Auto in Werkstatt repariert – Gefälschte Rechnung im Briefkasten

Eine Rechnung im Briefkasten ist nie besonders schön. Richtig blöd ist es allerdings, wenn die vermeintlich echte Rechnung dreist gefälscht wurde. So ist die Betrugsmasche in Leipzig passiert. Wir erklären, wie ihr die falschen Schreiben erkennt und diese Falle vermeidet.

Briefkasten der Post
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Jennifer B.* aus Leipzig musste ihr Auto in eine Werkstatt bringen. Wie immer hat sie es nach der Reparatur abgeholt und die Rechnung per Post bekommen. Doch diesmal wurde sie beim Überweisen stutzig: Das Geld sollte an ein Konto in den Niederlanden gehen. Statt „DE" stand bei der IBAN auf der Rechnung „NL" - das Kürzel für die Niederlande. Nach kurzer Rücksprache mit ihrem Freund hat sie das Geld trotzdem überwiesen.

Betrugsmasche Rechnungsfälschung
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Ich habe das Geld an einem Freitagabend, glücklicherweise nach 18 Uhr überwiesen - also nach dem letzten Zeitpunkt der Buchung durch die Bank. Sonntagfrüh haben wir dann von der Werkstatt eine Nachricht bekommen: 'Habt ihr das Geld schon überwiesen? Ich habe kein Konto in den Niederlanden!'

Von einem anderen Kunden, der aufgrund des niederländischen Kontos stutzig geworden ist, hat der Werkstattbesitzer von den gefälschten Rechnungen erfahren - und konnte so gleich alle anderen Kunden warnen.

Gerissener Betrug

Jennifer ist zwar auf eine Betrugsmasche hereingefallen, hatte aber Glück im Unglück. Sie konnte ihr Geld durch die Bank zurückholen lassen, da es noch nicht verbucht war. Hätte die Bank das Geld schon überwiesen gehabt, hätten Jennifer und ihr Freund es wahrscheinlich nicht wiederbekommen.

Die Masche ist schon gerissen. Man hat an dem Brief und an dem Umschlag kaum etwas gesehen. Man muss da schon genauer hinsehen. Und man schaut ja auch nicht jeden Brief und jeden Umschlag so genau an. Man sieht nur was man bezahlen muss, erschreckt sich, und denkt sich: Okay, mach ich heute! Mehr macht man ja nicht.

So funktioniert der Rechnungs-Betrug

Die Betrüger fischen offenbar Briefe aus den gelben Briefkästen der Post, die nach Rechnungen aussehen. Diese öffnen sie dann und fälschen die Rechnung. Dabei werden zum Beispiel die Kontodaten ausgetauscht. Die Rechnungskonten liegen dann oft im Ausland.

Betrugsmasche Rechnungsfälschung
Die gefälschte Rechnung von Jennifer B. Bildrechte: MDR JUMP

Ist das geschehen, werfen sie offenbar die Briefe im Original-Umschlag wieder zurück in den Postkasten. Das Praktische: Die Briefmarke war schon auf dem Umschlag und noch nicht abgestempelt. So müssen die Betrüger nicht einmal für das Porto aufkommen - und der Poststempel ist auch unauffällig. Die Rechnungen kommen dann für gewöhnlich ein paar Tage später beim Kunden an, was aber meist nicht weiter auffällt oder andere Gründe haben könnte. Bei den Rechnungen selbst erkennt man nicht unbedingt auf den ersten Blick, dass es sich um Fälschungen handelt.

Deutscher Post sind solche Betrugsmaschen bekannt

Wir haben die Deutsche Post gefragt, ob dem Unternehmen solche Fälle bekannt sind. Schriftlich teilt uns Anke Blenn von der Deutschen Post mit:

Die Deutsche Post unternimmt alle vertretbaren Sicherheitsanstrengungen, um die ihr anvertrauten Sendungen zuverlässig zum Empfänger zu bringen. [...] Wir haben einen eigenen Bereich Konzernsicherheit, arbeiten eng mit der Polizei zusammen und setzen betrieblich eine Reihe effektiver Sicherheitsmaßnahmen um - die wir natürlich nicht öffentlich kommentieren (denn sonst wären sie ja keine mehr...). Trotz allem ist leider nie gänzlich auszuschließen, dass solche Fälle krimineller Manipulationen vorkommen können.

So schützt ihr euch vor dem Betrug

Bei der Polizei Leipzig sei das Rechnungsfälschen als Betrugsmasche noch nicht bekannt, erklärt Therese Leverenz von der Polizei Leipzig. Passieren kann es aber überall. Davor schützen diese Vorsichtsmaßnahmen:

  • Bei dieser Masche, werden schon vorhandene Rechnungen mit neuen Kontodaten versehen. Dafür kopieren die Betrüger die Rechnung, um so neue Daten einfügen zu können. Achtet also darauf, dass ihr eine Originalrechnung habt, keine Kopie.

  • Schaut euch die Rechnung genau an: Sieht etwas komisch aus? Fehlt eine Unterschrift? Schaut auch den Briefumschlag genau an, ob es Auffälligkeiten gibt.

  • Therese Leverenz von der Polizei Leipzig empfiehlt diesen Schutzhinweis: Bei den Kontodaten darauf achten, wo das Konto ist. Fängt die IBAN nicht mit DE an, ist es ein ausländisches Konto. In dem Fall sollte man lieber nochmal beim Rechnungssteller nachfragen, ob das so richtig ist.

Oft meldet sich die Bank bei Auffälligkeiten auch selbst. Beispielsweise, wenn hohe Summen ins Ausland überwiesen werden. Dann fragt die Bank oft nach, ob das so alles richtig ist.

*Name von der Redaktion geändert

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 29. Juli 2020 | 13:00 Uhr

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