Badeunfälle: Gefahr erkennen und Hilfe leisten

Badeunfälle werden in diesem Sommer zunehmen, warnt die DLRG. Dazu: In letzter Zeit häufen sich Todesfälle von Amateur-Rettern. Wie klären, wo die Gefahren am höchsten sind und wie ihr helfen könnt!

Blondes Kind mit orangfarbenen Schwimmflügel planscht im Wasser.
Bildrechte: imago/Waldmüller

Immer wieder liest man solche oder ähnliche Schlagzeilen: „Mann ertrinkt beim Rettungsversuch seiner Kinder". Oft passiert es, dass sich Ersthelfer selbst in Gefahr begeben, wenn sie Ertrinkende retten wollen. Das kann am falschen Verhalten liegen, oder dass das Gewässer und seine Strömung falsch eingeschätzt werden.

Besonders viele Badeunfälle im Sommer

Laut der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ertranken im Jahr 2019 mindestens 417 Menschen - also etwa 17 Prozent weniger als im Jahr davor. Mehr als die Hälfte der Badeunfälle sind in den Sommermonaten Juni, Juli und August passiert. In diesem Jahr rechnet die DLRG sogar mit mehr Badeunfällen als im vergangenen Jahr. DLRG-Sprecher Achim Wiese begründet das so:

Achim Wiese, Sprecher des DLRG-Bundesverbandes
Bildrechte: Achim Wiese/DLRG

Es zieht in diesem Sommer mehr Menschen an heimische Gewässer, da viele nicht in den Urlaub fliegen.

Und nicht alle Badestellen haben Bademeister. Die DLRG berichtet, dass etwa 80 Prozent der jährlichen Ertrinkungsfälle dort passieren, wo es keine Aufsicht gibt. Gefahren seien dabei Strudel, die immer wieder unterschätzt werden und die Strömungen und Fließgeschwindigkeiten von Flüssen und dem Meer.

Die Unterströmung im Meer ist teilweise so stark, dass es einen Menschen wie mit einem Staubsauger auf's offene Meer zieht.

Das ist auch für kleine Kinder im flachen Wasser gefährlich, weil sie leicht umgerissen werden können. Deshalb rät die DLRG auf die Badestellenkennzeichnung, also die Flaggen am Strand, zu achten. Eine gelbe Flagge bedeutet extreme Gefahr für Kinder und Nichtschwimmer und die rote Flagge bedeutet ein Badeverbot.

Ertrinkende Menschen sind oft leise

Entgegen der landläufigen Vorstellung, dass ertrinkende Menschen laut um Hilfe rufen, sind sie meist recht still. Denn durch das Wasser in den Atemwegen kann sich die Stimmritze im Kehlkopf verkrampfen. So will der Körper verhindern, dass Wasser in die Lunge kommt. Aber so kann es sein, dass man nicht mehr atmen kann - dann versagt auch unsere Sprachfunktion. Nach Hilfe rufen wird dann unmöglich. Da auch das Wedeln mit den Armen viel Kraft kostet, schaffen es die meisten Ertrinkenden nicht mehr. Wer lange keine Luft mehr holen konnte, wird meist ohnmächtig.

Wie kann ich ertrinkenden Menschen helfen?

Rettungsring
Bildrechte: MDR/ Stadt Tambach-Dietharz

Als erstes gilt: Sich selbst nicht in Gefahr bringen! Deshalb sollte sofort laut um Hilfe gerufen oder der Notruf 112 angerufen werden, sobald man einen Ertrinkenden sieht. Wenn ein Rettungsring oder eine Rettungsboje in der Nähe ist, sollte man versuchen, sie dem Ertrinkenden zuzuwerfen.

Wer ein erfahrener Schwimmer ist und sich den Rettungsversuch zutraut, sollte sich einen Überblick verschaffen und sich merken, wo der Ertrinkende ist. Denn der Ertrinkende verschwindet womöglich immer wieder unter der Wasseroberfläche. Als Retter nimmt man am besten einen schwimmfähigen Gegenstand, wie ein Surfbrett oder einen Rettungsring, zur Rettung mit. Am besten nähert man sich der Person in Not von hinten, da sie sich so nicht aus Panik an den Retter klammern kann und ihn so womöglich auch in Gefahr bringt. Dem Ertrinkenden gibt man den Gegenstand, an dem er sich festhalten kann und bringt ihn dann so schnell wie möglich an Land. Ist er nicht mehr bei Bewusstsein wendet man am besten den sogenannten Kopf-Schleppgriff oder den Achsel-Schleppgriff an.

Erste Hilfe nach der Rettung

An Land solltet ihr die Atmung des Geretteten überprüfen. Wenn der Atem da ist, legt ihr den Geretteten in die stabile Seitenlage. Ist kein Atem festzustellen, sollte sofort mit der Beatmung begonnen werden. Und bei Herzstillstand sollte gleichzeitig eine Herzdruckmassage erfolgen. Wenn der Notarzt eintrifft, könnt ihr ihm die lebensrettenden Maßnahmen überlassen.

Immer weniger Kinder können richtig schwimmen

Zwar steht Schwimmen auf den Stundenplänen von Schulkindern, aber etwa ein Viertel der Schulen hat keinen Zugang zu Schwimmhallen. Außerdem gibt es einen Mangel an Schwimmlehrern. Zwar bietet unter anderem die DLRG Schwimmkurse an, die haben aber teilweise jahrelange Wartelisten.

Ein Kind mit Schwimmarmen im Wasser.
Bildrechte: Colourbox.de

Im Jahr 2019 ertranken 17 Kinder im Vorschulalter, 8 im Grundschulalter. Die DLRG warnt: 59 Prozent der Kinder können nach der Grundschule nicht richtig schwimmen. Schon seit 14 Jahren lässt die DLRG das Schwimm-Können per Umfragen überprüfen.

Wo ist das Risiko zu ertrinken am höchsten?

Die meisten Menschen ertranken 2019 an Seen, Teichen und Flüssen. Von Rettungsschwimmern bewachte Badestellen sind sicherer - und dort ertrinken weniger Menschen.

Was sind die häufigsten Ursachen fürs Ertrinken?

Laut DLRG sind Übermut, mangelnde Schwimmfähigkeiten, Selbstüberschätzung, Alkohol und die Unkenntnis möglicher Gefahren häufige Ursachen - vor allem bei Männern. Vier von fünf Todesopfern sind männlich.

 Was sollte beim Baden mit Kindern beachtet werden?

In der Nähe von Wasser sollten Eltern ihre Kinder nicht aus den Augen lassen - auch wenn sie schon schwimmen können. Denn kleine Kinder können schon in sehr flachem Wasser ertrinken. Wer nicht schwimmen kann, sollte maximal bis zum Bauch ins Wasser.

Jeder Mensch ist rechtlich verpflichtet zu helfen, wenn eine andere Person in Gefahr ist. Das steht im sogenannten Hilfeleistungsparagrafen 323 im Strafgesetzbuch. Dieser besagt, dass unterlassene Hilfeleistung mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden kann. Aber sobald man sich bei der Hilfeleistung nicht selbst in Gefahr bringen würde. Dabei gilt der Grundsatz, dass ein jeder so viel tun muss, wie zumutbar ist.

Mit Material der Nachrichtenagentur AFP.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 06. August 2020 | 15:10 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP