Nach neuem Wolfsgesetz: Sächsischer Bauernverband fordert härtere Regelungen

Seit einem halben Jahr gilt das neue Naturschutzgesetz, das den Abschuss von Wölfen erleichtern sollte. Doch es habe nichts gebracht, sagt der Sächsische Landesbauernverband. Auch die Bundeslandwirtschaftsministern sieht Verbesserungsbedarf.

Heulende Wölfe
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Das neue Bundesnaturschutzgesetz erlaubt es, Wölfe zu jagen und abzuschießen, wenn sie Schafe oder andere Nutztiere gerissen haben sollen. Dieser „neue Umgang mit Wölfen“, wie es die Bundesregierung schreibt, gilt jetzt seit einem halben Jahr. Ziel war es, den Schutz von Nutztieren zu bewahren und den Artenschutz der Wölfe nicht zu gefährden. Aber die Bilanz fällt nicht gut aus.

Änderungen reichen nicht aus

Der Deutschen Presse-Agentur sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: "Dass die gesetzlichen Änderungen ausreichen werden, glaube ich kaum“. Dabei bezieht sie sich auf Zahlen, die zeigen, dass die Zahl der Wolfsangriffe weiterhin ansteigt. Deshalb müssten weitere gesetzliche Veränderungen diskutiert werden. Dennoch sei die Ausbreitung des Wolfes für den Naturschutz prinzipiell positiv.

Forderung: Direkter Abschuss

Besonders von Wolfsangriffen betroffen sind Landwirte. Auch Gunther Zschommler vom Sächsischen Landesbauernverband sagt im Gespräch mit MDR JUMP, dass die derzeitigen Maßnahmen nicht ausreichen würden. Er fordert konkret definierte Wolfs-Lebensräume. „Im besiedelten Gebiet hat ein Raubtier nichts zu suchen. Wenn der Wolf im Dorf unterwegs ist, in einer geschlossenen Ortschaft, hat man zu schießen“, fügt er hinzu.

Ein Wolf läuft durch sein Gehege im Tierpark Hellabrunn in München.
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Reichen höhere Zäune?

Die Forderung, mehr Wölfe abzuschießen, stößt Naturschützer vor den Kopf. Sie fordern andere Lösungen, um das Leben der Nutztiere und den Artenschutz des Wolfes gemeinsam zu erreichen. Zum Beispiel mit höheren Weidezäunen. Auch Gunther Zschommler stimmt dem zu: „Das ist ein positiver Ansatz“, sagt er. Aber ein Wettrüsten technischer Anlagen könne keine dauerhafte Lösung sein. Der Wolf sei schlau und die Zäune schnell wieder zu niedrig, fügt er hinzu.

Lösung: Bestandsmanagement?

Bundeslandwirtschaftsministern Klöckner sagte weiter, dass ein „Bestandsmanagement“ dazu führen könne, Nutztiere und Artenschutz in Verbindung zu bringen. Das würde bedeuten, dass Wölfe auch vorsorglich gejagt werden könnten. Von „Obergrenzen“ und „Wolfsfreien Zonen“ ist die Rede. Für die Landwirte gilt es, weitere Wolfsrisse bei ihren Nutztieren zu vermeiden.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 13. August 2020 | 05:30 Uhr

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