die Sicherheitsbedenken seien deshalb zu groß gewesen. Darauf hat der E-Mail zufolge unter anderem auch Unions Sicherheitschef hingewiesen.

Union Berlin distanziert sich von dem Schreiben

Christian Arbeit, Pressesprecher des Zweitligisten, sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "Der Wirtschaftsrat ist kein Gremium des Vereins und kein Teil unserer Organisationsstruktur." Der 1. FC Union Berlin hätte zwar Anreisempfehlungen für seine Anhänger ausgesprochen. Das sei jedoch ein völlig normaler Vorgang. Der Gästeblock sei ausverkauft. "Wir vertrauen dem 1. FC Magdeburg, der Stadt und den Polizeibehörden, dass sie in der Lage sind, ein friedliches Fußballspiel auszutragen." Pikant: Der Verfasser der E-Mail sei laut Arbeit nicht mehr eindeutig ermittelbar. Es handele sich jedoch eher um Fansprache, die mitunter dramatisierend sei.

Uns ist unklar und es ist völlig unverständlich, woher diese Behauptungen kommen. Solchen Aussagen wie die gewählten sind in den Sicherheitsbesprechungen nie gefallen.

Beatrix Mertens, Polizeidirektion Nord

In der E-Mail heißt es, explizit sei auf der Sicherheitsberatung erwähnt worden, dass "vor allem auch Gefahr am Vortag besteht. Gewaltbereite Fangruppen halten sich ganz bewusst in der Stadt auf, suchen Gästefans in Hotels, Restaurants und Kneipen auf. Andere Vereine berichten, dass Autos zerstört wurden", so steht es weiter geschrieben. "Es gibt keine Hinweise, dass in irgendeiner Weise Gefahr am Vortag besteht", sagte dagegen die Sprecherin der Polizeidirektion Nord, Beatrix Mertens, am Donnerstag auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

In der E-Mail heißt es, die örtliche Polizei sei überfordert und habe in der Vergangenheit leider auch große Fehler gemacht. Auch vor der chaotischen Einlass- und Ausgangssituation zum Gästeblock wird in dieser gewarnt. Polizeisprecherin Mertens sagte zu dem Schreiben: "Uns ist unklar und es ist völlig unverständlich, woher diese Behauptungen kommen. Solche Aussagen wie die gewählten sind in den Sicherheitsbesprechungen nie gefallen. Das können wir uns nicht erklären."

BFC und Union verfeindet

Fakt ist: Das Spiel zwischen Union und FCM gilt als Hochsicherheitsspiel. "Das lassen wir selbstverständlich in unsere Einsatzkonzeption einfließen", sagte Mertens. Die Sicherheitsvorkehrungen werden wohl vergleichbar sein mit denen beim Heimspiel Ende Oktober gegen Dynamo Dresden. Die Partie verlief weitestgehend friedlich. "Dieses Spiel war von der Ausgangslage wesentlich brisanter und alles hat wunderbar funktioniert", erklärt der 1. FC Magdeburg auf Anfrage.

Jeder kann nach Magdeburg kommen, das ist eine weltoffene Stadt, in der sich jeder wohlfühlen kann.

Erklärung des 1. FC Magdeburg

Für die Ultras des 1. FCM ist die Partie gegen Union Berlin zwar brisant. Die Rivalitäten zu den Anhängern des Halleschen FC, Dynamo Dresden oder Hansa Rostock erscheinen allerdings wesentlich ausgeprägter. "Wenn sich alle an die Maßnahmen und Hinweise zum Spiel selbst halten, wird es wie gegen Dynamo Dresden ein emotionales und friedliches Fußballspiel geben", so der FCM. "Jeder kann nach Magdeburg kommen, das ist eine weltoffene Stadt, in der sich jeder wohlfühlen kann."

Für Sicherheitsbedenken könnte die Feindschaft zwischen Anhängern des 1. FC Union Berlin und des BFC Dynamo sorgen. Alt-Hooligans des BFC pflegen seit Jahren eine enge Freundschaft zu denen des 1. FC Magdeburg. Sie stehen in der MDCC-Arena unweit des Gästeblocks entfernt und sind in der Vergangenheit des Öfteren durch Provokationen und Gewaltbereitschaft aufgefallen.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine wunderschöne Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 17:40 Uhr