Der Fahrplan für die Corona-Impfung

In den entscheidenden Tests haben die ersten Corona-Impfstoffe beeindruckende Ergebnisse gezeigt. Aber wann können sich Interessierte tatsächlich impfen lassen? Hier die Fakten.

Frau hält Spritze
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Die Zahlen sind ein bisschen unterschiedlich, je nachdem welches Meinungsforschungsinstitut die Frage gestellt hat. Aber so in etwa 70 Prozent aller Menschen in Deutschland sagen, dass sie sich auf jeden Fall oder wahrscheinlich gegen Corona impfen lassen wollen. Und seit kurzem ist das ja nicht nur eine theoretische, sondern auch eine durchaus praktische Frage: Die Impfstoffe der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna haben in der letzten Runde der klinischen Tests bereits beeindruckende Wirksamkeiten jenseits der 90 Prozent gezeigt.

Schon bald, so hofft man in den Unternehmen, könnten die Impfstoffe zugelassen werden, zunächst womöglich in den USA, anschließend dann bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Wobei man auch sagen muss: Die noch ausstehenden Zulassungen sind weit mehr als nur eine Formsache. Die Prüfer werden sehr genau darauf achten, was sie da abnicken.

Schließlich werden Milliarden Menschen geimpft. Selbst wenn nur bei einem von tausend eine Nebenwirkung auftritt, kommen da Millionen zusammen. Das heißt: Man muss den Prozess ernst nehmen. „Bei der Sorgfalt und der Bewertung der Daten werden keine Abstriche gemacht“, verspricht Klaus Cichutek, der Präsident des für Deutschland zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts. Daher kann es durchaus noch bis ins kommende Jahr dauern, bis es Zulassungen vom Impfstoffen gibt.

Keine Impfpflicht

Zwei Frauen sitzen in einem Labor vor einer Maschine, eine bearbeitet Proben mit einer Pipette.
Im Labor werden die Proben auf ihr Gehalt überprüft. Ist auch wirklich das drin, was drin sein soll? Bildrechte: MDR/Stephan Weiding

Doch wenn es mal so weit ist, was bedeutet das für uns alle? Wann kann man sich denn dann tatsächlich impfen lassen? Eine Impfpflicht, so viel ist bereits jetzt klar, wird es jedenfalls nicht geben. Ansonsten stehen allerdings noch nicht so viele Dinge konkret fest. Sicher ist aber, dass zunächst nicht jeder einen Pieks bekommen können wird, der das möchte. So geht man bei Biontech und Pfizer etwa davon aus, vom eigenen Impfstoff BNT162b2 bis zum Jahresende etwa 50 Millionen Dosen produziert zu haben. Das passiert übrigens auch bei uns in der Region, beim Unternehmen Dermapharm in Brehna.

50 Millionen Dosen – das klingt doch schon mal ganz gut. Aber erstens muss jeder Interessent zweimal geimpft werden, um Schutz zu bekommen. Und wenn man sich zweitens die Zahl noch einmal klar vor Augen führt, dann ist klar: Das ist zunächst wirklich nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Für das kommende Jahr haben die Unternehmen aber versprochen, schon bis zu 1,3 Milliarden Impfdosen herzustellen. Und sie sind ja längst nicht allein. Moderna hat zum Beispiel für 2021 bis zu 520 Millionen Dosen in Aussicht gestellt. Weiterhin gelten unter anderem die Produkte von AstraZeneca, Novavax und Johnson & Johnson als interessante Impfstoffkandidaten.

Aber selbst mit ihnen wird sich 2021 sicher nicht die ganze Welt impfen lassen können – womöglich aber die Menschen in den USA und Europa. Davon geht man jedenfalls beim Hersteller Moderna aus.

Impfzentren werden eingerichtet

In Deutschland soll in zentralen Impfzentren sowie durch mobile Impftrupps geimpft werden. Von den Impfzentren soll es in Sachsen pro Landkreis oder kreisfreier Stadt mindestens eines geben – oder zumindest eine Anlaufstelle. In Sachsen-Anhalt sind 14 Zentren geplant, Thüringen will landesweit 29 Impfstellen einrichten.

Impfpass liegt auf dem Tisch mit zwei Spritzen
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Die Ständige Impfkommission (Stiko), der Ethikrat und die Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina haben auch bereits eine Empfehlung vorgelegt, in welcher Reihenfolge die Corona-Impfungen erfolgen sollen. Demnach wären zunächst die Risikogruppen dran: ältere Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen, außerdem Beschäftigte im Gesundheitswesen. Aber nur mal zur Einordnung: Laut Bundesgesundheitsministerium zählen bis zu 40 Prozent der Menschen in Deutschland zur Corona- Risikogruppe. Sie werden nicht alle gleichzeitig drankommen können.

"Wir müssen das so machen, dass am Ende der größte Nutzen für die ganze Bevölkerung dabei herauskommt", so Stiko-Chef Thomas Mertens. Nach den Risikogruppen und dem Gesundheitspersonal wären wohl Beschäftigte bei der Polizei dran, dazu die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gesundheitsämtern und Schulen. Kinder und Schwangere würden als letzte Gruppen geimpft.

Allerdings sind das bisher nur Vorschläge: Einen gesetzlichen Rahmen für die empfohlene Priorisierung gibt es noch nicht.

„Normales Leben“ im kommenden Winter?

Leopoldina-Chef Gerald Haug sagt, er sei sehr optimistisch, dass es im Sommer 2021 eine Impfung für alle Interessenten geben könnte. Und Biontech-Chef Uğur Şahin prognostiziert eine Rückkehr zum „normalen Leben“ im Winter 2021.

Damit die Pandemie zum Erliegen kommt, müssen nicht alle Menschen geimpft sein. Es reicht, wenn die Zahl groß genug ist. Als Faustregel gelten etwa 60 Prozent der Bevölkerung. Das Problem dabei: Diese Zahl gilt nur in einer idealen Welt. Da es – selbst angesichts der ermutigenden Testergebnisse – auch Menschen gibt, bei denen die Impfstoffe nicht wirken, wird der Anteil der Geimpften womöglich etwas höher ausfallen müssen. Bis dahin werden wir auf Maske und Abstand nicht verzichten können.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 22. November 2020 | 17:40 Uhr

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