Die Spinne "falsche Witwe" (Steatoda nobilis) sieht der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich.
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Giftspinnen wandern im Blumentopf nach Deutschland ein

20.02.2019 | 10:10 Uhr

Menschen mit Angst vor Spinnen dürfte diese Meldung eine Gänsehaut bescheren: Eine giftige Spinne breitet sich gerade weltweit aus. Auch in Deutschland. Was gegen das Gift hilft und wie man sich schützt - ein Überblick.

Die Spinne "falsche Witwe" (Steatoda nobilis) sieht der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich.
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Arachnophobie, also die Angst vor Spinnen, kann jeden treffen. Seine Schauspieler müssen im Film oft den unerschrockenen Helden geben, Regisseur Steven Spielberg (Jurassic Park, E.T., Indiana Jones) aber steht zu seinen Ängsten, wie er in einem Interview mit dem "Playboy" verraten hat:

Steven Spielberg
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Im wirklichen Leben könnte ich nie Indiana Jones sein. Ich habe Höhenangst, eine ausgeprägte Spinnenphobie und außerdem - nicht erst seit dem "Weißen Hai" - großen Respekt vor dem offenen Meer.

Und es gibt ja wirklich Gründe, Angst vor kleinen Tierchen zu bekommen. Kürzlich mussten in London gleich vier Schulen geschlossen worden. In den Gebäuden tummelten sich nach einem Bericht des Senders BBC an vielen Stellen die Tierchen mit dem wissenschaftlichen Namen Steatoda nobilis ("falsche Witwe"), die als gefährlichste Spinnen in Großbritannien gelten. Dagmar Prasa vom Giftnotruf Erfurt im MDR JUMP-Interview:

In der Literatur findet man Angaben, dass der Biss zu Schmerzen an der Bissstelle führen kann. Diese Schmerzen können auch ausstrahlen. Wenn man zum Beispiel in den Finger gebissen wurde, können die Schmerzen bis in den ganzen Arm ausstrahlen. Es können auch Hautrötungen auftreten, Fieber und ein allgemeines Unwohlsein.

Die Expertin warnt jedoch vor Panikmache: Der Biss eines solchen Tiers - Männchen haben eine Körperlänge von etwa 6 Millimeter, Weibchen bis zu 13 Millimeter - sei in etwa mit einem Wespenstich vergleichbar. Fakt ist: Die "falsche Witwe" sieht der hochgiftigen Schwarzen Witwe zum Verwechseln ähnlich. Ein Biss der Spinnenart, die sich seit einigen Jahrzehnten in etlichen Ländern der Welt ausbreitet, kann ziemlich schmerzen - wirklich gefährlich wird sie dem Menschen aber nicht.

Spinne reist in Blumentöpfen um die Welt

Die "falsche Witwe" ist ursprünglich auf der portugiesischen Insel Madeira sowie auf den Kanarischen Inseln heimisch, hat ihren Lebensraum in den vergangenen 100 Jahren allerdings extrem vergrößert. Über die Auswertung von Museumsdaten und bestehender Literatur haben Wissenschaftler aus Deutschland und Großbritannien nun herausgefunden, dass die falsche Witwe wohl nicht wie bisher angenommen in Bananenkisten um die Welt reiste, sondern mit dem Pflanzenhandel verbreitet wurde, vor allem mit Kakteen. Giftexpertin Prasa:

Wir haben bei uns beim Giftnotruf Erfurt noch keinen Fall gehabt, mit einem Biss der falschen schwarzen Witwe.

Wer denkt von einer giftigen Spinne gebissen worden zu sein, sollte die Bissstelle "nicht manipulieren, also nicht aussaugen oder daran kratzen", erklärt Dagmar Prasa vom Giftnotruf Erfurt. Besser sei, die Stelle erstmal mit klarem Wasser abzuspülen. Anschließend könne man die Stelle noch vorsichtig mit einem Wund-Desinfektionsmittel säubern.

Wichtig ist auch, beengende Gegenstände zu entfernen. Also, wenn die Spinne in einen Finger mit Ring gebissen hat, dann Ring abnehmen. Falls der Finger anschwillt, sollten keine Gegenstände das Körperteil einengen.

In Deutschland hätten sich zwei Populationen der falschen Witwe in Gartencentern niedergelassen, berichtet Tobias Bauer vom Naturkundemuseum in Karlsruhe. "Die Tiere finden es einfach dort angenehm", sagt er. Das liege daran, dass in den Gartencentern ein ähnliches Klima herrscht wie in den natürlichen Verbreitungsgebieten der Spinne. Mit einer weiteren Ausbreitung der Art rechnet der Forscher hierzulande nicht.

Auch viele andere Spinnen, vor allem aus der Gattung der Kugelspinnen, haben sich über große Teile der Welt ausgebreitet. "Das liegt am internationalen Handel", erklärt Bauer. "In Europa werden wir in Zukunft immer mehr Arten aus anderen Teilen der Welt entdecken." Bei den meisten werde man die Ankunft jedoch gar nicht bemerken, weil sie sich nicht dauerhaft ansiedeln.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 20. Februar 2019 | 13:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Februar 2019, 09:45 Uhr

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