Tierische Plagen weltweit

Als ob es mit Corona nicht schon genug Probleme gäbe: Viele Weltregionen haben derzeit mit Tierinvasionen zu tun. Gefräßige Heuschrecken wüten von Ostafrika über den Nahen Osten bis nach Pakistan. Und in den USA sorgen Riesenhornissen für Schlagzeilen. Für uns in Deutschland gibt es immerhin dieses eine Mal aber auch gute Nachrichten.

Heuschreckeninvasion
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Der Bienenzüchter Conrad Bérubé ist kein naiver Spinner. Er weiß, wie man sich stechenden Insekten nähern muss. Doch selbst ein gehöriges Maß an Vorsicht und seine dicke Schutzkleidung haben dem Kanadier kürzlich nicht geholfen. Auf der Insel Vancouver Island hatte man ihn gerufen, um ein Hornissennest zu zerstören. Doch die Tiere waren nicht nur größer als üblich, sie waren auch ziemlich aggressiv - und griffen Bérubé an. "Es war, als hätte man mir glühende Reißzwecken ins Fleisch gestoßen", so beschrieb er die Schmerzen später.

In den USA und Kanada sorgen gerade zahlreiche solcher Berichte über Asiatische Riesenhornissen – öffentlichkeitswirksam werden Sie auch gern „Mörderhornissen“ genannt – für Furore. Die Tiere greifen nicht nur Menschen an, sie stellen vor allem für einheimische Bienen eine tödliche Gefahr dar. Denn denen beißen die Hornissen gleich reihenweise den Kopf ab. In ein paar Stunden können sie so einem kompletten Bienenstock den Garaus machen.

Hornissen-Gift für Menschen gefährlich

Experten warnen, dass der Stachel der Asiatischen Hornisse länger und ihr Gift auch für Menschen toxischer ist als das von Bienen. Besonders tückisch: Die Tiere können auch mehrfach zustechen. Und wenn ihr Opfer dann womöglich auch noch eine Allergie hat, können tatsächlich lebensgefährliche Auswirkungen drohen. Es heißt, dass es in Japan, wo die Art ursprünglich herkommt, jedes Jahr rund 50 Tote durch die Stiche gibt. Aktuell treten die Riesenhornissen nur in einigen Schwerpunktregionen auf. Mit speziellen Fallen wollen Experten ihre weitere Ausbreitung stoppen. Die Erfolgsaussichten sind allerdings ungewiss.

Tierische Plagen weltweit

Nest einer asiatischen Hornisse
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Nest einer asiatischen Hornisse
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Junge Wüstenheuschrecken, denen noch keine Flügel gewachsen sind, springen in die Luft, wenn man sich ihnen nähert, während eine Besucherdelegation der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) in Puntland vor Ort ist.
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Eine Hornissenkönigin
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Schwärme von Wüstenheuschrecken fliegen über einem Feld.
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Nahaufnahme einer Riesenhornisse
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Heuschrecken-Plage in Ostafrika
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Eine Hornisse sitzt auf einem Nest.
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Heuschrecken
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Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 26. Mai 2020 | 10:00 Uhr

Nahaufnahme einer Riesenhornisse
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Als ob es mit Corona nicht schon genug Probleme gäbe, haben viele Weltregionen derzeit mit dramatischen Tierinvasionen zu tun. In Nordamerika sind es die Riesenhornissen. Nun kann man sagen: Wenn man von den Tieren nicht gestochen wird, dann hat man unter denen doch kaum zu leiden. Und da mag schon etwas dran sein, zumindest wenn man es mit einer Plage vergleicht, die derzeit rund ein Dutzend Länder von Ostafrika über den Nahen Osten bis nach Pakistan heimsucht: Dort fliegen Milliarden gefräßiger Heuschrecken in Schwärmen durchs Land, entlauben Bäume und fressen Felder kahl.

Lebensmittelmangel durch Heuschrecken

Die Vereinten Nationen warnen, dass durch die Folgen der Heuschreckenplage rund 25 Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind. „Wir befürchten riesige Schwärme, die ganze Landstriche leerfressen, wenn es jetzt keine umfassenden Maßnahmen zur Bekämpfung gibt“, beklagt auch Kathryn Taetzsch von der Hilfsorganisation World Vision. „Experten gehen davon aus, dass womöglich im Juni und Juli eine 400 Mal größere Heuschrecken-Welle in Ostafrika erwartet werden muss“, so die Helferin.

Heuschrecken-Invasion hätte sich stoppen lassen

Die Plage hat ihren Ursprung im Jemen genommen. In der Region hatten sich die Heuschrecken ab 2018 nach ungewöhnlich starken Regenfällen vermehrt. Trotzdem hätte sich ihre rasantes Wachstum da wohl im Prinzip noch stoppen lassen. Doch im jahrelangen Bürgerkrieg war die nötige Technik zerstört worden, Fachleute standen nicht mehr zur Verfügung. Also wurden die Heuschrecken immer mehr und wanderten in die Nachbarländer, teils auch mit dem Wind übers Meer. Jeden Tag können die Schwärme mehr Nahrung zu sich nehmen als die Bevölkerung Kenias und Somalias zusammen, heißt es.

In manchen Fällen ist die Invasion so schlimm wie seit 25 Jahren nicht mehr, woanders ist sogar von einem Negativrekord der letzten 70 Jahre die Rede. Hunderte von Millionen Dollar für die Heuschreckenbekämpfung und den späteren Wiederaufbau sind nötig. Als besonders alarmierend gilt die Situation in Äthiopien, Kenia und Somalia. Ob sich die Tiere überhaupt durch das massive Versprühen von Insektiziden noch in den Griff bekommen lassen, steht noch nicht fest.

Wenn man all das hört, muss man eines sagen: Uns hier in Deutschland geht es wirklich gut. Nicht nur so ganz allgemein gesprochen, auch in Bezug auf die Insekten. Auch wenn der eine oder andere vielleicht zuletzt über zu viele Wespen geklagt hat, sagen Fachleute: Die Tiere sind wohl vor allem deswegen aufgefallen, weil viele Menschen wegen Corona wochenlang mehr zu Hause und weniger im Büro waren. So hatten man einfach mehr Chancen, eine Wespe zu sehen. Eine Häufung gebe es nicht. Ähnlich verhalte es sich bei den Mücken. Hier ist nach einem vergleichsweise milden Winter, in dem viele der stechenden Plagegeister zum Beispiel Pilzen zum Opfer gefallen sind, die Lage auch angenehm ruhig.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 26. Mai 2020 | 10:00 Uhr

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