Freiwilligentag: So setzen sich Menschen in Thüringen und Sachsen-Anhalt für andere ein

Sie sammeln Müll, räumen den Sportplatz auf und machen Spielplätze wieder schön: Am Freiwilligentag opfern ein paar Stunden von ihrer Zeit, um andere glücklich zu machen.

Freiwilligentag: Hier helfen Spieler und Mitarbeiter des VfL Wolfsburg, einen Sportplatz wieder herzurichten
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Es ist eine Art Kurzzeit-Ehrenamt ohne Verpflichtungen: An Freiwilligentagen packen Interessierte in ihrem Dorf und ihrer Stadt für ein paar Stunden dort mit an, wo Hilfe gebraucht wird. Vereine und gemeinnützige Organisationen entscheiden, welche Projekte sie gern voranbringen möchten. Die wären ohne die Unterstützung der vielen Helfer oft gar nicht möglich.

"Subbotnik" ohne Zwang

Seit der Jahrtausendwende veranstalten viele Regionen und Kommunen die Freiwilligentage. Einen deutschlandweit einheitlichen Tag dafür gibt es nicht, die Städte und Kommunen entscheiden selbst: Leipzig etwa veranstaltet den Freiwilligentag schon im Mai. Viele Gemeinden in Sachsen-Anhalt und Thüringen suchen jetzt für Mitte September Helfer, die zusammen etwas verändern wollen. Die Idee dafür kommt übrigens wie so oft auf den USA, von den "days of caring". Dabei gab es solche Tage schon viel früher, die "Subbotniks" in der Sowjetunion und der DDR. Da wurde gemeinsam auch viel geschafft – allerdings nicht immer ohne Zwang.

Jena, Magdeburg, Gräfenhainichen und Wolmirstedt machen mit

Am Wochenende suchen mehrere Gemeinden in Thüringen und Sachsen-Anhalt freiwillige Helfer. In Jena will die Bürgerstiftung im "Paradies" – einer grünen Oase in der Stadt – Graffitis entfernen, das Biotop im Leutratal pflegen, einen Sichtschutz für Hunde bauen oder Senioren mit Briefen erfreuen. Alle Freiwilligenaktionen sind bereits ausgebucht, Nachfragen lohnt sich möglicherweise aber. Schon am Donnerstag hatten Helfer des Leipziger Unternehmens VNG an einem Kinderheim die Hecken geschnitten, Zäune gestrichen und den Sandkasten in Ordnung gebracht.

Neugebauter Schuppen (Symbolbild)
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In Magdeburg wird es am Samstag einen Sportfest für ältere Menschen geben, das Freiwillige organisieren. Der Garten einer Kindertagesstätte soll winterfest gemacht werden, der Interkulturelle Garten bekommt einen neuen Schuppen, außerdem werden Fühlkissen für Senioren gebastelt. Am Freitagmittag gab es für zahlreiche Aktionen noch freie Plätze.

In Schköna im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt soll am Samstag der Sportplatz wieder hergerichtet werden: Die Sprunggrube wird erneuert und das Vereinsheim gestrichen. Am Wochenende darauf gibt es dann einen Familiensportfest, unter Corona-Bedingungen mit Abstand. Auch in der Einheitsgemeinde Hohe Börde gibt es am 12. September einen Freiwilligentag. Den organisiert das Freiwilligenzentrum „Engagierte Hohe Börde“.

Debatte über mehr Unterstützung für das Ehrenamt

Ehrenamt: Fußballtrainer für Kinder
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Die Freiwilligentage sind auch für die Menschen gedacht, die für ein festes Ehrenamt nicht genug Zeit haben, aber eben trotzdem andere unterstützen wollen. In Deutschland gibt es mehr als 17 Millionen Menschen, die in ihrer Freizeit für andere einkaufen, Kinder beim Sport unterstützen oder Todkranken einen letzten Wunsch ermöglichen. Dazu kommen die vielen Tausend Helfer am Freiwilligentag. Diese Arbeit, in die Menschen viel Herzblut und Zeit stecken, soll jetzt besser gewürdigt werden. In Thüringen berät am Freitag (11. September) der Verfassungsausschuss des Landtages darüber, ob bald die Förderung von Ehrenämtern als Ziel in der Landesverfassung genannt werden soll. Dafür hatten sich mehrere Landtagsfraktionen eingesetzt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat diese Woche in Dresden Menschen getroffen, die sich während der Corona-Pandemie besonders für andere engagieren.  

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 10. September 2020 | 11:00 Uhr

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