Einreise aus dem Risikogebiet - ein Erfahrungsbericht

Vielerorts steigen die Infektionszahlen, Reiseziele werden zu Risikogebieten erklärt. MDR JUMP-Reporter Kais Harrabi war im Urlaub in Wien, als die Stadt zum Risikogebiet erklärt wurde. So hat er die Rückreise erlebt.

Eine Kellnerin in einem Wiener Kaffeehaus
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Bereits am zweiten Urlaubstag machte das Gerücht die Runde: Wien soll Risikogebiet werden. Die Corona-Ampel, die das Infektionsgeschehen abbilden soll, stand da noch auf gelb. Am Morgen darauf wurde der laminierte Zettel im Hotelaufzug ausgetauscht: Die Ampel sprang auf Orange. Am selben Abend noch kam die Nachricht aus Deutschland: Wien ist jetzt Risikogebiet. Statt das Essen zu genießen, googelte ich erst mal, was bei der Rückreise dann auf mich zukommen würde.

Ich verbrachte zwar nach der Zeit in Wien noch ein paar Tage in den Bergen, aber vorgeschrieben ist, dass man sich beim Gesundheitsamt melden muss, wenn man in einem Gebiet war, dass am Tag der Einreise nach Sachsen als Risikogebiet gilt. Das hieß für mich also erst einmal Quarantäne und Meldung beim Gesundheitsamt machen. Ich schrieb dem Amt eine Mail mit allen Daten. Eine Antwort bekam ich erstmal nicht.

Corona-Test in überfüllter Arztpraxis

Tags darauf, am Montagmorgen folgte der nächste Schritt: Ich rief ich bei meinem Hausarzt an und meldete mich zum Corona-Abstrich an. Ich konnte sofort vorbeikommen. In der Praxis herrschte dichtes Gedränge, weil der Arzt gerade für eine Kollegin die Urlaubsvertretung machen musste. Dazu kam, dass just als ich ankam, die Computer abstürzten. Ich sollte im Wartezimmer Platz nehmen.

Ein bisschen mulmig wurde mir bei dem Menschenauflauf schon. Was, wenn mein Test positiv ist und ich trotz Mundschutz hier jemanden anstecke? Oder was, wenn mich hier jemand ansteckt? Jedes Husten und Schniefen der anderen Wartenden kam mir sofort hochgradig verdächtig vor.

MDR JUMP-Reporter Kais Harrabi Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nachdem die Computer wieder zum Laufen gebracht wurden wurde ich ins Labor gebeten. Eine Sprechstundenhilfe mit Schutzbrille und Handschuhen reichte mir das Stäbchen für den Abstrich. Ich solle mir damit über die Innenseite der Wangen und hinten im Rachenraum streichen. Ich tat wie geheißen, während die Sprechstundenhilfe drei Schritte zurück auf Abstand ging. Der Test war keine große Sache, einzig der Abstrich im Rachen war unangenehm, vor allem wegen des Würgereizes.

Quarantäne zu Hause

Den Rest des Tages verbrachte ich dann zu Hause in Quarantäne. Mit einem Buch und Netflix ließ sich das ganz gut aushalten. Dass ich einen der letzten schönen, warmen Tage zu Hause verbringen musste, war trotzdem schade.

Am nächsten Tag konnte ich morgens das Testergebnis telefonisch erfragen: Negativ. Natürlich fällt einem da erstmal ein Stein vom Herzen. Das Gesundheitsamt hatte sich immer noch nicht bei mir gemeldet. Ich fuhr also nochmal zum Arzt, holte mein Testergebnis schriftlich ab und schickte es dem Gesundheitsamt ebenfalls per Mail.

Dann, am Mittwoch endlich auch von deren Seite die Bestätigung:

Nach Prüfung des von Ihnen (...) vorgelegten ärztlichen Befundes wird Ihnen mitgeteilt, dass Sie nach § 3 Abs. 2 SächsCoronaQuarVO nicht mehr der häuslichen Absonderung nach Einreise unterliegen.

Obwohl ich mit nichts anderem gerechnet hatte, war ich doch froh, offiziell wieder raus zu dürfen. Verwundert hat mich trotzdem, wie lange es gedauert hat, bis ich eine Antwort vom Gesundheitsamt erhalten habe.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Feierabendshow | 25. September 2020 | 17:40 Uhr

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