Lernen in den Ferien: Sommerschulen in Mitteldeutschland

Homeschooling hat nicht nur bei den Eltern, sondern auch bei vielen Schülern Spuren hinterlassen. Manchen fehlt viel Lernstoff. Diese Lücken versuchen jetzt viele Schulen in den Sommerferien wieder zu füllen.

Schüler lernt
Bildrechte: imago images / Westend61

Nicht allen Schülern ging das Lernen zu Hause während der Corona-Pause leicht von der Hand. Susann Meerheim vom Kultusministerium Sachsen stellt fest:

Die Fähigkeiten der Schüler haben sich unterschiedlich ausgeprägt. Die, die es vielleicht schon immer schwierig hatten, für die war diese Lernzeit zu Hause natürlich noch komplizierter als für die Schüler, die schon immer gut waren.

Sommerschule in Sachsen startet

Schüler im Unterricht
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Defizite sollen nun mit Sommerschulen ausgeglichen werden. In Sachsen geht die Sommerschule gleich am Anfang der Ferien los. In der ersten und fünften Ferienwoche können Schüler freiwillig in die Schule gehen und lernen. Auch für die Schulen ist es freiwillig, ob sie ein Angebot machen wollen oder nicht, erklärt Susann Meerheim. Dafür können externe Lehrer beauftragt werden oder die Lehrer der Schule helfen freiwillig aus. Um die Schüler gezielt unterstützen zu können, fragen viele Schulen ab, was die Bedarfe bei den Schülern sind, erläutert Susann Meerheim:

Die meisten Schulen machen eine Abfrage: Wird Mathe gewünscht oder Deutsch? Und wie viele Schüler haben überhaupt Interesse? Und wie viel Schüler sind überhaupt in der ersten und fünften Woche da? [...] Insofern wird das durch die Schulen geregelt und nicht durch das Kultusministerium vorgegeben.

Mit diesen Daten haben Sachsens Schulen einen Plan für die Sommerschule erstellt. Der Unterricht findet dann, wie im regulären Schuljahr, in der Schule statt. Eine komplette Übersicht des Angebots der sächsischen Schulen gibt es aber nicht, das Angebot kann aber meist auf den Seiten der Schulen gefunden werden.

Thüringen bietet Ferienangebote an

In Thüringen wird es in den Sommerferien für zwei Wochen „außerunterrichtliche und freizeitorientierte Bildungsangebote" geben, berichtet Lisa Bönsel vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport.

Dafür wurden die Schulen gebeten zu gucken, was sie leisten können. Denn es gibt ja auch Schließzeiten an den Schulen, wo zum Beispiel Grundreinigungen durchgeführt werden.

Diese Ferien-Angebote werden dann von Lehramtsstudierenden, Schülern oder von zum Beispiel Schulsozialarbeitern abgehalten. Schüler, die Interesse haben daran teilzunehmen, können sich freiwillig dafür melden. Angeboten wird auch viel aus den Bereichen der Abenteuer- und Erlebnis-Pädagogik, weiß Lisa Bönsel. Die Schüler können dann zum Beispiel gemeinsam ein Floss bauen.

Musikpädagogin Louise Börner (M) leitet den Musikunterricht im Rahmen des Projekts "Musaik" in Dresden-Prohlis.
Bildrechte: dpa

Das ist unterschiedlich, wie die Schulen das vor Ort dann ausgestaltet haben. Es gibt unterschiedliche Projekte. Das sind zum Beispiel musische oder naturwissenschaftliche Angebote, oder aber eben auch freizeitorientierte. Es sind keine Unterrichtseinheiten.

Die Ferienangebote richten sich speziell an Schüler mit besonderem Unterstützungsbedarf, erklärt Lisa Bönsel.

Schüler, die in einem besonderen Maße auf den Kontakt zur Lehrkraft angewiesen sind oder auf Grund der häuslichen Situation beim Lernen zuhause in den letzten Wochen nicht so stark erreicht werden konnten - dass die nochmal gesondert in den Blick genommen und adressiert werden sollen.

Aber eine Sommerschule um Unterrichtsstoff zu lernen, zu vertiefen oder nachzuholen, wird es in Thüringen in diesen Sommerferien nicht geben.

Sachsen-Anhalt lässt die Sommerschule geschlossen

Schüler im Klassenzimmer
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt wurde das Projekt Sommerschule schon in den Pfingstferien getestet. Es sei auch gut gelaufen, stellt Stefan Thurmann vom Ministerium für Bildung des Landes Sachsen-​Anhalt fest. Über 90 Prozent der Schulen in Sachsen-Anhalt hatten sich beteiligt. Aber die Zeit habe auch viele Erkenntnisse gebracht, erklärt Stefan Thurmann:

Es gab auch ein paar Probleme: Das war im ländlichen Raum vor allem der Schülerverkehr. Der in der Ferienzeit immer nur in einer abgespeckten Art und Weise vorgehalten wird. Und es war schwierig, die Schüler mit den größeren Schwierigkeiten zu erreichen. Denn es war ja freiwillig für die Schüler.

Aus diesen Gründen gibt es in Sachsen-Anhalt in den kommenden Sommerferien keine Sommerschul-Angebote. Durch das schon stattgefundene Angebot in den Pfingstferien haben die Schüler schon etwas Vorlauf, findet Stefan Thurmann. Außerdem soll den Lehrern und Schülern auch eine Ruhephase nach diesem außergewöhnlichen Schuljahr ermöglicht werden:

An einem gewissen Punkt brauchen alle Beteiligten einfach mal Ruhe, um mal durchzuatmen. Das gilt für die Schülerinnen und Schüler und auch für die Lehrkräfte.

Aber ganz wurde auf ein Weiterbildungs- und Vertiefungsangebot nicht verzichtet: Auf den Onlineseiten des Landesinstituts für Schulqualität und Lehrerbildung Sachsen-​Anhalt (LISA) gibt es eine umfangreiche Aufgabensammlung, mit denen die Schüler freiwillig und selbstständig mögliche Corona-Lücken schließen können. Die Aufgaben stammen aus allen möglichen Unterrichtsfächern und sind für verschiedene Klassenstufen aufgearbeitet.

Würdet ihr eure Kinder zur Sommerschule schicken?

Diskutiert mit uns auf unserem Facebook-Profil: Was haltet ihr von Sommerschulen und würdet ihr eure Kinder hinschicken?

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 15. Juli 2020 | 19:10 Uhr

Weitere Informationen zu Corona