Deutschland warnt vor Reisen nach Wien

In Österreich ist die Zahl der Corona-Infektionen stark angestiegen, besonders in der Hauptstadt Wien. Deshalb verschärft Bundeskanzler Kurz nun die Corona-Regeln wieder. Und Deutschland ruft eine Reisewarnung aus.

Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, nimmt mit Mundschutz bei einer Pressekonferenz zum Thema «Aktuelles» teil.
Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, nimmt mit Mundschutz auf einer Pressekonferenz. Bildrechte: dpa

Update 17.09.2020, 09:45 Uhr: Wien wurde von Deutschland als Risikogebiet eingestuft

Das Auswärtige Amt hat wegen hoher Corona-Infektionszahlen eine Reisewarnung für die österreichische Hauptstadt Wien ausgesprochen. Das Auswärtige Amt teilt mit:

Vor nicht notwendigen, touristischen Reisen in das Bundesland Wien wird aufgrund hoher Infektionszahlen derzeit gewarnt.

Deutsche Urlauber, die aus Wien kommen, müssen sich einem Corona-Pflichttest unterziehen und bei der Rückkehr in Quarantäne, bis ein negatives Testergebnis vorliegt. EIne Reisewarnung ermöglicht es Urlaubern, Buchungen kostenlos zu stornieren.


Am Samstag meldete die österreichische Regierung 869 neue Fälle, mehr als die Hälfte davon in der Hauptstadt Wien. Am Sonntag wurden dann 463 weitere Fälle registriert. Damit sind die Zahlen so hoch wie etwa zuletzt Ende März. Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz warnte, schon bald werde die Marke von tausend Neuansteckungen pro Tag erreicht. Er ist sich sicher:

Was wir gerade erleben, ist der Beginn der zweiten Welle.

Verschärfte Corona-Maßnahmen

Um die steigenden Zahlen wieder einzudämmen, hat die Regierung Österreichs die Corona-Maßnahmen verschärft:

Mund-Nasen-Schutz

Ein Mund-Nasen-Schutz muss nun wieder in allen Geschäften, der Bank und Post, in öffentlichen Gebäuden und in Schulen außerhalb der Klassenräume getragen werden. Auch in Taxen, Museen, Bibliotheken und Ausstellungen gilt eine Masken-Pflicht. Bisher galt die Masken-Pflicht nur in Supermärkten und im öffentlichen Nahverkehr.

Veranstaltungen

Veranstaltungen mit mehr als 50 Gästen in geschlossenen Räumen, ohne zugewiesene und gekennzeichnete Sitzplätze dürfen nicht stattfinden. Auch Veranstaltungen im Freien mit mehr als 100 Gästen dürfen nicht stattfinden. Veranstaltungen mit bis zu 1.500 Menschen dürfen auch innen stattfinden, wenn es zugewiesene und gekennzeichnete Sitzplätze gibt. Gibt es Sitzplätze, dürfen außen sogar Veranstaltungen mit bis zu 3.000 Gästen stattfinden. Bisher waren 10.000 Besucher erlaubt.

Restaurants

In Restaurants darf nur im Sitzen gegessen und getrunken werden. Die Restaurantgäste müssen zu allen anderen Gästen, die nicht zu ihnen gehören, einen Mindestabstand von einem Meter einhalten und Masken tragen, wenn sie sich nicht an ihrem Tisch befinden. Die Mitarbeiter der Restaurants müssen eine Maske tragen.

Schulen

Auch wenn die Corona-Ampel der Region grün zeigt, Lehrer und Schüler müssen außerhalb des Klassenzimmers im Schulgebäude einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Während des Unterrichts sei das aber nicht Pflicht.

Kurz: „dramatische Lage"

Sebastian Kurz beschreibt die Corona-Lage gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur APA als „besonders dramatisch".

Daher sind wir jetzt alle aufgerufen und gefordert, mit gleicher Disziplin und Rücksicht wie im Frühjahr auch, die Herausforderungen der kommenden Monate gemeinsam zu meistern.

Damit die Lage in Österreich sich bald wieder bessere, bittet Bundeskanzler Sebastian Kurz die Österreicher die Maßnahmen einzuhalten, soziale Kontakte wieder zu reduzieren, den Mindestabstand einzuhalten und eine Maske zu tragen.

WHO warnt vor Anstieg

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt vor einem Anstieg der Todesfälle im Zusammenhang mit Corona im Herbst. WHO-Regionaldirektor für Europa Hans Kluge betont:

Es wird härter werden. [...] Im Oktober und November werden wir eine höhere Sterblichkeit beobachten.

Denn die Zahl der Infektionen in Europa steige bereits jetzt deutlich, während die Zahl der Todesfälle zunächst relativ stabil geblieben sei. Aber aus den bereits gewonnen Erkenntnissen könne man auch lernen, so Hans Kluge:

Wenn es ein gutes Überwachungssystem gibt, sollten wir in der Lage sein, die Lage lokal innerhalb weniger Wochen unter Kontrolle zu bringen und anschließend wieder zu lockern.

Schweiz fordert Quarantäne

Neben Deutschland hat die Schweiz hat eine zehntägige Quarantäne für Reisende aus Österreich ausgerufen. Die Quarantäne gelte auch bei einem negativen Corona-Test.

Landesweit sind in Österreich gerade etwa 5.700 Menschen erkrankt. Insgesamt infizierten sich in Österreich bislang mehr als 33.000 Menschen mit dem Corona-Virus, rund 750 starben, etwa 27.000 sind genesen.

Mit Material der Nachrichtenagentur AFP und dpa.

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