Könnten Brillen vor Corona Infektionen schützen?

Brillenträger haben in der Corona-Krise besonders zu leiden, ihre Gläser beschlagen oft schnell. Chinesische Forscher haben nun aber zumindest ein paar gute Nachrichten für Leute mit Sehhilfe.

Nahaufnahme einer Frau, die eine Maske und eine Brille trägt
Bildrechte: imago images / ZUMA Wire

Wenn man ehrlich ist, dann mag eigentlich kaum jemand die Corona-Masken. Aber wir tragen sie, wo wir das müssen – weil es halt gerade nicht anders geht. Besonders nervig ist der Mund-Nasen-Schutz allerdings für Brillenträger. Der feucht-warme Atem lässt die Gläser binnen kürzester Zeit beschlagen. Und dann tappt man halb blind durch den Supermarkt. Das macht weder das Abstandhalten zu anderen Kunden noch das Abarbeiten der eigenen Einkaufsliste wirklich einfach.

Doch erstens gibt es ein paar Tipps, wie sich das Problem zumindest reduzieren lässt: mit einer Nasenklammer dafür sorgen, dass die Maske eng anliegt, möglichst nach unten atmen, Anti-Beschlag-Spray nutzen und so weiter. Und zweitens haben chinesische Forscher, so scheint es zumindest, gute Nachrichten für Brillenträger: Im Fachmagazin „Jama Ophthalmology“ berichtet ein Medizinerteam über Beobachtungen an einem Krankenhaus der Millionenstadt Suizhou in der Provinz Hubei. Sie liegt nicht weit von Wuhan entfernt, wo es um den Jahreswechsel herum den ersten großen Ausbruch des Sars-CoV-2-Erregers gegeben hatte.

Die chinesischen Mediziner beschreiben, dass an dem Krankenhaus 276 Covid-19-Patienten behandelt wurden. Von diesen hätten – überraschenderweise – nur 16 mindestens acht Stunden am Tag eine Brille getragen, Kontaktlinsenträger gab es gar nicht. Das heißt: Gerade einmal sechs Prozent aus der Gruppe der Infizierten hatte eine Sehhilfe.

Wir fassen etwa zehn Mal pro Stunden unsere Augen an

Sechs Prozent, ist das nun viel oder wenig? In Deutschland tragen etwa ein Drittel aller Menschen ab 16 Jahren ständig eine Sehhilfe. Mit zunehmendem Alter nimmt der Wert zu.

Um einen Vergleichswert für China zu finden, sahen sich die Forscher die Zahlen der Kurzsichtigen in der Provinz Hubei an. Dafür griffen sie auf eine Untersuchung an Studierenden aus dem Jahr 1987 zurück. Damals war verzeichnet worden, dass mehr als 30 Prozent eine Brille benötigen würden. Die damals Untersuchten seien heute etwa in dem Alter, in dem die Patienten des Krankenhauses waren, so das Argument. Deswegen wäre zu erwarten, dass unter den Infizierten deutlich mehr Brillenträger waren als tatsächlich beobachtet.

"Wir stellten die Hypothese auf, dass eine Brille Brillenträger daran hindert oder davon abhält, ihre Augen zu berühren, so dass eine Übertragung des Virus von den Händen auf die Augen vermieden wird" – so lautet die Erklärung der Forscher für die Beobachtung. Tatsächlich haben frühere Studien gezeigt, dass Menschen etwa zehn Mal pro Stunde ihre Augen mit den Händen berühren. Eine Brille macht das jedoch ziemlich kompliziert – und könnte so womöglich gefährlich Kontakte verhindern. Das Virus würde draußen bleiben.

Diese eine Studie reicht noch nicht aus

Wissenschaftlich hieb und stichfest ist der Zusammenhang in der chinesischen Studie jedoch nicht. Es könnte womöglich andere Gründe dafür geben, dass unter den untersuchten Erkrankten so wenig Brillenträger waren. Auch wenn wir diese Gründe bisher noch nicht kennen.

Wissenschaftler unterscheiden zwischen Kausalität und Korrelation. Im ersten Fall gibt es einen direkten Zusammenhang: Wenn ich mir mit dem Hammer auf den Finger haue, tut es weh. Das eine folgt direkt aus dem anderen. Im zweiten Fall entwickeln sich Dinge scheinbar gleich, obwohl es keinen Zusammenhang zwischen beiden gibt. Das nennt man Korrelation. Klassisches Beispiel ist hier eine hohe Geburtenzahl in Gebieten, in denen viele Störche leben. Niemand würde daraus ernsthaft folgern, dass die Störche die Babys bringen.

Im Fall der Brillenträgerstudie aus China müssen weitere Untersuchungen nun zeigen, ob es sich um Kausalität oder Korrelation handelt. Bis dahin können Brillenträger aber zumindest darauf hoffen, dass die ganze Nerverei mit den beschlagenen Masken zumindest auch einen kleinen Vorteil für sie bringen könnte.

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