Mit Software Maskenverweigerer aufspüren

Können Computerprogramme gegen Menschen helfen, die trotz Corona-Pandemie im Supermarkt oder in Bus und Bahn Mund und Nase nicht bedecken? Softwarefirmen bejahen diese Frage. Datenschützer sind sehr kritisch.

Kontrolle der Maskenpflicht im oeffentlichen Personennahverkehr
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Ein Supermarkt in der nicht allzu fernen Zukunft: Drin herrscht reger Betrieb in der Obst- und Gemüseabteilung. Draußen nähert sich Kundin mit ihrem Wagen der Schiebetür am Eingang. Doch die bleibt zu – obwohl der Laden augenscheinlich offen hat. Eine Ansage ertönt.

Was ist da los?

Eine Kamera hat das Gesicht der Frau gescannt und dabei herausgefunden, dass sie nicht wie vorgeschrieben eine Maske trägt. Also wird ihr der Zutritt verwehrt. Keine Maske, kein Einkauf. So einfach ist das.

Noch ist das theoretisches Beispiel, eine mögliche Zukunftsvision. Aber ganz unrealistisch ist das Szenario nicht. Weltweit forschen mehrere Unternehmen daran, Maskenverweigerer mit Hilfe von Software zur Gesichtserkennung zu identifizieren. Zu den Firmen, die daran arbeiten gehören Tryolabs aus Uruguay, Aerialtronics aus den Niederlanden oder Leeway Hertz aus den USA. Tests der Technologie im öffentlichen Raum hat es unter anderem im französischen Cannes und in der Hauptstadt Paris gegeben. Allerdings wurden sie inzwischen wieder gestoppt.

Behörden könnten sich einen besseren Überblick verschaffen

Nun kann man sich zunächst fragen, was die automatische Masken-Erkennung eigentlich bringen soll. Hier sagen die Anbieter: Die Technologie kann Behörden helfen, wenn sie wissen wollen, wie viele Leute den geforderten Mund-Nasen-Schutz eigentlich tragen. Und dann? Wenn die Zahl zu niedrig ist, „kann man Richtlinien erstellen und im Auge behalten, ob eine weitere Kampagne nötig ist, um zum Tragen von Masken zu motivieren“, so Alan Descoins von Tryolabs.

Oder aber, man nutzt das Verfahren für Zutrittskontrollen wie am Anfang des Artikels beschrieben.

Und was ist, das wäre dann die zweite wichtige Frage, eigentlich mit dem Datenschutz? Die Firmen sagen: Das Verfahren besteht aus zwei Teilen. Zum einen bringe man einem Algorithmus bei, wie man ein Gesicht erkennt. Zum anderen zeige man ihm, was eine Maske sei. Die Identifikation der Gesichter erfolge so, dass diese nicht mit einer bestimmten Person in Verbindung gebracht werden könnten. Also alles gut.

Wirklich?

Der Anbieter der Software, die bei den Tests in Frankreich genutzt wurde, hatte erklärt: Aus seiner Sicht sei das Programm mit der EU-Datenschutzrichtlinie vereinbar. Bilder würden schließlich weder gespeichert noch übertragen, um den Schutz der persönlichen Daten zu gewährleisten. Von der französischen Datenschutzbehörde CNIL hatte es jedoch eine kritische Stellungnahme gegeben. Die Tests in Cannes und Paris wurden daraufhin gestoppt.

Der Bundesdatenschutzbeauftrage Ulrich Kelber sieht die Gesichtserkennung in der Öffentlichkeit ebenfalls sehr kritisch. Grundsätzlich stelle die biometrische Gesichtserkennung „einen potenziell sehr weit gehenden Grundrechtseingriff dar, der auf jeden Fall durch konkrete Vorschriften legitimiert sein müsste”, so Kelber. Für eine flächendeckende biometrische Videoüberwachung fehle es nach wie vor an einer konkreten gesetzlichen Rechtsgrundlage.

Thema spielt auch für manche Smartphone-Nutzer eine Rolle

Interessant ist, dass zumindest die Besitzer eines iPhones bereits Erfahrungen mit dem Thema Gesichtserkennung und Maske gemacht haben dürften. Weil Schutzmasken die Trefferquote des kamerabasierten Entsperrsystems FaceID heruntersetzten, veröffentlichte der Technologiekonzern ein Update für seine Software: Erkennt diese jetzt, dass ein Nutzer oder eine Nutzerin die Maske trägt, werden sie nicht aufgefordert, diese abzusetzen. Stattdessen sollen sie den Zahlencode eingeben, um das Telefon zu nutzen.

Das scheint eigentlich eine ziemlich clevere Strategie zu sein: Eine Studie der US-Normungsbehörde NIST hatte gezeigt, dass auf Schutzmasken ausgerichtete Algorithmen zur Gesichtserkennung oft versagen. Und statt die Maske abzusetzen, damit die Software einen erkennt, behält man sie so im Idealfall einfach auf. Den darum geht es ja im Sinne des Infektionsschutzes.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 19. September 2020 | 20:00 Uhr

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