Corona Lockerungen: Einzelhandel öffnet wieder, Schule ab 4. Mai, Mundschutz wird empfohlen

Zuletzt aktualisiert: 15.04.2020 | 19:55 Uhr

Der Unterricht an den Schulen soll ab dem 4. Mai schrittweise wieder aufgenommen werden, viele Geschäfte können unter Auflagen wieder öffnen, Gesichtsmasken werden empfohlen: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erste Lockerungen der Corona-Maßnahmen vorgestellt.

Sportlerinnen und Sportler halten Abstand
Abstand ist weiterhin Pflicht. Bildrechte: imago images / Seeliger

In einer Videokonferenz mit den Regierungschefs der Bundesländer hat Kanzlerin Merkel über die Frage beraten, wie es ab nächster Woche Montag weitergeht. Forscher der Wissenschaftsakademie Leopoldina in Halle hatten am Ostermontag Vorschläge gemacht, wie die Corona-Maßnahmen schrittweise gelockert werden könnten.

Die Ergebnisse: So soll es weitergehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht im Kampf gegen die Corona-Pandemie von einem "zerbrechlichen Zwischenerfolg". Die aktuellen Infektionszahlen lassen einige Lockerungen der im März beschlossenen Maßnahmen zu. Wichtig bleibe es weiterhin, dass ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird. Außerdem ist es nur mit einer anderen Person zusammen erlaubt, draußen unterwegs zu sein. Überregionale Ausflüge bleiben verboten. Diese Kontaktbeschränkungen werden vorerst bis zum 4. Mai verlängert.

Hier findest du alle vereinbarten Lockerungen im Überblick. Die beschlossenen Lockerungen können teilweise von den einzelnen Bundesländern selbst spezifiziert werden. Die Landesregierung müsse die Beschlüsse noch selbst umsetzen.

Geschäfte öffnen wieder

Einige Läden dürfen wieder öffnen. Die Regelung gilt für Geschäfte mit Verkaufsflächen von bis zu 800 Quadratmetern. Das ist etwa so groß wie ein mittlerer Supermarkt oder ein Schuhladen. Außerdem dürfen Buch-, Auto- und Fahrradhändler unabhängig von ihrer Größe wieder öffnen.

Friseure ab 4. Mai

Eine neue Frisur können wir ab dem 4. Mai wieder bekommen. Denn entsprechende Geschäfte dürfen dann wieder öffnen, allerdings unter strengen Hygieneregeln. Zum Beispiel darf es keine Warteschlangen geben.

Empfehlung: Schutzmasken tragen

Beim Einkaufen und während der Fahrt mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln empfiehlt die Bundesregierung das Tragen von Alltagsmasken. Eine Maskenpflicht soll es aber nicht geben. Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow rief dazu auf, Masken zu tragen, die Mund und Nase bedecken.

Schulen ab 4. Mai

Die Schulen sollen vom 4. Mai an schrittweise wieder geöffnet werden und ihren Unterricht hochfahren. Zuerst gilt das für Abschlussklassen, die obersten Grundschulklassen Schülerinnen und Schüler, die im kommenden Schuljahr eine Abschluss-Prüfung ablegen werden. Bereits zuvor angesetzte Prüfungen sollen durchgeführt werden. Das gilt in Sachsen zum Beispiel für die Abiturprüfungen, die ab dem 22. April starten sollen. In Thüringen soll der Abitur-Jahrgang ab dem 27. April wieder in die Schule gehen. Eine Woche später folgen dann die zehnten Klassen.

Keine Großveranstaltungen bis zum 31. August

Bis Ende August soll es keine Großveranstaltungen geben. Betroffen werden davon auch Fußballspiele und größere Konzerte sein. Konkrete Bestimmungen dazu werden die Länder selbst festlegen.

