Ärztin setzt Spritze
Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Apotheker sollen Grippeimpfung durchführen dürfen

22.10.2019 | 12:48 Uhr

Immer noch lassen sich viel zu wenig Menschen gegen Grippe impfen. Das soll sich ändern, mit einem Modellprojekt, bei dem auch Apotheker impfen dürfen. Ein Gesetzentwurf ist auf dem Weg; Ärzte laufen Sturm.

Ärztin setzt Spritze
Bildrechte: imago images / Jochen Tack

Statt beim Arzt stundenlang auf einen Pieks zu warten, soll man sich die Grippeimpfung zukünftig auch beim Apotheker abholen können. Das sieht ein Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor, den die Koalition in Berlin jetzt als Gesetzentwurf auf den Weg gebracht hat. Erst einmal allerdings nur als Modellprojekt. Fünf Jahre lang sollen Apotheker dann gegen Grippe impfen dürfen. Das Ganze unter wissenschaftlicher Begleitung.

Ärzte sind wenig begeistert

Die Hausärzte finden den Vorstoß von Spahn nicht gut. Zum einen seien Apotheker fürs Impfen gar nicht ausgebildet, wetterte Ulrich Weigeldt, der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbands in der FAZ. Zum anderen sei es wichtig, dass Impfungen beim Arzt durchgeführt werden, weil es immer zu Komplikationen oder allergischen Reaktionen kommen könne. Dem steht gegenüber, dass Apotheker, die die Impfung anbieten wollen vorher eine Schulung absolvieren sollen. Weigeldt schlägt stattdessen vor, dass die Apotheker ja "Impfchecks" durchführen könnten.

Gesundheitsminister Spahn will mit seinem Vorstoß vor allem die Risikogruppen erreichen, denen eine Grippeimpfung empfohlen wird. Das sind vor allem ältere Menschen und chronisch Kranke. Gerade mal ein Drittel der Menschen über 59 sind laut Robert-Koch-Institut gegen Grippe geimpft. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zählen dabei zu den Bundesländern mit den höchsten Impfquoten.

Keine Konkurrenz für Ärzte

Die Apotheken zeigen sich insgesamt offen für den Vorstoß: "Wir Apotheker sind bereit und nehmen diese Herausforderung an", sagt beispielsweise Fritz Becker, der Vorsitzende des deutschen Apothekerverbandes. Er stellt bei der Gelegenheit auch gleich klar, dass die Apotheken den Ärzten keineswegs Konkurrenz machen wollen: "Das Ziel kann nur sein, ein zu der Grippeschutzimpfung in den Arztpraxen ergänzendes Angebot zu schaffen."

Die Krankenkassen wollen sich mit einer Bewertung noch zurückhalten. Am Mittwoch erfolgt erst einmal eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages.

Vorreiter Frankreich

In Frankreich startete vor ein paar Jahren schon ein ähnlicher Modellversuch, wie ihn die Bundesregierung in Deutschland anstrebt. Er sei ein voller Erfolg gewesen. Die Impfrate sei in der Zielgruppe um 10 Prozent gestiegen. Man habe erreicht, was man erreichen wollte, resümierte die Präsidentin der französischen Apothekerkammer. Seit 1. Oktober dürfen dort nun alle ausgebildeten Apotheker gegen Grippe impfen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend - Die Themen des Tages | 22. Oktober 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 11:40 Uhr

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