Können wir uns im Sommer 2022 endlich auf Festivals freuen?

Zwei Jahre in Folge mussten beliebte Festivals wie Deichbrand, Hurricane & Co. wegen Corona ausfallen. Wie weit sind die Planungen für dieses Jahr? Könnte es endlich klappen? Wir haben mit den Veranstaltern gesprochen.

Die Band Madsen auf der Bühne beim Highfield 2018.
Bildrechte: Marco Sensche

Du spürst die warme Sonne auf der Haut und tanzt ausgelassen unter freiem Himmel mit deinen Freunden. Dazu spielt deine Lieblingsband live ihre besten Lieder. Szenen, die wir alle schon viel zu lange nicht mehr erleben konnten. Die größten und beliebtesten Festivals Deutschlands mussten ihre Türen zwei Jahre in Folge geschlossen halten. In diesem Jahr sind sie jedoch noch besser vorbereitet. Und sie sind optimistisch.

Highfield, Deichbrand, Hurricane: Mit allen Gästen oder gar nicht

Was alle Veranstalter und Planer gemeinsam haben, ist die Sehnsucht. Die Sehnsucht nach einem "echten" Festival und nach dem Wiedersehen. Viele von ihnen, ob klein oder groß, hat es hart getroffen. Jonas Rohde von FKP Scorpio, einem der größten Konzert- und Festivalveranstalter in Europa, sagt im Interview mit MDR JUMP:

Wir müssen nach knapp zwei Jahren des kulturellen Stillstands festhalten, dass die Corona-Pandemie die mit Abstand größte Zäsur und Herausforderung unserer Firmengeschichte ist. Das gilt aber nicht nur für uns, sondern besonders auch für die unzähligen Selbstständigen und Mitarbeitenden der angeschlossenen Wertschöpfungskette, ohne die Livekultur unmöglich wäre.

Man sei auf eine möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität angewiesen. Zwar hätten die Veranstalter Verständnis dafür, dass die deutsche Politik vorsichtiger gewesen sei, als andere Länder. Mit dem Fortschreiten der Impfkampagne sollten Festivals im Sommer aber stattfinden können, so die Hoffnung. FKP Scorpio veranstaltet unter anderem die Festivals Hurricane und Southside im Juni, Deichbrand im Juli und Highfield im August.

Besucher feiern 2019 zum Auftakt auf dem Highfield Festival.
Bildrechte: dpa

Wir planen spätestens zum Frühsommer mit einer vollständigen Rückkehr der Livekultur in Deutschland und freuen uns gemeinsam mit unseren Künstlerinnen und Künstlern die überwältigende Mehrheit der Festivalshows, die wir unseren Gästen für 2020 ursprünglich versprochen hatten, endlich nachholen zu können.

Während man bereit ist, alle Hygiene- und Infektionsschutzkonzepte umzusetzen, so kommen für FKP Scorpio keine Kapazitätsbegrenzungen infrage.

Davon abgesehen, dass Livekultur mit reduziertem Publikum ohnehin nicht wirtschaftlich ist, feiern wir entweder mit allen Gästen oder gar nicht – denn sie alle haben sich gleichermaßen auf die Rückkehr ihrer Lieblingsfestivals gefreut.

Rudolstadt: Festival könne Risse in der Gesellschaft mildern

Miriam Rossius vom Rudolstadt-Festival ist bewusst, dass bis Juli noch viel passieren kann und im Hinterkopf sitzt ein gewisser Restzweifel. In Rudolstadt herrsche, wie an vielen anderen Orten eine allgemeine Unsicherheit, wann sich wieder ein „normales“ Leben führen lässt. Trotzdem ist man auch hier optimistisch, sagt sie im Gespräch mit MDR JUMP:

Festivalstimmung auf dem Marktplatz in Rudolstadt
Bildrechte: MDR/Jens Schlüter

Diese Unsicherheit und auch die gegensätzlichen Meinungen zur Corona-Politik und -situation sind überall spürbar. Es wäre schön, wenn das Festival da ein Stück zur Annäherung beitragen, die teils tiefen Risse mildern könnte. Es fühlt sich für uns gut und richtig an, darauf zu setzen, dass es in diesem Sommer endlich wieder stattfinden kann.

Man versucht sich Spielraum zu lassen und Entscheidungen, die nicht sofort getroffen werden müssen, zu schieben.

Aber inhaltlich sind wir seit Monaten in der Planung. Das Line-up schiebt sich immer mehr zusammen, viele Verträge sind gemacht.

Im Frühjahr soll der Ticketverkauf beginnen, dann wird auch das komplette Line-Up veröffentlicht. Man habe sich außerdem für 2G entschieden. Ob daraus noch 2G plus wird, hänge von der weiteren Entwicklung ab:

Die Menschen dürsten zwar danach, unbeschwert Kultur zu erleben, aber es gibt auch viele, die sich noch nicht wohlfühlen, wenn so viele Leute beieinander sind. 

WGT: Alles, wie früher

Auch das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig musste 2020 und 2021 ausfallen. Fans des WGT dürfen sich in diesem Jahr auf ein Wiedersehen freuen, sagt Cornelius Brach von der Treffen & Festspielgesellschaft für Mitteldeutschland MDR JUMP:

Die Besucher des WGT 2018
Bildrechte: MDR JUMP/Jeannine Völkel

Unsere Planungen für das kommende WGT laufen normal, die alt bewährte Zusammenarbeit mit den bisherigen Spielstätten und kulturellen Partnern wird fortgesetzt.

Man gehe davon aus, dass sich die Planungen in vollem Umfang der früheren Jahre, ohne größere Einschränkungen normal umsetzen lassen.

Ferropolis: Wir planen ein Festival sogar doppelt

Die Stadt aus Eisen blickt positiv in die Zukunft. Ferropolis steckt voll in den Planungen für den Festivalsommer 2022, sagt Veranstaltungsmanagerin Janine Scharf:

Wir sind gerade in allen Absprachen, vor allem mit den Veranstaltern für die großen Events. Eines unserer größten Festivals planen wir sogar doppelt. Es muss wieder vorangehen!

Scharf spricht vom Splash!-Festival, das dieses Jahr im Juni und Juli stattfinden soll. Ferropolis beheimatet unter anderem auch die Festivals Melt! und Full Force. Man könne natürlich nicht wissen, was genau kommen wird. Aber die Absprachen mit den Behörden finden statt und man will dem Publikum die Rückkehr der Festivals zusichern. Auch Konzepte mit 2G oder 2G plus könne man sich vorstellen.

Wir wollen wieder alle gemeinsam feiern, wir wissen nur noch nicht, mit welchen Auflagen.

Bereits gekaufte Tickets für die Festivals haben ihre Gültigkeit behalten. Neue Tickets können an allen bekannten Vorverkaufsstellen erworben werden. Und dann ist Daumen drücken und Hoffen angesagt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 26. Januar 2022 | 14:47 Uhr

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