Markus Söder (l-r, CSU), Ministerpräsident von Bayern, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg, und Olaf Scholz (SPD), Bundesfinanzminister, äuߟern sich bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt nach der Schaltkonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise.
Markus Söder, Angela Merkel, Peter Tschentscher und Olaf Scholz äuߟern sich bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt nach der Schaltkonferenz von Bundeskanzlerin Merkel und der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten der Länder zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise. Bildrechte: dpa

Der Rückblick in unserem Ticker


Update (18:51 Uhr): Masken werden empfohlen: Einige Orte in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen setzen auf eine Pflicht

Eine bundesweite Masken-Pflicht soll es nicht geben, aber regional ist eine solche Regelung möglich. In Jena, Halle und Dresden gibt es bereits individuelle Regelungen dazu. Die Städte haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht.


Update (18:20 Uhr): Restaurants bleiben geschlossen, keine Großveranstaltungen

Restaurants und Bars bleiben geschlossen. Außerdem soll es in Deutschland bis zum 31. August keine Großveranstaltungen geben. Das bestätigte der bayerische Ministerpäsident Markus Söder. Davon wären auch der Fußball und viele Konzerte betroffen. Genaue Regelungen sollen die Länder selbst festlegen.


Update (18:14 Uhr): Schulen öffnen ab 4. Mai, Geschäfte bereits ab Montag

Der Unterricht in den Schulen soll in Deutschland ab dem 4. Mai wieder aufgenommen werden, sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz. Zuerst sollen Abschlussklassen und Klassen, die im kommenden Jahr Prüfungen ablegen, wieder in die Schulen gehen. Zusätzlich wird dies auch den obersten Grundschulklassen erlaubt. Prüfungen, die schon vorher anstehen, sind möglich. Das gilt zum Beispiel für Sachsen, wo die erste Abiturprüfung am 22. April stattfinden soll.

Laut Merkel dürfen Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern wieder öffnen. Hygiene- und Abstandsregeln müssen dennoch eingehalten werden.

Auch Friseure sollen demnach ab 4. Mai wieder eröffnen dürfen, wenn Schutzausrüstung genutzt wird.

Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen und Synagogen sollen verboten bleiben.


Update (18:10 Uhr): Angela Merkel: Mund-Nase-Schutz empfohlen

Die Bundesregierung empfiehlt die Nutzung von Schutzmasken in öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkaufen. Das sagte Kanzlerin Merkel in einer Pressekonferenz. Weiterhin soll ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Außerdem bleibt es erlaubt nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder mit den Menschen des eigenen Hausstandes unterwegs zu sein.


Update (16:58 Uhr): Keine Großveranstaltungen bis Ende August

In Deutschland soll es bis zum 31. August keine Großveranstaltungen geben. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Demnach wären davon auch der Fußball und viele Konzerte betroffen. Genaue Regelungen sollen die Länder selbst festlegen.


Update (16:30 Uhr): Masken beim Einkaufen empfohlen

Eine Pflicht zum Tragen von Atemschutzmasken soll es nicht geben, das haben Kanzlerin Merkel und die Regierungschefs der Länder entschieden. Allerdings wird die Nutzung beim Einkaufen oder im ÖPNV "dringend" empfohlen. Darauf sollen sich die Ministerpräsidenten bei Beratungern mit Kanzlerin Angela Merkel geeinigt haben.

Hier erfährst du, wie du Nase-Mund-Masken einfach selbst herstellen kannst.


Update (14:15 Uhr): Geschäfte und Friseure sollen wieder öffnen

Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern sollen wieder öffnen. Das geht aus einer Beschlussvorlage für die Telefonkonferenz hervor. Diese liegt mehreren Nachrichtenagenturen vor. Auch Autohäuser, Fahrradhändler und Buchhandlungen sollen unabhängig von der Verkaufsfläche öffnen dürfen. Gleiches gilt für Kultureinrichtungen. Hygiene- und Abstandsregeln müssten dennoch eingehalten werden.

Auch Friseure sollen demnach ab 4. Mai wieder eröffnen dürfen, wenn Schutzausrüstung genutzt wird.

