Einwegplastik wird verboten: Was sind die Alternativen?

Plastikteller und -besteck, Strohhalme und Styroporbecher – ab dem kommenden Sommer ist es damit vorbei. Der Bundestag hat gerade das EU-weite Verbot von Einwegplastik in nationales Recht umgesetzt. Wir haben uns angesehen, welche Produkte man stattdessen nutzen könnte.

Plastiktrinkhalme
Bildrechte: imago/Jochen Tack

Ein Kaffee "to go", ein Schnitzel oder asiatische Nudeln in der Styropor-Box – immer mehr Menschen lassen sich ihr Essen außer Haus schmecken. Ist ja auch schön bequem und außerdem kann man die Sonne genießen, wenn man seine Mittagspause zum Beispiel mal im Park verbringt. Das Problem: Wenn man ausgetrunken und aufgegessen hat, wird die Verpackung weggeschmissen. Und das sorgt für Müll, viel Müll.

Das Umweltbundesamt in Dessau hat ausgerechnet, dass die Menge der Kunststoffabfälle zwischen 2015 und 2017 um 3,9 Prozent auf 6,15 Millionen Tonnen gestiegen ist. Und längst nicht alles davon landet gleich beim Recycling.

Rund 700 Millionen Euro - so viel Geld müssen Städte und Gemeinden in Deutschland pro Jahr ausgeben, um Parks und Straßen von Zigarettenkippen, To-Go-Bechern und anderen Einwegplastik-Produkten zu säubern, die öffentliche Müllbehälter zu leeren und die Abfälle zu entsorgen. Das hat der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) kürzlich in einer wissenschaftlichen Studie ermittelt.

Umweltschützer kritisieren Ambitionslosigkeit

„Ein Teil des Einwegplastiks wird bereits im nächsten Sommer aus den Parks verschwinden“, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze bei der Vorstellung der Studie. „Denn dann tritt das Verbot von Plastiktellern und -besteck, Strohhalmen und Styroporbechern in Kraft.“ Gesetzliche Grundlage dafür ist ein Beschluss des Bundestages vom Donnerstag dieser Woche. Demnach gibt es ab 3. Juni 2021 in Deutschland kein Plastikgeschirr und -besteck mehr zu kaufen. Auch Trinkhalme, Rührstäbchen, Luftballonhalter oder Wattestäbchen aus Kunststoff sowie Becher und Behälter aus Styropor verschwinden dann aus dem Handel.

Mit dem Beschluss hat der Bundestag eine Einigung auf EU-Ebene aus dem Jahr 2018 in nationales Recht umgesetzt. Besonders eilig hatte man es damit ja nicht. Der Bundesrat muss auch noch zustimmen. Umweltschützer kritisieren außerdem, Deutschland setzte gerade einmal die Mindestanforderungen der EU um. "Das ist ambitionslos und wird der Rolle Deutschlands als Zugpferd innerhalb der Europäischen Union nicht gerecht", so Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.

Außerdem wissen Experten, dass die neuen Regeln auch Raum für Schlupflöcher lassen. So könnte aus einem Plastik-Teller könnte durch Hinzufügen eines Deckels vielleicht eine Plastik-Box werden – denn die wird zunächst nicht verboten.

Essbare Eislöffel – warum nicht?

Im Kern geht es aber darum, dass Wegwerfprodukte aus Kunststoff, für die es sinnvolle Alternativen gibt, eben nicht mehr erlaubt sind. Womit wir beim Thema wären: Sinnvolle Alternativen – was ist das? Beim Kaffee "to go" kann man sich das noch vergleichsweise einfach klar machen: Da bringt man seinen Becher am besten mit und gut ist‘s. Viele von uns machen das ja auch schon so.

Für ein paar Nischen gibt es ebenfalls recht interessante Lösungen – zum Beispiel bei Eislöffeln, die statt aus Plastik auch aus verschiedenen Mehlsorten und natürlichen Nahrungsfasern gefertigt werden können und damit essbar sind.

Schwieriger wird es schon bei anderen vermeintlichen Alternativen zum Plastik. Da sind zum Beispiel sogenannte Bio-Kunststoffe, die aus pflanzlichen Rohstoffen statt aus Erdöl hergestellt werden. Die sind zwar im Prinzip biologisch abbaubar - aber eben nur in der Theorie. Das Problem: Diese Kunststoffe werden dann nur abgebaut, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht wird. Und das passiert beim heimischen Kompost nicht. In Kompostieranlagen wird das vermeintlich „gute“ Plastik daher als Störstoff aussortiert.

Landkarte fürs verpackungsarme Einkaufen

Vermeintlich umweltfreundliche Becher aus Bambus wiederum können Schadstoffe abgeben. Und auch Papiertüten müssen nicht automatisch eine gute Alternative sein. Oder anderes ausgedrückt: Sie sind es nur dann, wenn sie aus recyceltem Material hergestellt wurden.

„Verpackungen aus anderen Materialien haben oft keine bessere Ökobilanz als Kunststoffverpackungen; besser ist es Produkte unverpackt zu kaufen“, heißt es bei der Verbraucherzentrale. Greenpeace hat eine interaktive Deutschlandkarte gestartet, die beim Einkaufen ohne Verpackung helfen soll. Für Magdeburg, zum Beispiel, sind 18 Unternehmen gelistet, für Halle 11, für Leipzig 13, für Jena 20 und für Dresden 9. Das ist ja schon mal ein Anfang.

Aber wenn unverpackt gerade keine Option ist? Dann wäre es sinnvoll, aus einer Einweg- eine Mehrwegnutzung zu machen. Ein Papierstrohhalm, der nur einmal genutzt wird, belastet die Umwelt zwar nicht mehr in Form von Plastikmüll – doch angesichts seines kurzen Lebens wäre er massive Ressourcenverschwendung. Umweltverbände regen zum Beispiel Pfandsysteme für Geschirr in der Gastronomie an. Bei Kaffeebechern ist so etwas schon weit etabliert. Für andere Gegenstände wäre das vielleicht auch eine Idee. Kunden würden dann ein paar Euro Pfand zahlen und das Geld wiederbekommen, wenn sie zum Beispiel den Teller wieder abgeben.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 19. September 2020 | 13:40 Uhr

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