Urlaubsziele im Sommer 2020: Da wollen jetzt alle hin

Urlaub in der Nähe, am besten in einer ländlichen Gegend, im Ferienhaus statt in einer Ferienwohnung: Die Buchungen für den Sommer zeigen deutlich, wie stark das Corona-Virus die Urlaubspläne verändert hat.

Ostsee-Strand in Grömitz, Schleswig-Holstein
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Hoffen und Daumendrücken: Der anstehende Sommerurlaub ist für viele eine echte Zitterpartie. Sie mussten Reisen ins Ausland stornieren und sich dann etwas Neues in Deutschland suchen. Andere wussten nicht, ob ihre Buchungen bei Hotels wegen der Belegungsobergrenzen klappen. Zudem kann niemand sagen, ob nicht ein erneuter Corona-Ausbruch und ein Lockdown wie jetzt in der Region Gütersloh alle aufwendigen Planungen wieder zunichtemachen. Diese Unsicherheit und die Beschränkungen haben das Buchungsverhalten der Sachsen, Thüringer und Sachsen-Anhalter spürbar beeinflusst. Das zeigt eine Auswertung der Suchmaschine Hometogo für MDR JUMP. Dafür wurden 300.000 Suchanfragen für Ferienhäuser und –wohnungen und einige Hotels ausgewertet.

Ferienhäuser stärker nachgefragt als Ferienwohnungen

Der Hometogo-Sprecher Jonas Upmann hat für uns verglichen, wonach Sommerurlauber Anfang des Jahres vor Corona und jetzt im Mai und im Juni gesucht haben. In den Ergebnissen lassen sich gleich mehrere Trends erkennen, so Upmann. Er spricht vom "Corona-Reiseziel-Effekt":

Jonas Upmann, Sprecher von Hometogo
Bildrechte: Jonas Upmann, Hometogo

Wir sehen zum einen, dass die Reiseentfernung vom Buchungsort zum Reiseort kleiner geworden ist. Da wird gern nahe der Heimat Urlaub gemacht und es sind vor allem mit dem Auto erreichbare Ziele gefragt.

Flugreiseziele im Ausland werden laut Jonas Upmann zwar inzwischen wieder gesucht und auch gebucht. Dies Zahl der Buchungen steige aber nur sehr langsam und auch erst zum Ende des Sommers hin. Offensichtlich vertrauen viele Urlauber noch nicht den Versicherungen der Airlines, Fliegen sei wegen des Luftaustauschs sehr sicher. Auch in einem weiteren Punkt sieht der Hometogo-Sprecher einen Beleg für das Sicherheitsbedürfnis der Urlauber: Beliebt sind vor allem ländliche Regionen, freistehende Ferienhäuser werden messbar stärker nachgefragt als Ferienwohnungen. So können Urlauber möglichst für sich bleiben. Der Trend zur Urlaubsfahrt mit dem Auto und zu Zielen in Deutschland könnte in diesem Jahr zu ähnlich vollen Autobahnen und Staus führen wie in anderen Jahren. Das gleicht möglicherweise aus, dass viele aus Sicherheitsgründen, wegen harter Einschnitte im Job oder Arbeitlosigkeit 2020 wohl ganz auf den Urlaub verzichten. ADAC-Reiseexperte Roman Suthold sagte Anfang der Woche:

Wir erwarten wegen der Corona-Krise weniger Auslandsreisen per Flugzeug und dafür mehr Urlaub mit dem Auto in Deutschland und den Nachbarländern. Wer flexibel ist, sollte wieder auf einen anderen Reisetag ausweichen, zum Beispiel Montag oder Dienstag.

Dieses Jahr ist alles anders

Wie stark der Corona-Virus die Urlaubspläne sehr vieler Menschen verändert haben, zeigt auch ein Vergleich der beliebtesten Reiseziele. Dafür hat Hometogo mehr als 20 Millionen Sommer-Suchanfragen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für Januar 2020 und Mitte Mai bis Mitte Juni verglichen.

Top Ten vor Corona: Nach diesen Reisezielen haben Urlauber im Januar gesucht (Platz ergibt sich aus Häufigkeit der Suchanfragen)
1 Ostsee
2 Nordsee
3 Mallorca/Spanien
4 Gardasee/Italien
5 Istrien/Kroatien
6 Toskana/Italien
7 Sardinien/Italien
8 Holländische Küste
9 Korsika
10 Bodensee

Die Ostsee ist und bleibt das Lieblingsreiseziel der Urlauber aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die wollten zumindest am Jahresanfang aber auch gern nach Italien, Korsika, Kroatien oder Spanien.