Veranstaltungen in Kirchen, Moscheen und Synagogen sollen verboten bleiben. Gleiches gilt für die Öffnung von Restaurants und Bars.

Der Schulunterricht soll demnach ab dem 4. Mai schrittweise wieder aufgenommen werden - zuerst für Abschlussklassen und ältere Grundschüler.


Die Haltung haben die Ministerpräsidenten aus Mitteldeutschland

Einige Ministerpräsidenten zeigten sich vor der Konferenz zurückhaltend, so Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow. In einem Interview warnte er vor einer zweiten Welle von Erkrankungen, wenn man jetzt zu rasche Lockerungen angeht. Er hält es aber für denkbar, dass Schulen zunächst für höhere Jahrgänge wieder geöffnet werden.

Für Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) hängt das weitere Vorgehen vom Verhalten der Bevölkerung ab. Für ihn sind Lockerungen Schritt für Schritt möglich, jeweils mit Blick auf die Entwicklung der Infektionszahlen und die Kapazitäten in den Kliniken. Er will Schulen ab Montag wieder schrittweise öffnen. Ministerpräsident Kretschmer sagte dem MDR, dass Prüfungen stattfinden sollen.

Wir wollen, dass diese Prüfungen in der Mittelschule, in der Hauptschule, die Gesellenprüfung und natürlich die Abiturprüfung stattfinden können. Wir werden ab Montag dann die Schüler auch wieder zurück an die Schulen rufen – Schritt für Schritt – erst einmal diese Klassenstufe und dann werden wir in 2 bis 3.

Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) warnte vor der Konferenz vor Alleingängen einzelner Länder. Es könne durchaus regionale Anpassungen geben, da nicht jedes Bundesland gleich stark von der Virus-Ausbreitung betroffen ist, aber es sollte ein gemeinsamer Generalkurs weiterhin erkennbar bleiben.

Kontaktbeschränkung bis Anfang Mai?

Unterdessen ist durchgesickert, dass der Bund die Kontaktbeschränkungen bis mindestens 3. Mai verlängern will. In dieser Zeit könnten die Intensiv-Kapazitäten an den Krankenhäusern ausgebaut sowie die Qualität und Quantität der Corona-Tests gesteigert werden. Auch soll der Bestand an Schutzmasken und -kleidung weiter aufgestockt werden, um vorrangig den Gesundheits- und Pflegebereich auszustatten.

Diese Lockerungen sind denkbar

Nach Informationen der Deutschen Presseagentur hat der Bund eine stufenweise Öffnung von Geschäften und Unternehmen ins Gespräch gebracht, darunter Autohäuser, Fahrrad- und Bücherläden, Möbel- und Elektrogeschäfte. Zudem solle erwogen werden, Museen, Zoos und Botanische Gärten wieder zu öffnen. Theater und Konzertveranstaltungen sollen demnach weiter geschlossen bleiben. Lockerungen seien auch bei Gottesdiensten aller Religionen denkbar. Bei der umstrittenen Frage, wann und wie Kitas, Schulen und Hochschulen schrittweise wieder geöffnet werden können, wurde nach diesen Informationen weiterhin ein abgestimmtes Vorgehen angestrebt. Im Vordergrund stehe dabei der Sicherheitsgedanke. Unklar blieb vor den Beratungen, ob zunächst ältere Jahrgänge etwa ab der 7. Klasse zuerst wieder an die Schulen zurückkehren können.

Zustimmung zu harten Corona-Maßnahmen sinkt

Laut MDR-Meinungsbarometer hat die Zustimmung zu den harten Corona-Maßnahmen in der vergangenen Woche stark abgenommen. Besonders das Verständnis für die Schließungen von nicht-lebensnotwendigen Einrichtungen wie etwa Gaststätten oder Friseure sowie von Kitas und Schulen ist gesunken. Befragt wurden etwa 22.500 Menschen aus Mitteldeutschland.

Mehr dazu fortlaufend hier.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 15. April 2020 | 07:00 Uhr

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