Umweltbundesamt: Elektroschrott wird oft falsch entsorgt

Ein altes Handy, die kaputte Waschmaschine oder der defekte Wasserkocher - Elektrogeräte werden oft falsch oder sogar illegal entsorgt. Besonders schlecht sieht es nach Angaben des Umweltbundesamts bei großen Haushaltsgeräten aus. Hier erfährst du, wie Elektroschrott richtig entsorgt wird.

Elektroschrott liegt entsorgt in einem Container 2 min
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MDR JUMP Mi 15.08.2018 02:10Uhr 02:04 min

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Die Zahlen sind beeindruckend: Fast 500.000 Tonnen Kühlschränke, Waschmaschinen und Geschirrspüler verschwinden nach Angaben des Umweltbundesamtes pro Jahr in illegalen Sammlungen. Das Problem: Wichtige Rohstoffe gehen so verloren und das belastet die Umwelt.

Verschiedene Entsorgungsmöglichkeiten

Verbraucher haben folgende Möglichkeiten, ihren Elektromüll zu entsorgen:

Schild eines Wertstoffhof und Kompostieranlage mit Hinweis was alles erlaubt ist.
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Kommunale Sammelstellen
Für die Sammlung von Elektro-Altgeräten müssen Kommunen nach wie vor Sammelstellen (meist Recycling- oder Wertstoffhöfe) vorhalten. Dort können Verbraucher alle Altgeräte kostenlos abgeben. Einzige Bedingung: "Die Kommunen können die kostenlose Annahme von verunreinigten Geräten, die eine Gefahr für die Gesundheit und Sicherheit darstellen, ablehnen", erklärt Isabel Wagner.

Händler
Abgesehen davon sind unter bestimmten Umständen auch wie bisher Händler in der Pflicht, alte Elektrogeräte anzunehmen: Bei größeren Geräten gilt das Prinzip alt gegen neu: Wird ein Gerät gekauft, muss der Händler ein vergleichbares Gerät des gleichen Gerätetyps zurücknehmen. Beim Kauf eines Kühlschrankes muss das Geschäft den alten Kühlschrank entsorgen. Das gilt allerdings nur für Geschäfte mit einer Verkaufsfläche für Elektro- und Elektronikgeräte ab 400 Quadratmetern. Seit Mitte vergangenen Jahres droht Händlern, die gegen die Rücknahmepflicht verstoßen, ein hohes Bußgeld von bis zu 100.000 Euro. Die Rücknahme selbst ist für Verbraucher kostenlos. "Wird die Verkaufsfläche für Elektrogeräte von 400 Quadratmetern nicht erreicht, dann besteht auch keine gesetzliche Rücknahmepflicht. In diesem Fall dürfen Vertreiber die Altgeräte jedoch freiwillig unentgeltlich zurücknehmen, Transportkosten können dabei allerdings in Rechnung gestellt werden", sagt Isabel Wagner.

Online-Händler
Auch Online-Händler sind verpflichtet, Altgeräte beim Neukauf zurückzunehmen, wenn ihre Lager- und Versandfläche für Elektrogeräte über 400 Quadratmeter misst. Aber Vorsicht: Dritthändler, die ihre Waren über große Portale wie Amazon verkaufen, können trotzdem eine kleine Lagerfläche haben und sind damit nicht rücknahmepflichtig.

Die Rücknahme kann vor Ort bei der Übergabe des Neugerätes erfolgen. Online-Händler können aber auch Sammelpunkte beim stationären Handel benennen, mit denen sie gegebenenfalls eine Partnerschaft eingegangen sind. "Wer Anhaltspunkte dafür hat, dass Händler ihrer Rücknahmepflicht nicht nachkommen, kann dies bei den jeweiligen Landesbehörden anzeigen. Oftmals sind die Abfall- oder Umweltbehörden bei den Landkreisen bzw. kreisfreien Städten für diese Ordnungswidrigkeiten zuständig", erklärt die Expertin vom Umweltbundesamt.

