Kinderärzte kritisieren Kontaktbeschränkungen für Kinder

Die neuen Kontaktbeschränkungen der Bundesregierung sehen vor, dass auch Kinder sich einschränken sollen. Sie sollen sich nur noch mit einem festen Hausstand zum Spielen treffen dürfen. Kinderärzte sehen das kritisch.

Zwei Kinder mit Masken
Bildrechte: imago images / Cavan Images

Die Bundesregierung hält Kontaktbeschränkungen auch für Kinder notwendig, um eine Schließung von Schulen und Kitas zu verhindern. Zuletzt waren in ganz Deutschland rund 300.000 Schüler in Corona-Quarantäne. Seit September hat sich die Zahl versechsfacht.

Nach der aktuellen Einigung von Bund und Ländern, sollen sich auch Kinder nur noch maximal mit einem festen Hausstand treffen dürfen. Praktisch heißt das in vielen Fällen: Kinder dürfen sich nur noch mit einem festen Freund oder einer festen Freundin zum Spielen treffen.

Täglich wechselnde Freundschaften

Für Teenager, die einen großen Teil ihrer Kontakte sowieso über soziale Netzwerke halten, wäre so eine Situation vielleicht nicht so schlimm, sagt die Kinderärztin Melanie Ahaus. Sie ist Sprecherin des sächsischen Landesverbands der Kinder- und Jungendärzte. Fünf- bis Sechsjährige bräuchten dagegen den Kontakt zu Gleichaltrigen.

Dazu käme für die Kinder auch noch die Belastung, sich für einen Freund entscheiden zu müssen. Bei kleineren Kindern wechseln Freundschaften mitunter täglich, sagt Ahaus, da sei es schwer, eine Wahl zu treffen und sich dann mehrere Wochen nur mit dem gleichen Freund zu treffen.

"Das ist unbarmherzig"

Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers findet drastische Worte für den Plan der Regierung: "Da werden Kinder gezwungen, sich zwischen Freunden zu entscheiden. Es wird tränenreiche Zurückweisungen geben. Das ist unbarmherzig", sagte er im Interview mit der Passauer Neuen Presse. Er finde keinen vernünftigen Grund für die sogenannte "Ein-Kind-Regel".

Ganz so dramatisch sieht Ahaus den Vorschlag der Bundesregierung nicht. Falls er tatsächlich in Kraft tritt, müsse man ihn einfach erstmal hinnehmen und das Beste draus machen. Auch, wenn das Kind von keinem als Kontakt gewählt wurde:

Das ist natürlich richtig blöd. In so einem Fall ist dann ganz viel Fingerspitzengefühl gefragt; da ist es wichtig, dem Kind ein positives Gefühl zu vermitteln.

Ahaus empfiehlt, sich die Zeit zu nehmen und dann eben selbst mal etwas mit dem Kind unternehmen. "Das hat dann vielleicht auch den positiven Nebeneffekt, die Eltern-Kind-Beziehung zu stärken." Und für Kinder mit Geschwistern sei die Situation vielleicht sowieso gar nicht so schlimm. Wichtig sei vor allem, dass die Eltern Zuversicht vermitteln:

Je mehr die Eltern mit dieser Regelung hadern, desto schwieriger wird das auch für die Kinder.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 19. November 2020 | 06:00 Uhr

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