Corona-Pandemie: Wann kommt der Impfstoff für Kinder?

Zwar sind schwere Covid 19-Fälle bei Kindern selten. Ob es trotzdem sinnvoll ist, auch Kinder zu impfen und warum es noch keinen Impfstoff für sie gibt – darüber haben wir mit einem Experten für Kinder- und Jugendmedizin aus Leipzig gesprochen.

Ein Kind bekommt eine Spritze
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Während immer mehr Erwachsene gegen Corona immunisiert werden, warten wir bislang vergeblich auf einen Impfstoff für Kinder. Bisher sind nahezu alle Corona-Impfstoffe nur für Erwachsene zugelassen. Lediglich der Biontech/Pfizer-Impfstoff geht schon ab 16 Jahren. Als eines der wenigen Länder lässt Israel damit auch Teenager impfen.

Wann werden unsere Kinder geimpft?

Über die Situation in Deutschland haben wir mit Professor Volker Schuster gesprochen. Er ist Leiter der Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin an der Uni Leipzig. Bis bei uns auch Kinder gegen das Coronavirus geimpft werden, dauert es noch, sagte er im MDR JUMP-Gespräch:

Das wird noch eine längere Zeit dauern. Erst sind alle Studien an Erwachsenen gemacht worden. Das ist üblicherweise so. Wenn diese Impfstudien abgeschlossen sind, dann geht man auch an Kinder heran.

Impfungen tragen zur Herdenimmunität bei

Auch wenn Corona-Erkrankungen bei Kindern in den meisten Fällen eher einen milden Verlauf nehmen, ist eine Impfung sinnvoll, betont Schuster:

Auf jeden Fall. Es sollten alle geimpft werden. Weil man dadurch die Herdenimmunität besser erreichen kann. Außerdem gibt es auch schwere Verläufe bei Kindern, so eine Art Kawasaki-Syndrom. Das ist eine ganz starke Entzündungsreaktion, die lebensbedrohlich ist.

Erste Studien mit Kinder-Impfstoff laufen

Einige Hersteller haben damit begonnen, ihren Impfstoff an Minderjährigen zu testen. So hat beispielsweise Moderna eine Studie mit 3.000 Kinder im Alter zwischen 12 und 17 Jahren gestartet. Im Sommer 2022 sollen die letzten Test-Teilnehmer geimpft sein. Biontech/Pfizer forscht an 12- bis 16-Jährigen und plant zudem einen Impfstoff für 0 bis 15 Jahre alte Kinder. Astrazeneca wollte im Februar mit einer Studie an 300 Kindern im Alter zwischen 6 und 17 Jahren beginnen. Auch Johnson und Johnson, sowie einige chinesische, indische und vietnamesische Hersteller haben Studien mit Minderjährigen laufen. Über das Tempo dürfe man wirklich nicht meckern, meint Mediziner Schuster:

Da muss man sagen: So schnell wie jetzt wurde ein Impfstoff noch nie hergestellt weltweit. Die Herstellung eines Impfstoffs innerhalb weniger Monate das ist eine fantastische Leistung auch von allen Herstellen, egal ob russische, chinesische, deutsche oder amerikanische.

Kinder sind keine Versuchskaninchen

Für Impfstudien mit Kindern gibt es hohe Hürden. Das RKI betont, dass Kinder schon allein aus ethischen Gründen nicht für frühe Tests vorgesehen sind. Vor der klinischen Prüfung an Kindern muss sichergestellt sein, dass in den Studien bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten sind. Sollte dann irgendwann ein Impfstoff für Kinder zugelassen werden, wird die STIKO (Ständige Impfkommission) ihn bewerten. Ob es dann eine Impfempfehlung für Kinder gibt oder nicht, kann das RKI heute noch nicht beantworten.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - Die Themen des Tages | 26. Februar 2021 | 19:20 Uhr

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Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank