Zurück in die Schule: Wie kann das in Corona-Zeiten gefahrlos gelingen?

Das letzte Schuljahr war für die Familien extrem hart. Schuld waren die Schulschließungen wegen Corona im Frühjahr. So weit soll es am besten nicht mehr kommen. Wir zeigen Ihnen, mit welchen Maßnahmen das klappen soll.

Schüler und Schülerinnen einer 12. Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums nehmen am Unterricht teil und tragen Mundschutze.
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Die schöne Zeit ist bald zu Ende. In Sachsen-Anhalt geht es für Schüler und Lehrer am 27. August los mit dem neuen Schuljahr, in Sachsen und Thüringen dann am 31. Doch dieses Jahr, im Zeichen der Corona-Krise, fragen sich viele: Was wird das eigentlich für ein Schulstart? Sind unsere Schulen gut vorbereitet? Nun, in den zuständigen Ministerien unserer Region glaubt man das zumindest. Deswegen startet das neue Schuljahr auch im Regelbetrieb. So hat es auch die Kultusministerkonferenz als Ziel formuliert.

„Kinder haben ein Recht auf Bildung und Teilhabe. Schulen und Kitas können nicht für längere Zeit geschlossen bleiben. Die Folgen sind für die Kinder und Familien nicht tragbar“, sagt zum Beispiel Sachsens Kultusminister Christian Piwarz. Er warnt aber auch: „Auch in Zukunft kann es zu Corona-Infektionen an Schulen und in Kitas kommen. So ehrlich und realistisch müssen wir sein.“

Auf einem Steinfußboden ist mit Pflaster ein gelber Pfeil geklebt worden, der den Weg zur Toilette einer Schule weist. Der Pfeil ist eine Markierung in der Tirebischtalschule in Meißen in Coronazeiten.
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In Sachsen sollen Schülerinnen und Schüler in ihren normalen Klassen und Kursen nach den geltenden Stundentafeln und Lehrplänen unterrichtet werden. Eine generelle Maskenpflicht gibt es nicht. Stattdessen können Schulen eigenverantwortlich über das Tragen von Masken außerhalb des Unterrichts, auf den Fluren oder dem Schulhof entscheiden. Einen Mindestabstand von 1,5 Metern gibt es nicht mehr. Wer die Schule betritt, muss unverzüglich die Hände waschen oder desinfizieren. Wer an Corona erkrankt ist, darf nicht in die Schule.

Schulstudie zeigt: "Die akute Ansteckung lag bei null"

Die Politik verweist darauf, dass Sachsens Schulen laut einer Studie, die im Mai und Juni in Leipzig, Dresden, Zwickau, Borna sowie Werdau durchgeführt wurde, kein Corona-Problem haben. Demnach wurden damals bei 2600 Schülern und Lehrern keine akuten Infektionen gefunden. "Die akute Ansteckung lag bei null", so Wieland Kiess vom Leipziger Universitätsklinikum. In 14 der Blutproben hätten sich Antikörper und damit der Hinweis auf eine überstandene Infektion gefunden.

Das heißt: Bisher waren nur wenige Schülerinnern und Schüler sowie Lehrende mit Sars-CoV-2 infiziert. Und das soll am besten auch so bleiben.

Und wenn nicht? Kultus- und Sozialministerium in Dresden haben in Abstimmung mit den kommunalen Spitzenverbänden einen Vier-Stufen-Plan vorbereitet. Bei steigenden Infektionszahlen, so steht es darin, soll gestaffelt vorgegangen werden. Kontakte von Infizierten sollen ermittelt werden, notfalls sollen zunächst einzelne Kinder oder Gruppen in Quarantäne. Aber auch lokale Schulschließungen können von den Gesundheitsbehörden angeordnet werden. „Schulschließungen wird es auch im neuen Schuljahr geben, aber sie dürfen nur die Ultima Ratio sein und nur punktuell oder regional und zeitlich begrenzt erfolgen“, so Minister Piewarz.

Eine Ampel für Thüringen

Kommt es tatsächlich zu Quarantänemaßnahmen oder 14-tägigen Schulschließungen, sollen Schülerinnen und Schüler Lernaufgaben für zu Hause bekommen. Wechselmodelle zwischen Lernen Zuhause und Präsenzphasen in der Schule soll es dagegen in Sachsen nicht geben. In Thüringen kann sich die Politik das dagegen für den Fall der Fälle schon vorstellen. Auch hier beginnt das neue Schuljahr im Regelbetrieb, auch hier gibt es einen Stufenplan für die weitere Entwicklung – und zwar in Form einer Ampel.

Grün bedeutet Normalbetrieb, Gelb eingeschränkter Regelbetrieb, zum Beispiel wenn es einen Infektionsfall an der Schule auftritt, die Kontaktpersonen aber bekannt sind und nach Hause geschickt werden können. Wenn das nicht der Fall ist, gilt Stufe rot. Dann kann zu vorübergehenden Schulschließungen kommen. Doch das soll möglichst nicht passieren. "Wir wollen in ein normales Leben zurückkehren", so Thüringens Bildungsminister Helmut Holter.

Damit dieser Plan aufgeht, können sich auch Lehrer und Erzieher freiwillig auf Corona testen lassen. „Ab 17. August sind die Tests auf freiwilliger Basis möglich“, so Holter. Die Kosten übernimmt das Land.

Befragung in Magdeburg belegt Probleme

„Alle Schulen kehren zum vollständigen Regelbetrieb zurück“, heißt es auch vom Landeschulamt Sachsen-Anhalt. Die Planungen für den Schulalltag laufen noch, unter anderem soll es einen aktualisierten Hygieneplan geben. Ob es eine Maskenpflicht geben wird, ist zum Beispiel aber noch offen. Erst will man Erfahrungen in den Bundesländern beobachten, in denen die Schulbetrieb schon wieder gestartet ist.

Schulkinder der Notbetreuung werden in einem Klassenraum einer Grundschule unterrichtet.
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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Sachsen-Anhalt schlägt vor, dass Schulen die Möglichkeit haben soll, "dort eine Maskenpflicht einzuführen, wo sie es für notwendig halten". Das könnte zum Beispiel auf engen Fluren, beim Gang zum Essen und auf anderen Wegen im Schulgebäude der Fall sein.

Das Bildungsministerium in Magdeburg warnt aber auch: Die Gesundheitsbehörden können, wenn nötig, weiterhin Schulschließungen anordnen. Daher sollen sich die Schulen auch auf eine teilweise oder vollständige Abkehr vom Regelbetrieb einzustellen, "um kurzfristig wieder Distanzunterricht anbieten zu können".

Wenn das tatsächlich nötig sein sollte, dann klappt es dieses Mal hoffentlich besser als im Frühjahr. Wie groß die Defizite da waren, zeigt exemplarisch eine Befragung der Stadt Magdeburg. Da zeigte sich die Hälfte der Eltern unzufrieden. Sie beklagten sich unter anderem darüber, dass Lehrerinnen und Lehrer nicht regelmäßig Kontakt mit den Kindern aufnahmen.

Aber vielleicht geht diesmal ja alles gut, vielleicht braucht es den Distanzunterricht, das Homeschooling nicht. Und wenn doch? "Wir bräuchten eine nationale Schulstrategie“, so der SPD-Gesundheitsexperte und Epidemiologe Karl Lauterbach. Bisher gibt es so etwas nämlich nicht. Nach Angaben der Kultusministerkonferenz sind Absprachen in Arbeit.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 10. August 2020 | 12:45 Uhr

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