Sonderfall Kleinstgeräte
Ebenfalls sind Geschäfte mit Elektrogeräten mit einer Verkaufsfläche ab 400 Quadratmetern verpflichtet, Kleinstgeräte mit einer Kantenlänge von unter 25 Zentimetern zurückzunehmen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man ein neues Gerät kauft oder nicht. Hierfür haben die meisten Geschäfte oder auch ganze Einkaufszentren bereits Sammelbehälter ähnlich den Batteriesammelkisten aufgestellt.

Entsorgung von Batterien
In jedem Fall muss der Verbraucher Batterien und Akkus, die nicht von dem Gerät umschlossen sind, vor der Abgabe des Gerätes herausnehmen und separat entsorgen, zum Beispiel in den eben erwähnten Batteriesammelboxen im Handel. Aber auch die Kommunen nehmen Altbatterien zurück, etwa auf Wertstoffhöfen oder in Schadstoffmobilen.

Grundlage für die Entsorgung von Elektro- und Elektronikaltgeräten in Deutschland ist das "Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten", kurz ElektroG.

Seit dem 15. August 2018 wird der sogenannte offene Anwendungsbereich in das ElektroG eingeführt. Damit können auch Möbel mit fest eingebauten elektrischen Komponenten wie ein Badschrank mit integrierter Beleuchtung am Lebensende zum Elektroschrott werden. Auch Schuhe oder Bekleidung mit dauerhaft und fest eingebauten Leuchtmitteln oder elektronischen Bauteilen müssen am Ende gegebenenfalls als Elektroschrott entsorgt werden.

Nicht betroffen sind nur explizit im Gesetz genannte Ausnahmen, z.B. Glühlampen, Ausrüstungsgegenstände für einen ausschließlichen Einsatz in der Forschung oder auch ortsfeste industrielle Großwerkzeuge. "Die Entscheidung kann im Einzelfall kompliziert sein. Die Feststellung, ob ein Elektro- und Elektronikgerät vorliegt und in den Anwendungsbereich des ElektroG fällt, trifft die "stiftung elektro-altgeräte register". Sie ist für die Umsetzung der Gesetzesänderung verantwortlich", erklärt Isabel Wagner vom Umweltbundesamt.

Ziel: Mehr Recycling

Durch die bevorstehende Erweiterung des Anwendungsbereichs können mehr Altgeräte zur Wiederverwendung vorbereitet, recycelt oder verwertet werden. Werden die Stoffe einfach weggeschmissen, gehen zum Teil immer knapper werdende Metalle unwiederbringlich verloren. Gleichzeitig gelangen so oft Schadstoffe in die Umwelt.

"Durch die Neuerung im Gesetz können nun mehr Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten an den Kosten für die Entsorgung beteiligt werden und so die gesetzlich vorgesehene Produktverantwortung wahrnehmen", erklärt Expertin Wagner. Der Grund: In Deutschland sind laut Wagner die Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten für den gesamten Lebensweg ihrer Produkte, also auch für die Rücknahme und ordnungsgemäße Entsorgung verantwortlich.  Offiziell wird dies als "Prinzip der abfallrechtlichen Produktverantwortung" bezeichnet.

Kennzeichnungspflicht für den Verbraucher sichtbar

Hersteller müssen ihre Geräte vor Inverkehrbringen offiziell registrieren und die Geräte entsprechend kennzeichnen, damit der Verbraucher erkennt, dass er es getrennt vom normalen Hausmüll entsorgen muss. Beispielsweise sind Geräte für die Nutzung in privaten Haushalten mit dem Symbol einer durchgestrichenen Mülltonne entweder auf dem Produkt, der Verpackung, der Gebrauchsanweisung oder dem Garantieschein zu kennzeichnen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 19. November 2018 | 12:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 02:10 Uhr