Kind mit Smartphone
Bildrechte: imago images / Westend61

Gehört ein Smartphone in die Zuckertüte?

13.08.2019 | 10:23 Uhr

Um die Digitalkompetenz der Schüler zu fördern, empfiehlt Achim Berg, der Präsident des Digitalverbands Bitkom, Eltern ein Smartphone in die Zuckertüte zum Schulanfang zu stecken. Die Idee finden nicht alle gut.

Kind mit Smartphone
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Schon jedes zweite Kind im Alter von sechs bis sieben Jahren nutzt bereits ein Smartphone und 78 Prozent schon ein Tablet. Ginge es nach Achim Berg, dem Präsident des Digitalverbands Bitkom, wären es noch mehr. Er sagte der Rheinischen Post:

Ab der ersten Klasse werden Kinder auf dem Schulhof und im Freundeskreis doch eh mit Handys in Berührung kommen. Verbote bewirken nur, dass Kinder die Geräte heimlich nutzen und dann ohne Begleitung gefährdeter sind.

Bildungsminister rät ab

Helmut Holter, Bildungs- und Jugendminister von Thüringen, ist anderer Meinung. Er würde ein Smartphone so früh noch nicht empfehlen, sagte er im MDR JUMP Interview. Der Minister findet, dass Schulanfänger erstmal die Grundkompetenz im Schreiben und Lesen erlernen sollten.

Soll ein Smartphone in die Schultüte? Das ist genau der Punkt, wo ich sage, das sollte nicht sein. Das kann natürlich die Entscheidung der Eltern sein, dass das Kind ein Smartphone erhält. Dann sind die Eltern aber auch verantwortlich, dass das Kind mit dem Smartphone umgehen kann. Die Wissenschaft empfiehlt ja maximal drei, vier Minuten am Tag. Und auch die körperliche Entwicklung der Kinder, wie das Augenwachstum ist noch nicht abgeschlossen.

Kompetenz solle geübt werden

Ihm sei bewusst, dass die Kinder oft auch schon vor der Schulzeit mit Tablets und Smartphones umgehen. Aber als Geschenk zum Schulanfang findet er die Geräte nicht geeignet. Da die Kinder noch nicht ausreichend über die Gefahren des Internets aufgeklärt seien, spricht Helmut Holter sich für alternative Geräte aus:

Spezielle Kinderhandys oder Smart-Watches. Es sind einfache Dinge, die kindgerecht gestaltet sind. Die kann man dann nutzen, um den ständigen Kontakt zu seinem Kinder herstellen zu können.

Von einem generellen Verbot von Smartphones für Kinder in dem Alter hält Helmut Holter aber nichts, denn Kinder wüchsen sowieso mit den Geräten auf. Helmut Holter findet es wichtiger Kindern die Technikkompetenz zu vermitteln, um ihnen den richtigen Umgang mit den Geräten zu erleichtern. Dennoch sollten die Eltern die Nutzung ihrer Kinder zeitlich einschränken und im Auge behalten. Für Eltern hat das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Justiz eine Online-Zusammenfassung über Gefahren und Möglichkeiten der Nutzung von Smartphones und Tablets eingerichtet.

Erste Zeit am Smartphone sollten Eltern begleiten

Auch Kristin Langer, Mediencoach beim Elternratgeber SCHAU HIN!, rät Eltern davon ab, ein Smartphone in die Zuckertüte zu packen. Wenn unbedingt nötig, könnten Kinder ein Notfallhandy für die Schule oder den Heimweg bekommen. Kristin Langer sagte MDR JUMP:

Mediencoach Kristin Langer vom Elternratgeber SCHAU HIN!
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Wir empfehlen, dass Kinder erst einmal die ersten Schritte mit dem Smartphone unter Elternbegleitung machen. Mein Kind kann nicht automatisch alle Zusammenhänge von einem Smartphone auf Anhieb mit der Einschulung schon verstehen.

Dazu gehöre etwa das Wissen darüber, wofür man mit einem Smartphone Geld ausgeben kann oder welche Fallen es möglicherweise in heruntergeladenen Apps gibt. Wichtig sei auch zu lernen, welche Dinge am Smartphone Spaß machen können. Kristin Langer rät, erst älteren Kindern ein Smartphone zu schenken.

Wenn Kinder dann zum Beispiel so etwas wie einen Führerschein gemacht haben, das können sie dann im Alter von neun oder zehn Jahren schon erreicht haben. Dann können sie auch schreiben und lesen und auch viele komplexe Zusammenhänge schon verstehen.

Dann spreche auch nichts dagegen, dass Kinder ein eigenes Gerät nutzen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 13. August 2019 | 15:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. August 2019, 10:23 Uhr

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