Thüringen Journal - Prozess Altenfeld
Beim Prozessauftakt: Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Anklage wegen Doppelmords Fall Altenfeld: Kritik an Jugendamt

Meistens halten sich Richter mit kritischen Kommentaren zurück, wenn Zeugen vor Gericht aussagen. Im Erfurter Prozess um den Mord an zwei kleinen Kindern ist das anders. Die Aussage einer Mitarbeiterin des Jugendamtes ruft Missfallen hervor.

Thüringen Journal - Prozess Altenfeld
Beim Prozessauftakt: Der Angeklagte neben seinem Verteidiger Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwei Kinder sind tot, eins schwer verletzt. Angeklagt: der 28-jährige Familienvater. Er hat bereits gestanden, seine beiden elf Monate und vier Jahre alten Söhne im vergangenen Juni erstochen zu haben. Der Mann soll auch auf seinen dreijährigen Sohn eingestochen haben. Dieser überlebte schwer verletzt. Das Gericht versucht jetzt zu klären, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte. Welchen Anteil hat das zuständige Jugendamt? Genau damit hat sich das Landgericht Erfurt am Dienstag befasst.

Mitarbeiterin des Jugendamts fast anderthalb Stunden befragt

Die Richter und auch andere Prozessbeteiligte äußerten Unverständnis, dass das Jugendamt die Kinder nicht in Obhut genommen hatte. Denn der Mann soll schon zwei Tage vor dem Tod der Kinder seine Ehefrau so schwer misshandelt haben, dass sie ins Krankenhaus musste. Die Kinder waren nach dem Übergriff trotzdem bei ihrem Vater geblieben - obwohl dem Jugendamt bekannt war, dass der Mann seine Frau schlägt. Das bestätigte eine Mitarbeiterin des Jugendamtes jetzt auch in ihrer Aussage vor Gericht. Die Sozialarbeiterin erklärte, die Kinder seien deshalb nicht sofort in Obhut genommen worden, weil die Eltern mit diesem Schritt nicht einverstanden gewesen seien. Das hätte ihr der Bereitschaftsdienst des Jugendamtes mitgeteilt.

Das Gericht fragte nach, ob sie nicht erwogen habe, dass die Mutter wegen der Misshandlung nicht im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte gewesen sei. Nachgedacht habe sie darüber schon, so die Sozialarbeiterin. Dennoch habe sie am Tag zwischen der Prügelattacke des Mannes und dem Tod der beiden Kinder keinen Kontakt zu der Frau gesucht. Sie sei davon ausgegangen, dass sie nun erst einmal im Krankenhaus behandelt werde, sagte die Zeugin. Fast anderthalb Stunden dauerte ihre Vernehmung durch das Gericht, den Staatsanwalt, die Nebenklage-Vertreter und einen psychiatrischen Gutachter.

Ärger über Besuch der Hebamme bei Familie

Ermittler in weißem Schutzanzug gehen hintereinander eine Treppe zu einem Hauseingang hinauf
Ermittler in Einweganzügen auf dem Weg zur Spurensicherung am Tatort Bildrechte: MDR/Kathleen Sturm/Wichmann

Das Jugendamt des Ilm-Kreises hatte die Familie seit Anfang 2017 betreut. Die als Zeugin geladene Mitarbeiterin war nach eigenen Angaben für die Familie zuständig. In ihrer Befragung gab sie auch an, die Hebamme der Familie habe ihre Kompetenzen überschritten, weil sie kurz vor dem tödlichen Geschehen zu einem unangekündigten Besuch zum Haus der Familie gefahren sei. Darüber sei sie "wütend" gewesen, sagte die Mitarbeiterin. Auf Nachfrage einer Richterin räumte sie ein, das Jugendamt habe sich dann aber auf Angaben der Hebamme zu dem Hausbesuch verlassen, ohne sich noch mal ein eigenes Bild zu machen.

Der Prozess soll an diesem Donnerstag fortgesetzt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Februar 2018 | 15:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2018, 15:32 Uhr

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