Corona-Studie aus Israel: Ist der BioNTech-Impfstoff der erhoffte Durchbruch?

In Israel ist bald die Hälfte der Bevölkerung geimpft, das Land bereitet sich auf eine langsame Rückkehr zur Normalität vor. Daten aus den dortigen Gesundheitsämtern sehen vielversprechend aus.

Impfstoff des Herstellers Pfizer-BioNTech ist in einem Kühlschrank vom Impfzentrum der Stadt zu sehen.
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Um die Corona-Pandemie in den Griff zu bekommen, müssen vor allem Infektionsketten unterbrochen werden. Ob das mit den verfügbaren Impfstoffen gelingt, ist bisher unklar. Ihre Wirksamkeit bezieht sich lediglich darauf, ob sie eine Erkrankung verhindern. Ob man sich trotz Impfung anstecken kann oder nicht, ist trotz Impfung weitestgehend unerforscht.

Eine Studie aus Israel bietet nun aber einen Silberstreif am Horizont. In ihr heißt es, dass der Impfstoff des deutschen Pharmaunternehmens BioNTech und des US Konzerns Pfizer die Weitergabe des Virus deutlich reduziert. Demnach kann der Impfstoff eine Übertragung des Corona-Virus zu 89,4 Prozent verhindern, Fälle ohne Symptome miteinbezogen. Fälle bei denen eine Infektion zu Symptomen führt, würden um 93,7 Prozent verringert.

Ergebnis umstritten

Impf-Experte Sebastian Ulbert vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie in Leipzig tut sich mit einer Beurteilung etwas schwerer. Er hält den Wert von 89,4 Prozent für wenig belastbar. Es habe bei der Untersuchung nicht zwei definierte Gruppen (Geimpfte und Ungeimpfte) gegeben, die in festgelegter Form regelmäßig getestet wurden. Stattdessen wurde auf Daten freiwilliger Tests zurückgegriffen. Das mache es schwer, die Daten zu vergleichen.

Zudem hofft der Experte, dass das Vorgehen der Studienautoren durch den nun folgenden wissenschaftlichen Begutachtungsprozess detaillierter und nachvollziehbarer dargestellt wird, als es in der momentanen Fassung der Fall ist. Die Studie war verschiedenen Medien zugespielt worden und ist nicht wissenschaftlich überprüft worden, wie es sonst bei Studien üblich ist.

Auch die Autoren der Studie geben sich zurückhaltend und warnen davor, die Ergebnisse der Studie zu überschätzen. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach gibt sich dagegen vorsichtig optimistisch. Sollten die Ergebnisse zutreffend sein, sei das ein "Meilenstein", sagte er im WDR. Wenn der Impfstoff tatsächlich die Übertragung stoppen kann, sei "Herdenimmunität" gegen das Coronavirus durchaus möglich. Das würde uns sehr viel mehr Normalität ermöglichen.

Mit Material von dpa

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 21. Februar 2021 | 21:00 Uhr

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Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank