Corona: Kommt die Impfung bald?

Die ganze Welt wartet gespannt auf einen Impfstoff gegen das Corona-Virus. Daran wird weltweit gearbeitet - und auch in Deutschland. Das ist der aktuelle Stand.

Ärztin, der einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Bildrechte: imago images / Westend61

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit zur Zeit etwa 180 Forschungsprojekte zum Impfstoff gegen Corona. In 145 präklinischen Studien werden mögliche Impfstoffe auf schädliche Wirkungen und Stoffe untersucht. Erst wenn diese Studie überstanden ist, darf der Stoff in einer klinischen Studie an Menschen getestet werden. 35 Projekte befinden sich im Moment in klinischen Studien, das heißt sie werden an freiwilligen Testpersonen überprüft. Normalerweise kann die Entwicklung eines Impfstoffes bis zu 10 Jahre dauern.

Impfstoff Mitte 2021 erwartet

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Forschungsministerin Anja Karliczek haben diese Woche verkündet: Der Impfstoff wird in diesem Jahr nicht mehr kommen, zu erwarten ist er erst Mitte 2021. Denn die Entwicklung brauche Zeit. Und die müsse man sich auch nehmen, sagt Gesundheitsminister Jens Spahn:

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) spricht nach seinem Besuch im Krankenhaus Bethanien zur Presse.
Bildrechte: dpa

Es geht nicht darum Erster oder Schnellster zu sein. Es geht darum, einen sicheren und wirksamen Impfstoff zu haben. Ja, schnellstmöglich verfügbar, aber das ist nicht das oberste Ziel. Weil, es gerade beim Impfen - und das erleben wir ja gerade alle im Alltag, in vielen Gesprächen und in vielen Rückmeldungen - sehr auf Vertrauen ankommt.

Der Impfstoff solle erst für alle zur Verfügung stehen, wenn er sicher ist und ausgiebig erforscht und untersucht wurde. Für Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sind Impfungen „der entscheidende Schlüssel, um die Pandemie zu überwinden". Aber sie betont auch:

Anja Karliczek
Bildrechte: imago images / Arnulf Hettrich

Auch wenn die Welt auf einem Impfstoff wartet, riskante Abkürzungen werden wir nicht nehmen.

Mehrere deutsche Impfstoffe möglich

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) rechnet damit, dass es mehrere Impfstoffe in Deutschland geben wird. Dabei könne es sein, dass einzelne Impfstoffe besonders für bestimmte Bevölkerungsgruppen, wie etwa ältere Menschen, geeignet seien, erklärt Vizevorsitzende Sabine Wicker.

Sollte Impfstoff nur in begrenzten Mengen zur Verfügung stehen, ist es die Aufgabe der Ständigen Impfkommission zu prüfen, bei welchen Bevölkerungsgruppen das höchste Infektionsrisiko bestehe und wer demnach am meisten von der Impfung profitieren würde. Diese Überprüfung ist eine Standard-Verfahrensweise der Ständigen Impfkommission. Bei einer Corona-Impfung wären ältere Menschen, medizinisches Personal, chronisch Kranke und Vorerkrankte besonders schutzbedürftig.

Spahn: freiwillige Impfung

Sollte der Impfstoff so erforscht und ausgereift sein, dass die Bevölkerung geimpft werden kann, wird das auf freiwilliger Basis geschehen, so Jens Spahn:

Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen. Wir brauchen 55 bis 65 Prozent der Bürger, die sich impfen lassen. Um dort insgesamt eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. Und das ist meine feste Überzeugung, werden wir freiwillig erreichen. Und wo Freiwilligkeit zum Ziel führt, braucht es keine Verpflichtung.

Regierung unterstützt deutsche Firmen finanziell

Die Bundesregierung unterstützt die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Corona mit 750 Millionen Euro für drei deutsche Firmen: Das Mainzer Unternehmen Biontech, der Tübinger Hersteller Curevac und möglicherweise die Firma IDT Biologika aus Dessau-Rosslau in Sachsen-Anhalt. Das Geld sollen die drei Firmen in den Aufbau von Produktionsanlagen und zur Beschleunigung ihrer klinischen Testreihen investieren.

Weltweites Wettrennen

Impfspritze
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

China erwartet einen einsetzbaren Impfstoff sogar bereits diesen Herbst, im November oder Dezember. In den USA erklärte Präsident Donald Trump, dass bereits im kommenden Monat ein Impfstoff vorhanden sein könnte. Damit widersprach er einem Gesundheitsexperten seiner Regierung. Dieser hatte erklärt, dass ein Impfstoff für die Bevölkerung vermutlich erst ab der Mitte des kommenden Jahres verfügbar sein könnte.

Russland und Indien haben sich darauf geeinigt, wenn die Tests mit dem russischen Impfstoff „Sputnik V" erfolgreich sein sollten, werden 100 Millionen Dosen davon in Indien verteilt. In Russland war der Impfstoff bereits zugelassen wurden, bevor Tests an Versuchspersonen beendet worden waren. Damit der Impfstoff nun in Indien zugelassen werden kann, müssen noch Tests in Indien durchgeführt werden.

Es gab aber auch schon Schwierigkeiten bei klinischen Tests: Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca musste seine klinischen Tests vorübergehend unterbrechen, nachdem ein Proband aus ungeklärter Ursache krank geworden war.

Aktuelle Corona-Fälle in Deutschland

Innerhalb von 24 Stunden gab es in Deutschland 2194 neue positive Coronavirus-Tests. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) steigt damit die Zahl der Coronavirus-Fälle auf 265.857 (Stand 17.09.20202). Es habe auch drei Todesfälle gegeben. Die Gesamtzahl der Todesfälle in Deutschland beläuft sich nach Angaben des RKI damit auf 9.371.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und epd.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 15. September 2020 | 17:40 Uhr

Weitere Informationen zu Corona