Techniker liest Heizkosten ab
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Zu hohe Nebenkosten: Schuld sind Fehler in Heizkostenabrechnungen

10.01.2019 16:38

Vier von fünf Heizkostenabrechnungen sind nicht richtig. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des unabhängigen Verbrauchermagazins Finanztip. Viele Mieter zahlen daher offenbar zu viel bei den Nebenkosten.

Techniker liest Heizkosten ab
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Zum Jahresanfang hängen in vielen Mietshäusern wieder die Aushänge der Heizkostenableser: Die kündigen ihre Mitarbeiter an und fordern Mieter auf, am genannten Termin die Ableser in die Wohnung zu lassen. Irgendwann landet dann die Nebenkostenabrechnung mit den Heizkosten im Briefkasten. Bei der Heizkostenabrechnung gibt es nach einer aktuellen Untersuchung vom unabhängigen Verbraucherportal Finanztip aber oft Mängel und Auffälligkeiten. Finanztip hat rund 100 aktuelle Abrechnungen von Lesern prüfen lassen.  

Die typischen Fehler auf der Heizkostenabrechnung

Viele Vermieter messen offenbar nicht korrekt, wie viel Heizenergie fürs Warmwasser genutzt wird. Ines Rutschmann von Finanztip sagte MDR JUMP:

Ines Rutschmann von Finanztip
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Bei 60 Prozent der Abrechnungen waren die Warmwassernebenkosten nicht ordnungsgemäß berechnet waren oder nicht vorschriftsmäßig ermittelt worden.

In solchen Fällen könnten Mieter die Kosten für das warme Wasser pauschal um 15 Prozent kürzen. Häufig würden auch die Kosten für den Strom für die Heizung vertretbare Werte überschreiten, so die Finanztip-Expertin:

Sind die Kosten für den Betriebsstrom höher als fünf Prozent der Brennstoffkosten, muss der Vermieter die hohen Ausgaben nachweisen können. Zudem kaufen laut der Studie von Finanztip viele Vermieter das Gas für die Heizung oder die Fernwärme zu teuer ein. Hier gelte aber ein Wirtschaftlichkeitsgebot. Darauf sollten Mieter den Hauseigentümer aufmerksam machen.

Kein Recht auf Ablesenachweis

Kommen die Mitarbeiter der Ablesefirmen in die Wohnung, können Mieter zumindest aufpassen, dass alle Werte von den Heizkörpern korrekt eingetragen werden. Einen Nachweis über die abgelesenen Werte oder auch Protokoll müssen die Ableser nicht da lassen.

In der Regel müssen Sie aber das Ableseprotokoll unterschreiben. Bevor Sie das tun, vergewissern Sie sich, dass die Zahlen stimmen. Sie können das Protokoll auch abfotografieren, wenn Sie einen Beleg haben wollen.

Frau liest 2007 den Heizkostenzähler ab
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Alternativ könnten Mieter beim Vermieter das Ableseprotokoll noch einsehen, wenn es Probleme geben sollte.

Ab zum Nachbarn

Die Abrechnung ist eine Ansammlung von kryptischen Abkürzungen und Zahlen ohne Bezug zu anderen: Das macht es für viele Mieter schwer, die Heizkostenabrechnung zu durchschauen und Fehler zu finden. Unverständliche Abrechnungen müssen Mieter aber nicht hinnehmen, sagt Ines Rutschmann:  

Das Gesetz schreibt vor, dass die Abrechnung nachvollziehbar und verständlich sein soll. Wenn nicht, können Mieter widersprechen und vom Vermieter eine nachvollziehbare Abrechnung fordern. Folgt der Vorgabe nicht, muss man die Nachzahlung gar nicht leisten.

Die Finanztip-Expertin empfiehlt zudem, die Heizkostenabrechnung immer auch mit einem Nachbarn im Haus zu vergleichen. Am besten mit einem Nachbarn, der eine ähnlich große Wohnung hat.

Ich kann dann prüfen, ob bei mir die gleichen Verbrauchspreise angewandt wurden und welchen Energieverbrauch der Nachbar hat. Lieg ich zum Beispiel drüber, obwohl ich eine gleich große Wohnung habe, dann ist das ein Anzeichen dafür, dass bei mir was auf der Abrechnung nicht stimmt. Oder dass vielleicht auch Messwerte falsch sind.

Zudem könnten Mieter mit ihren Nachbarn auch die Umrechnungsfaktoren für die abgelesenen Heizkörperwerte vergleichen. Die sind offensichtlich eine häufige Fehlerquelle.

Den Profi überprüfen lassen

Auch wenn Mieter auf einige typische Fehler bei den Heizkosten achten können und das Recht auf eine verständliche Abrechnung haben: Manchmal muss der Profi ran, um Mängel zu finden. Hier helfen Mietervereine, die es in vielen Städten und Gemeinden gibt. Alternativ gibt es Rechtshilfe-Portale im Internet, bei denen Mieter die Nebenkostenabrechnung hochladen und von Experten checken lassen können. Beides kostet: Die Mietervereine verlangen je nach Ort um die zehn Euro Mitgliedsgebühr pro Monat. Bei den Rechtshilfe-Portalen werden einmalig um die 50 Euro fürs Prüfen fällig. Das liegt oft aber noch deutlich unter der Nachzahlung, die der Vermieter verlangt.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 11. Januar 2019 | 17:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 16:38 Uhr

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