Corona-Hygiene: an vielen mitteldeutschen Schulen fehlt warmes Wasser

Nach der Toilette gründlich Hände waschen ist nicht nur in Corona-Zeiten eine essentielle Hygieneregel. Aber an mitteldeutschen Schulen ist das gar nicht so einfach. Denn es mangelt oft an den hygienischen Voraussetzungen.

Schul-Toilette
Bildrechte: IMAGO/ JOKER

Nicht nur im Alltag, sondern auch gerade an sensiblen Orten wie einer Schule ist die Einhaltung der Hygiene-Maßnahmen besonders wichtig. Aber an vielen mitteldeutschen Schulen kommt nur kaltes Wasser aus dem Wasserhahn. So ist es beispielsweise an allen Chemnitzer Schulen und fast allen Dresdner Schulen, außer den Grundschulen.

Kaltes Wasser an vielen Schulen normal

Die Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen, Uschi Kruse, sagte im Gespräch mit MDR Aktuell, dass es nicht außergewöhnlich sei, dass es an Schulen nur kaltes Wasser gebe. Das werde an vielen Schulen in Sachsen Standard sein:

Uschi Kruse, Geschäftsführerin des sächsischen Landesverbands der Lehrergewerkschaft GEW
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Aber ich gehe davon aus, dass die Schulträger das gemacht haben, was grundsätzlich geregelt ist. Nämlich, dass es Wasserhähne gibt. Der Einbau von zusätzlichen Boilern etc. würde natürlich auch eine ganze Menge Geld kosten. Also verwunderlich ist das nicht.

Auch in Thüringen gebe es nicht an allen Schulen warmes Wasser, erklärt Kathrin Vitzthum, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Thüringen:

Das ist regional sehr unterschiedlich. Es gibt auch in Thüringen viele Schulen, die nur über einen Kaltwasser-Zugang verfügen und häufig nur kleine Waschbecken in den Klassenräumen. Wo man sich vorstellen kann, dass es schwierig wird mit den Schülerinnen und Schülern in einer angemessenen Zeit gut Hände waschen zu können.

Kaltes Wasser und Seife reicht gegen Corona

Aber wie steht es dann um das Händewaschen als Maßnahme gegen Corona? Beim Händewaschen braucht es nicht unbedingt heißes Wasser, damit die Viren abgetötet werden, erklärt der Virologe Alexander Kekulé im Podcast „Kekulés Corona Kompass". Wichtig sei, dass beim Waschen der Hände Seife genutzt werde. Denn die Viren haben eine Art Fetthülle, erklärt er.

Alexander Kekulé
Bildrechte: dpa

Und wenn man da ein bisschen Spülmittel dazu gibt, dann verschwinden die schlagartig. Und so platzen auch diese Viruspartikel schlagartig, sobald sie irgendwie mit einem Spülmittel in Kontakt kommen.

Das Hauptproblem: es mangelt an Waschbecken und Wasserhähnen

Laut des Rahmenplan vom sachsen-anhaltischen Ministerium, sei auch im Schulbetrieb gründliches Händewaschen wichtig, erklärt Matthias Rose, Elternratsvorsitzender von Sachsen-Anhalt.

Es steht ja nicht da, dass jeder Schüler vor dem Unterricht die Hände waschen soll. Aber es klingt in aller Ohren so, als wenn das etwas Sinnvolles wäre. Ist aber nicht machbar, weil dazu die ganzen Kapazitäten der Waschbecken nicht gegeben sind. [...] So viele Waschbecken haben wir gar nicht, wie wir Schüler haben.

Waschbecken in Schule
Bildrechte: IMAGO/ Sven Simon

Auch Uschi Kruse vom GEW Sachsen erklärt, dass es an den Schulen generell zu wenig Wasserhähne gebe. Die Anzahl sei für einen Normalzustand ausgelegt, für eine Pandemie-Zeit würden sie aber nicht ausreichen, erklärte sie MDR Aktuell. Außerdem betont sie, dass es mit warmem Wasser einfacher sei, Kinder dazu zu bringen, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Besonders in den kalten Wintermonaten. Dann sei kaltes Wasser ungeeignet.

Schulen oft in schlechten hygienischen Zuständen

Auch Kathrin Vitzthum von GEW in Thüringen, ist sich sicher: Corona offenbart die schlechten sanitären und hygienischen Zustände an vielen Schulen:

Die GEW-Landesvorsitzende, Kathrin Vitzthum.
Bildrechte: dpa

Die Kommunen haben aus unterschiedlichen Gründen, die Schulsanierung nicht so ernsthaft betrieben, wie es notwendig gewesen wäre. Und jetzt sehen wir die Folgen.

Dazu mangelt es oft auch an ausreichend Seife und Handtüchern. Für die Beschaffung und Ausstattung der Schulen seien die Schulträger zuständig, erklärt Kathrin Vitzthum. Das seien die Kommunen und kreisfreien Städte.

Die sagen: Wir haben kein Geld. Und an dem Argument kommt man sehr schlecht vorbei. Also wir unterstützen ja auch, dass die Länder, der Bund und die Kommunen bei Pflichtaufgaben unterstützen.

Deshalb fordert Kathrin Vitzthum vom GEW in Thüringen, dass die Schulträger zumindest das umsetzen, was die Hygienepläne der Schulen vorschreiben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 16. September 2020 | 19:20 Uhr

Weitere Informationen zu Corona