Psychologen raten: Lasst euren Kindern den Glauben an den Weihnachtsmann!

Corona ist für alle anstrengend. Wie gut, wenn man sich wenigstens an ein paar Sachen erfreuen kann – dem Weihnachtsmann zu Beispiel. Jedenfalls, wenn man noch an ihn glaubt. Psychologen raten Eltern nun, den Mythos dieses Jahr nicht leichtfertig zu zerstören. Zum Wohle der Kids.

Bei manchen ist es früher, bei anderen später – aber irgendwann im Leben kommt für jeden der traurige Punkt: Man findet heraus, dass es den Weihnachtsmann nicht wirklich gibt. Für manche ist das kein wirkliches Problem. Dann sind es eben Mama und Papa, die für die Geschenke sorgen – was soll’s. Für andere geht der Realitätsschock mit ein paar mehr Tränen ab. Und an genau diese Kinder denken Psychologen der Universität im britischen Exeter, wenn sie Eltern in der Pandemie folgenden Tipp geben: Gerade im Corona-Jahr sollten sie zum Wohle ihrer Kinder deren Glauben an den Weihnachtsmann so lange wie möglich aufrecht erhalten.

Weihnachten ist eine Zeit der Magie

Zu viel Ehrlichkeit, so das Argument, könnte dagegen nur weiteren emotionalen Stress auslösen. Und den braucht ja nun im Ernst gerade wirklich kein Mensch! Der Psychologe Chris Boyle von der Universität Exeter hat darüber im Fachmagazin „The Psychologist“ geschrieben. Er sagt: „Das Covid-Weihnachten 2020 bringt so viel Ungewissheit und Kummer mit sich, dass man sagen kann, dass es nie eine bessere Zeit gab, um dem Eskapismus des Weihnachtsmanns zu frönen.“ Weihnachten, so Boyle, sei schließlich eine Zeit der Magie, in der Kinder an unglaubwürdige Dinge glaubten, einschließlich des Weihnachtsmanns. „Erwachsene und ältere Kinder wünschen sich, sie könnten auch glauben. Wer kann es ihnen verübeln, besonders im Jahr 2020?“

Ein „kollektiver Mythos“

Normalerweise raten Experten Eltern ja, ihre Kinder nicht zu belügen, auch nicht beim Thema Weihnachtsmann. Das könnte womöglich negative psychologische Folgen haben. Kinder gehen schließlich davon aus, dass Erwachsene die Wahrheit sagen. Auch wenn manche nett gemeinte Lüge am Ende vielleicht weniger dramatisch ist als eine allzu direkt ausgesprochene Wahrheit. Doch dieses Jahr sagt Boyle, sei es ohnehin eine gute Idee, „den kollektiven Mythos“ noch ein bisschen aufrechtzuerhalten.

Schmücken für Weihnachten
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Doch dafür braucht es mehr als guten Willen, das hat der Brite auch herausgefunden, es braucht gute Planung. Denn viele Eltern nehmen ihren Kids durch unabsichtliche Fehler den Glauben an den Weihnachtsmann. Das hat Boyle bei Befragungen von 4.200 Menschen auf der ganzen Welt herausgefunden. „Meine Umfrageergebnisse zeigen, dass es viele Möglichkeiten gibt, wie Eltern den Weihnachtsmannmythos irrtümlich entlarven können.  Der größte Fehler der Eltern ist, auf frischer Tat ertappt zu werden“, sagt Boyle. 

Kinder sind aufmerksamer als Eltern annehmen

In seiner Umfrage berichten Kinder davon, wie angetrunkene Eltern beim Abstellen der Geschenke zu viel Lärm machen, wie sie sich beim Naschen der Süßigkeiten ertappen lassen, die Kinder für den Weihnachtsmann bereitgestellt haben und anderes mehr. Die Umfrage habe gezeigt, dass viele Kinder auch insgesamt aufmerksamer seien, als die meisten Eltern annehmen, so der Forscher. Sie bemerken auch, wenn ihre Geschenke aus einem Laden stammen, den sie kennen - oder wenn ihnen die Handschrift auf dem Etikett bekannt vorkommt. Und sie stellen sich die Frage, wie der Weihnachtsmann eigentlich an einem kurzen Tag die ganze Welt beschenken kann.

„Die Herausforderungen, denen wir uns in diesem Jahr gestellt haben, werden sicherlich viele Kinder ein Leben lang begleiten“, so Boyle. Mit all dem Zauber und der Hoffnung, die er mit sich bringe, könnte der Weihnachtsmann „ein lebenswichtiges Stärkungsmittel“ sein. Was gebe es schließlich Schlimmeres, als ein bereits unruhiges Jahr mit der Enthüllung zu beenden, dass der Weihnachtsmann nicht real ist? 

In frühere Auswertungen seiner Befragung hat Boyle übrigens schon das Durchschnittsalter ermittelt, an dem die Kinder aufhören, an den Weihnachtsmann zu glauben. Es liegt bei etwa acht Jahren.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 03. Dezember 2020 | 13:45 Uhr

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