Heruntergelassen Rolltore beim Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen
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Wilke-Fleischskandal weitet sich aus – welche Produkte betroffen sind

08.10.2019 | 10:29 Uhr

Zwei Menschen sind durch den Verzehr von verunreinigte Fleisch- oder Wurstprodukte der Firma Wilke bereits gestorben. 37 weitere Krankheitsfälle sollen damit in Verbindung stehen. Weltweit sind Produkte zurückgerufen worden. Bislang war unklar, unter welchen Marken Fleisch und Wurst der Firma Wilke verkauft worden ist. Nun gibt es weitere Infos.

Heruntergelassen Rolltore beim Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. Nach zwei Todesfällen durch Keime in Wurstwaren muss der Hersteller die Produktion stoppen
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Auch in Sachsen ist eine Person an durch Bakterien verunreinigte Wurstwaren der Firma Wilke erkrankt. Das hat das Sächsische Sozialministerium bestätigt. Inzwischen ist die Produktion der Firma seit letzter Woche gestoppt und der Rückruf der Produkte angeordnet.

Das Unternehmen hat die Erföffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Ziel des Verfahrens sei, dass das Unternehmen in Twistetal-Berndorf in Hessen weiter betrieben werden könne. Ob das in diesem Fall gelinge, sei aber fraglich. Entgegen ersten Informationen verkaufte das Unternehmen auch unter fremden Namen. Wir klären, welche Marken auch betroffen sind.

Womit sind die Produkte der Firma Wilke verunreinigt?

Listerien
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Fleisch- und Wurstwaren der Firma sind mit Bakterien verunreinigt. Genauer handelt es sich um Listerien, die sehr häufig in der Natur vorkommen. Normalerweise erkranken nur wenige Menschen an einer so genannten Listeriose. Der Krankheitsverlauf bei gesunden Erwachsenen ist meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion für Kinder oder Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem.

Wie erkenne ich Produkte von Wilke?

Nach Angaben des Landes Hessen sind alle Eigenmarken der Frima Wilke mit dem Identitätskennzeichen "DE EV 203 EG" betroffen. Diese sind unter diesem Link abrufbar.

Zusätzlich sind auch folgende Marken und Handelsnamen betroffen, sofern sie das Identitätskennzeichen tragen, teilt die Landeskontaktstelle im Europäischen Schnellwarnsystem mit:

- Haus am Eichfeld
- Metro Chef
- Service Bund Servisa
- CASA
- Pickosta
- Sander Gourmet
- Rohloff Manufaktur
- Schnittpunkt
- Korbach
- ARO
- Findt
- Domino

Anfang der Woche war auch bekannt geworden, dass auch der Möbelkonzern Ikea mit Wilke-Produkten beliefert worden ist. Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Sprecherin. Ikea war am Mittwoch durch den Großhändler über die Schließung von Wilke informiert worden und habe "den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt", sagte die Sprecherin. Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus Restaurant, Schwedenshop und Bistro. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.

Wieviele Wilke-Produkte sind noch im Umlauf?

Das kann niemand genau sagen. Genaue Angaben zum Stand der Rückrufaktion haben die Behörden nicht veröffentlicht. Trotzdem dürfte ein Großteil der Wilke-Waren in Deutschland aus dem Verkehr gezogen sein. Allerdings hält die Verbraucherorganisation Foodwatch es für wahrscheinlich, dass noch Wilke-Produkte in Umlauf sind.

Stark kritisiert wird derzeit die Informationspolitik der Behörden. Verbraucherschutzverbände fordern, die gesamten Lieferlisten des Unternehmens zu veröffentlichen.

Heute läuft ein Ultimatum der Verbraucherorganisation Foodwatch an die Behörden ab. Diese hatte am Sonntagmittag einen Eilantrag an hessische Behörden gestellt, binnen maximal 48 Stunden die Namen der vom Rückruf betroffenen Produkte und Verkaufsstellen herauszugeben.

Eine Liste wie Foodwatch sie fordert, gibt es laut dem Land Hessen aber nicht. Wilke habe nur die Namen der direkten Kunden wie Großhändler - an welche Einzelhändler die Waren gingen, sei durch mehrere Vertriebsstufen nicht nachvollziehbar. Die Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt wegen fahrlässiger Tötung im Fall Wilke.

Quellen: MDR/dpa/foodwatch

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 04. Oktober 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Oktober 2019, 10:29 Uhr