Neu ab Dezember: Geld zurück, wenn das Internet zu langsam ist

Ist der Internetanschluss deutlicher langsamer als versprochen, können Nutzer jetzt mehr Druck auf den Anbieter machen. Sie können einen Teil der Monatsgebühr einbehalten.

Frau ruft offenbar genervt beim Internetanbieter an (Symbolfoto)
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Schnelles Internet ist im Homeoffice, beim Videoanruf mit den Liebsten oder beim Streamen der Lieblingsserie Pflicht. Wenn das nicht funktioniert und ins Stocken gerät, ist die Frustration oft groß. Nun sollen Kunden von Internetanbietern mehr Rechte bekommen: Wenn die Internetverbindung nicht so schnell ist, wie der Anbieter es vorher angepriesen hat, könnt ihr dagegen vorgehen.

Was genau wird neu geregelt?

Ab Dezember sollen Kunden ihr Geld einbehalten dürfen, wenn das Internet langsamer ist als versprochen. Das sieht ein Entwurf der Bundesnetzagentur vor, der schon im September veröffentlicht wurde. Ab dem 1. Dezember tritt nun dieses Minderungsrecht im neuen Telekommunikationsgesetz in Kraft. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sagte zu den Rahmenbedingungen für den Down- und Upload bei Festnetz-Breitbandanschlüssen:

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur
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Unsere geplanten Vorgaben sollen Verbrauchern helfen, ihre neuen Rechte geltend zu machen. Zudem schaffen wir Sicherheit für die Anbieter.

So erkennt ihr, ob euer Internet zu langsam ist

Im Entwurf der Bundesnetzagentur sind die Vorgaben, um sein Geld einzubehalten, geregelt: Verbraucher müssen an zwei verschiedenen Tagen jeweils zehnmal die Internet-Geschwindigkeit messen. Das Geld einbehalten oder weniger bezahlen ist möglich, wenn:

  • die maximale Geschwindigkeit an zwei Tagen nicht mindestens einmal 90 Prozent erreicht.
  • bei 90 Prozent der Messungen die normalerweise zur Verfügung stehende Geschwindigkeit nicht erreicht wird.
  • die minimale Geschwindigkeit, die im Vertrag vereinbart wurde, an zwei Messtagen unterschritten wird.

Speed Test von der Behörde: So wird die Geschwindigkeit vom Anschluss gemessen

Die Bundesnetzagentur bietet eine Desktop-App an, um die Internetgeschwindigkeit zu messen. Dabei können Kunden ihren Tarif im Vorfeld auswählen oder ihre manuell vertraglich vereinbarte Down- und Upload-Geschwindigkeit eingeben. Die Software misst dann zwei Tage lang insgesamt 20 Mal, wie schnell die Internetverbindung ist. Am Ende bekommt man ein Ergebnis inklusive der Bewertung, ob das so vertragskonform ist oder nicht. Stand jetzt sollen die Verbraucher die App aber erst ab dem 13. Dezember nutzen können. Es fehlen noch genaue Vorgaben für die Häufigkeit der Messung. Die von der Bundesnetzagentur zugelassene Kontrollmöglichkeit gibt es auch als App für iPhones und Android-Handys für den Check vom mobilen Internet. Für die Testung des Internets sei laut Rechtsanwalt Thomas Kinschewski aber wichtig:

Rechtsanwalt Thomas Kinschewski
Bildrechte: Thomas Kinschewski

Es muss per LAN gemessen werden. Ich muss also mit einem Kabel von Dose zu Gerät gehen und muss über die Kabelverbindung die Geschwindigkeit messen, nicht über das WLAN. Nur dann können Rechte geltend gemacht werden.

So könnt ihr Geld sparen

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Wenn die Leistung tatsächlich unter dem liegt, was vertraglich vereinbart war, haben Kunden mehrere Möglichkeiten: Entweder sie wenden sich schriftlich an ihren Anbieter, hängen das Messprotokoll an und teilen mit, dass sie von ihren Minderungsrecht Gebrauch machen. Wer zum Beispiel nur 80 Prozent der vereinbarten Leistung empfängt, darf die Zahlung auch um den entsprechenden Prozentsatz kürzen. Im besten Fall stellt der Anbieter diesen Betrag dann auch gar nicht erst in Rechnung. Rechtsanwalt Thomas Kinschewski sagt dazu:

Das Recht auf schnelles Internet wird dazu führen, dass bei Verträgen mit besonders langsamen Verbindungen, der Anbieter das schnellere Internet bereitstellen muss. Ansonsten hat der Kunde eine Entschädigungsanspruch.

Eine andere Option wäre, den Anbieter zu wechseln. Wer aufgrund der schlechten Internetverbindung zu einem anderen Provider möchte, hat ein Anrecht auf fristlose Kündigung. Dabei muss dem Anbieter aber vorab eine Frist gesetzt werden, um die vertraglich vereinbarte Leistung noch zu erbringen. Die Verbraucherzentralen bieten außerdem weitere Beratung und Informationen rund um das Thema an.

Internet gestört: Anbieter müssen innerhalb von zwei Tagen Problem beseitigen

Im überarbeiteten Telekommunikationsgesetz ist auch geregelt, wie schnell Internetanbieter reagieren müssen. Hat ein Haushalt kein Festnetz-Internet, so muss diese Störung jetzt innerhalb von zwei Kalendertagen behoben werden. Geschieht das nicht, bekommt der Verbraucher für den dritten und vierten Tag jeweils mindestens fünf Euro Entschädigung und ab dem fünften Tag mindestens zehn Euro. Damit soll verhindert werden, dass Verbraucher wochenlang ohne funktionierendes Internet leben müssen.

Mit Material der Nachrichtenagentur dpa.

Dieses Thema im Programm Die MDR JUMP Feierabendshow | 30. November 2021 | 15:40 Uhr

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