Eine Minute vor zwölf: sächsische Krankenhäuser am Limit

Intensivkapazitäten erschöpft, Ärzte und Pflegepersonal am Limit und kein Ende absehbar. Mit einem eindringlichen Appell haben sich sächsische Kliniken an die Bevölkerung gewandt.

Patient wird von Hand beatmet, Reanimation durch Elektroschock wird vorbereitet, mit einem Defibrillator.
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"Nur gemeinsam können wir einander schützen! Bleiben Sie zu Hause! Meiden Sie Kontakte!". Mit diesem gemeinsamen Appell haben sich die 29 Kliniken der kreisfreien Stadt Chemnitz, des Erzgebirgskreises, des Landkreises Mittelsachsen, des Vogtlandkreises und des Landkreises Zwickau an alle Menschen in der Region gewandt. Grund dafür ist die extrem angespannte und sich zuspitzende Lage in den Krankenhäusern in Südwest-Sachsen.

Normale Krankenversorgung nicht mehr möglich

In dem Appell berichten die Mediziner, dass die Zahl der behandlungsbedürftigen Covid-19-Erkrankten in den Kliniken rasant steige. Dies und der hohe pandemiebedingte Ausfall an Pflegern und Ärzten brächten die Krankenhäuser an ihre Grenzen. Man sei nur noch in der Lage die absolute Notfallversorgung zu gewährleisten. Andreas Reske, Chefarzt am Heinrich-Braun Klinikum Zwickau sagt:

Eine normale Kranken- und Notfallversorgung ist nicht mehr möglich, immer mehr OPs werden verschoben. Die schweren, langwierigen Covid-Verläufe belasten die Ressource "Krankenhaus" inzwischen extrem. Wir stehen am Anfang des Winters und jetzt schon sind alle Rückfallebenen zugunsten Corona aufgebraucht. Unser Personal arbeitet täglich an der Belastungsgrenze!

Momentan würden in der Region mehr als 1150 Corona-Erkrankte stationär behandelt. 15-20% lägen auf der Intensivstation, die Hälfte müsse beatmet werden und ein Viertel versterbe.

Dringender Appell: Nehmt die Schutzmaßnahmen ernst!

Thomas Grünewald, Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz geht davon aus, dass sich die Belastungen in den Krankenhäusern in den nächsten Tagen noch einmal verschärfen werden. Jede Erkrankung, die man jetzt vermeiden könne, helfe denjenigen, die aktuell auf eine medizinische Versorgung auch unabhängig von Covid-19 angewiesen sind. Umso wichtiger sei der Appell an alle Bürger: Halten Sie die Hygiene-Regeln ein, verhindern Sie die Überlastung der Krankenhäuser! Thomas Grünewald:

Dr. Thomas Grünewald
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Für mich ist das Wichtigste tatsächlich, dass alle verstehen: Auch wenn Sie draußen nicht so viel davon sehen ... wir möchten gar nicht die Situation erreichen, dass hier Lastwagen mit Särgen abfahren, das wollen wir alles gar nicht haben.

Er wolle, dass die Patienten ordentlich versorgt werden können, dass das Personal nicht ausgebrannt wird. Dazu brauche man die Mithilfe der Bevölkerung um so mehr, so Grünewald:

Ich kann wirklich nur sagen, es ist fünf vor zwölf - eigentlich nur noch eine Minute, wenn überhaupt noch.

Bereits Ende November hatten Kliniken in den Landkreisen Görlitz und Bautzen Alarm geschlagen. Man sei knallhart an der Auslastungsgrenze. Die Oberlausitz-Kliniken hatten sich mit einem Notruf an die Menschen gewandt. Auf ganzseitigen Zeitungsanzeigen wurde gefordert: "Helfen Sie bitte mit, halten Sie die Schutzmaßnahmen ein!"

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