Top Ten während Corona: Nach diesen Reisezielen haben Urlauber im Mai und Juni gesucht (Platz ergibt sich aus Häufigkeit der Suchanfragen)
1 Ostsee
2 Nordsee
3 Holland
4 Bodensee
5 Sylt
6 Holländische Küste
7 Bayern
8 Mecklenburgische Seenplatte
9 Istrien/Kroatien
10 Mallorca

Daran haben die Unsicherheit und die Beschränkungen in der Corona-Zeit nichts geändert: Die Ostsee ist weiterhin das beliebteste Reiseziel. Auf den weiteren Plätzen folgen dann vor allem Ziele in Deutschland. Ein paar Interessenten für weiter entfernte Ziele wie Mallorca oder Kroatien gibt es aber offenbar schon wieder.

Alles voll nach Buchungsansturm?

Viele kennen das von zahlreichen erfolglosen Anrufen und E-Mails: Vor allem in den beliebten Urlaubsregionen am Wasser, an Ostsee und Nordsee und in Bayern ist im Sommer schon sehr viel komplett ausgebucht. Mit etwas Flexibilität finden Urlauber in diesen Regionen trotzdem noch Unterkünfte, sagte Jonas Upmann:

Wir haben bei uns eine Filterfunktion über der Karte: Man sucht erst einen Urlaubsort, den man kennt und verschiebt dann die Karte leicht weg von den bekannten Zielen. Dann kann man dort noch tatsächlich leichter etwas finden.

Ferienhäuser mit Reetdach in den Dünen von Ahrenshoop
Weit weg von allen anderen, trotzdem am Wasser: Solche Ferienhäuser wie hier in Ahrenshoop sind in diesem Sommer für viele DAS ideale Urlaubsziel Bildrechte: imago images / CHROMORANGE

Also ein paar Kilometer vom Strand weg statt direkt hinter der Düne, ein paar Minuten Fahrtweg statt zu Fuß ans Wasser: Das ist aber immer noch besser als gar kein Urlaub. Der Buchungsansturm auf Ziele in Deutschland hat nach der Untersuchung von Hometogo bisher nicht zu höheren Preisen für Ferienhäuser oder -wohnungen geführt. Dafür habe man sich konkrete Unterkünfte angesehen und die Preise verglichen. Jonas Upmann sagte MDR JUMP:

Der Ferienhausmarkt ist ein sehr klassisches Urlaubsgeschäft und die Vermieter sind es gewohnt, den Kontakt zu ihren Urlaubern zu haben. Das ist ein persönliches Geschäft, wo man jetzt nicht versuchen möchte, auf Kosten der Urlauber die Preise zu erhöhen. Das ist auch eine Chance: Die Urlauber würden sonst vielleicht ins Ausland fliegen und jetzt lernen die auch einmal ihre Heimat kennen.

Damit werden vielleicht auch nicht ganz so prominente Reiseziele in Deutschland bekannter und beliebter.

Gibt es auch einen Buchungsansturm auf Gaststätten, Hotels und Vermieter im Osten?

Auf den hofft die Tourismusbranche in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, um kostendeckend arbeiten zu können und Verluste aus dem Lockdown auszugleichen. Nach den Zahlen von Hometogo gibt es inzwischen tatsächlich eine erhöhte Nachfrage nach Zielen im MDR-Sendegebiet:

Leipziger Baumwollspinnerei
Beliebt bei Touristen: Leipziger Baumwollspinnerei Bildrechte: dpa

Die Sächsische Schweiz steht bei Suchanfragen aus allen drei Bundesländern ganz oben. Dann kommen interessanterweise Leipzig und Dresden, also zwei Städte-Ziele. Danach der Harz mit Wernigerode, die Lausitz und Görlitz.

Insgesamt würden auch bei Suchanfragen für die drei Bundesländer vor allem ländliche Ziele sehr häufig gesucht.

Auch Camping-Plätze am Wasser teils schon ausgebucht

Hometogo wertet nur die Suchanfragen nach "festen" Urlaubsunterkünften aus. Für die Nachfrage nach Zeltplätzen oder Stellplätzen für Wohnmobile kann Jonas Upmann daher keine Einschätzung geben. Nach den Meldungen der letzten Wochen wird es aber vor allem beim Camping an den Lieblingsplätzen der Deutschen an Ostsee, an Nordsee, an Flüssen, in Bayern schon schwierig. Die Lage wird auch dadurch erschwert, dass die Zeltplätze wegen Corona nicht komplett belegt werden dürfen. Wer es trotzdem versuchen will, sollte nicht auf gut Glück los fahren, sondern unbedingt vorab buchen. Dafür gibt es Suchmaschinen wie MaxCamping, Landvergnügen oder Campspace. "Landvergnügen" listet Stellplätze auf, die Bauern auf ihrem Hof und ihren Feldern anbieten. Bei "Campspace" bieten Menschen auf ihren Grundstücken Stellplätze an. Je nach Bundesland sind beim Camping mal nur Wohnmobile erlaubt, die selbst eine Toilette haben. In anderen Bundesländern dürfen nur die Zeltplatztoiletten offen haben, aber die Duschen nicht. Das ändert sich eventuell wohl noch in den nächsten Wochen. Urlauber sollten es aber im Blick haben.

Mit Material von dpa.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 23. Juni 2020 | 12:00 Uhr

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