Was hat es mit dem neuen Höhenflug des Bitcoins auf sich?

Corona schickt die Wirtschaft in die Krise. Doch die Kryptowährung Bitcoin boomt wie seit Jahren nicht. Was steckt dahinter?

Bitcoin auf einer Tastatur
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Die Sache ist nicht ganz einfach zu verstehen. Die Corona-Pandemie setzt vielen Teilen der Wirtschaft massiv zu, Konjunkturprognosen müssen deshalb nach unten korrigiert werden. Und trotzdem läuft es an der Börse super. So ist der wichtigste deutsche Aktienindex, der Dax, nicht weit weg von einem Allzeithoch. Und noch besser läuft es bei der Kryptowährung Bitcoin. Die hat kürzlich einen neuen Rekord erreicht.

Bitcoin-Automat in Portugal
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Dabei sah gerade der Bitcoin zu Beginn der Corona-Krise wie der große Verlierer aus. Zwischen Mitte Februar und Mitte März brach der Kurs um mehr als 50 Prozent ein, auf weniger als 4.900 Dollar. Zuletzt lag der Kurs dagegen bei bis zu 24.000 Dollar – also fast fünf Mal so hoch.

Auch wenn der Bitcoin die Rekordwerte zwischenzeitlich nicht ganz halten konnte, gerade in den letzten Wochen ging es dramatisch bergauf mit dem Kurs. Doch woran liegt das? Warum boomt der Bitcoin?

Hatten wir alles schon mal – oder doch nicht?

Das Ganze erinnert an den Hype vor drei Jahren. Da gingen die Kurse auch durch die Decke – bevor sie zwischenzeitlich massiv absackten. Fragt man Experten nach den Gründen für den aktuellen Höhenflug, dann haben die viele Erklärungen. Manche argumentieren mit dem zwischenzeitlich unsicheren Wahlausgang in den USA. Da hätten Investoren sich für alternative Anlagemöglichkeiten interessiert, um sich vor Börsenturbulenzen schützen.

Andere wiederum sagen, etwas vereinfacht gesprochen: Der Bitcoin steigt gerade, weil Zocker hoffen, dass er in Zukunft noch weiter steigt. "Befeuert wird die Stimmung vor allem von der Angst, etwas zu verpassen", argumentiert etwa der Analyst Timo Emden von Emden-Research. Das klingt ein bisschen wie die Argumente beim letzten Boom.

Und dann gibt es Leute, die sagen: Der Bitcoin wird immer mehr zum Mainstream, deswegen macht es Sinn, darin zu investieren. Im Gegensatz zu der Zeit vor drei Jahren sind es nicht nur risikobereite Kleinanleger, die den Kurs treiben. Wer so argumentiert, führt zum Beispiel an, dass der Zahlungsdienstleister PayPal in Zukunft auch Zahlungen in der Krypto-Währung anbietet. Oder dass Tesla-Gründer Elon Musk mit dem Gedanken spielt, die Bilanz seiner Firma in Zukunft in Bitcoin auszuweisen. Andererseits: Bis heute spielt der Bitcoin im praktischen Alltag als Zahlungsmittel keine nennenswerte Rolle.

Eingebaute Inflationsbremse

Ein weiterer möglicher Grund für den Höhenflug der Kryptowährung: Um die Wirtschaft in der Corona-Krise zu stützen, pumpen viele Regierungen gerade massenhaft Geld in die Finanzmärkte. Und zumindest ein Teil davon fließt – auch wenn das sicher anders gedacht war – in möglichst lukrative Anlagen. Dazu gehören Kryptowährungen wie der Bitcoin – wohl aus Angst, dass die vielen Staatshilfen schon bald die Inflation antreiben könnten.

Beim Bitcoin ist es so, dass die Zahl der ausgegebenen digitalen Münzen technisch begrenzt ist. Und das verhindert Inflation. Der Preis wiederum kommt allein durch Angebot und Nachfrage zustande. Anders als bei den verschiedenen Währungen kontrollieren weder Staaten noch Notenbanken den Wechselkurs.

Allerdings ist der Bitcoin eben zumindest ein Stück weit noch immer Zockerei. Dazu passt auch eine Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint. Demnach nutzen aktuell nur vier Prozent der Deutschen Kryptowährungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2017 lag dieser Wert schon einmal bei elf Prozent. Der Hype geht also an vielen vorbei. „Immer mehr Deutsche wissen über Kryptowährungen Bescheid und immer weniger nutzen sie. Dieser Trend geht mit einem stetig gesunkenen Vertrauen in Kryptowährungen insgesamt einher“, bilanziert Robert Bosch von BearingPoint.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 27. Dezember 2020 | 11:20 Uhr

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