I plant a tree
Aufgeforstete Brachfläche in Wallendorf. Bildrechte: MDR JUMP

Um die Ecke einen Baum für den Klimaschutz pflanzen

19.08.2019 | 15:10 Uhr

Bäume pflanzen und damit etwas für den Klimaschutz tun, das hat sich das hallesche Projekt "I plant a tree" zum Ziel gesetzt. Auf Brachflächen entstehen so kleine Wälder. Schon mehr als 316.000 Bäume hat die Organisation gepflanzt.

I plant a tree
Aufgeforstete Brachfläche in Wallendorf. Bildrechte: MDR JUMP

"I plant a tree" forstet in Deutschland Bäume auf Brachflächen auf. Eine dieser Flächen ist in Wallendorf. Die ehemalige Hausmüll-Deponie wurde Anfang der 90er Jahre stillgelegt. Diese 15 Hektar Fläche sollen nun Schritt für Schritt aufgeforstet werden, erläutert Christian Lingnau von "I plant a tree". Der erste Teil wurde 2015 mit Bäumen bepflanzt und im April dieses Jahres wurde dann ein Teil mit 9.000 jungen Bäumen bepflanzt. Doch durch den besonders stickstoffhaltigen Boden brauchen die Jungpflanzen eine spezielle Pflege, sagt Christian Lingnau.

Die kleinen Bäume sind anfangs 30 bis 50 Zentimeter groß, die müssen wir regelmäßig schützen. Das heißt, wir fahren dann mit den Trecker durch oder auch mit der Sense. Wir müssen das was jetzt hochwächst klein halten, damit die Bäume genug Licht, Platz und Wasser zum Wachsen haben.

In Wallendorf stehen ganz verschiedene Bäume: Eichen, Ahorn, Hainbuchen, Winterlinden und Obstbäume sind dabei. Doch weil sich die Böden auf den verschiedenen Brachflächen unterschieden, zeigt erst die Zeit und die Erfahrung, welche Baumart geeignet ist.

I plant a tree - Christian Lingnau
Christian Lingnau von "I plant a tree" vor der aufgeforsteten Fläche in Wallendorf. Bildrechte: MDR JUMP

Bei einem guten Boden, kann der Baum auch mehr Trockenheit vertragen, als an einem mittelmäßigen Standort. Aber generell sind solche Sommer, wie wir sie jetzt hatten, extrem schädlich.

Das Wetter setzt den Bäumen zu

Die Dürre und Trockenheit macht besonders den jungen Pflanzen auf den aufgeforsteten Flächen zu schaffen. Aber auch die Winter mit wenig Frost und viel Feuchtigkeit, seien für die Bäume schädlich. Dazu kommt, wie in so vielen Wäldern Deutschlands, auch noch die Beschädigung durch den Borkenkäfer. Christian Lingnau sieht die Lösung vor allem im Anpflanzen von Mischkulturen.

Aber es gibt kein Patentrezept, das man sagen kann: 'Mischwald funktioniert'. Tendenziell ist es besser, als ein oder zwei Baumarten und es geht auch darum, dass nicht alle Baumarten gleich alt sind und sich entwickeln können. Aber man muss eben probieren. Je nach Standort muss man schauen.

Christian Lingnau erklärt, dass das Ziel auch sei, Bäume die in der Region heimisch seien zu pflanzen. Aber auch Baumarten, die es nicht mehr so oft gäbe.

Jeder kann sich einen Baum kaufen

Nicht nur Unternehmen pflanzen mehrere hunderte oder tausende Bäume mit "I plant a tree", auch Privatpersonen beteiligen sich. Denn schon ein gepflanzter Baum ist ein Anfang, findet Christian Lingnau:

Einer fängt schon was auf. Es müssen nicht hundert oder zwanzig Bäume sein, es reicht auch einer. Jeder wie er will. Jeder Baum macht was. Wir rechnen mit etwa 10 kg CO2 Kompensation pro Baum und Jahr.

Die Preise der Bäume richten sich unter anderem nach der Größe der Fläche. Bei größeren Flächen seien die Konditionen besser, erklärt Christian Lingnau. Im Durchschnitt kosteten die Bäume zwischen drei und vier Euro pro Stück.

Neuer Lebensraum für Insekten und Vögel

Die gepflanzten Wälder spielen nicht nur für den Klimaschutz eine große Rolle. Sind die Bäume groß genug, bieten sie auch Insekten und Vögeln einen neuen Lebensraum. Sie bieten nicht nur Windschutz und Schatten, sondern auch Blüten zum Bestäuben.

Brachflächen gesucht

I plant a tree - Christian Lingnau
Bildrechte: MDR JUMP

"I plant a tree" ist immer auf der Suche nach neuen Flächen zum Aufforsten. Die Flächen werden gekauft, um sie in einen gemeinnützigen Wald zu verwandeln. Diese Flächen gibt es schon im Oberharz, Nietleben, Kalbe, Wallendorf, Selketal, Kobschütz bei Leipzig, Görtz, Berlin und in Schleswig-Holstein. Sollte die Organisation "I plant a tree" irgendwann aufgelöst werden, gehen die Wälder auf andere gemeinnützige Umweltorganisationen über.

Eicheln sammeln

Man kann die Organisation nicht nur mit einer Spende, dem Pflanzen eines Baumes oder einer Brachfläche unterstützen, im Moment sucht "I plant a tree" auch Eicheln, da viele Eichenbäume wegen der Hitze gestorben sind. Damit sollen später dann die Lücken auf der Fläche in Kobschütz aufgefüllt werden.

Andere Möglichkeiten Bäume zu pflanzen

Viele Städte wie Leipzig, Dresden, Halle, Bad Dürrenberg und andere, bieten Patenschaften für Bäume an, bei denen ihr mit einer Spende das Pflanzen und die Pflege eines bestimmten Baumes unterstützt. In Erfurt bekommt man extra noch eine Wildblumenmischung von der Stadt. Neben "I plant a tree" gibt es noch viele andere gemeinnützige Projekte, wie "plant for the planet" und die Suchmaschine "Ecosia", die Bäume pflanzen.

Bäume speichern CO2 Je nach Baumart, Alter und Größe speichern die Bäume unterschiedlich viel CO2. Durchschnittlich speichert ein Baum ca. 10 kg CO2 im Jahr, schätzt "I plant a tree". Mit dem Speichern des CO2 helfen Bäume auch gegen die globale Erwärmung zu kämpfen.

I plant a tree - Christian Lingnau
Bildrechte: MDR JUMP

Christian Lingnau Christian Lingnau hat Umweltschutz studiert und ist Mitglied der Organisation "I plant a tree".

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Die Themen des Tages | 20. August 2019 | 19:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. August 2019, 15:10 Uhr

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