Lebte Jesus Christus wirklich?

Zu Ostern erinnern Christen an den Tod und die Wiederauferstehung von Jesus Christus. Seine Geschichte steht in der Bibel. Wir erklären, wie viel Wahrheit und wieviel Fiktion dabei eine Rolle spielt.

Abbildung von Jesus Christus am Kreuz.
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Die Geschichte ist mehr als dramatisch: Ein junger Prediger wird unter ziemlich dubiosen Umständen wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Vollstreckt wird das Urteil durch Kreuzigung vor der Stadtmauer Jerusalems. Der junge Mann stirbt und wird von Freunden bestattet. Wenige Tage später finden die das Grab allerdings leer vor und hören von einem Engel, dass der Tote in den Himmel aufgefahren sei. Und wer an ihn glaube, könne auf das Gleiche hoffen.

So geht, sehr stark verkürzt, die Ostergeschichte, eine der zentralen Erzählungen des Christentums. Daraus hat sich eine Weltreligion entwickelt. Wenn wir in diesen Tagen frei haben, dann liegt es an diesen Vorgängen vor rund 2000 Jahren. Doch was war damals wirklich los? Gab es Jesus Christus wirklich? Forscher haben darauf einige spannende Antworten.

Ein Großteil der Wissenschaftler geht dabei davon aus, dass Jesus tatsächlich gelebt hat – auch wenn viele der Überlieferungen zu seiner Person ziemlich durcheinander gehen. „Gerade die Diversität und manchmal auch die Widersprüchlichkeit der Jesusüberlieferungen sind ein Hinweis darauf, dass wir es wirklich mit historischen Fakten zu tun haben“, sagt etwa Annette Merz, evangelische Professorin für Neues Testament in Groningen.

Und Stefan Schreiber, katholischer Professor für Neues Testament an der Universität Augsburg ergänzt: „Ich würde sagen, unter historischen Gesichtspunkten betrachtet ist es höchstwahrscheinlich, dass Jesus von Nazareth existiert hat – einfach deswegen, weil wir eine so breite Überlieferung über ihn haben. Natürlich die ganze Bandbreite der christlichen Quellen, aber eben auch Notizen, kurze Texte in der antiken Literatur, die uns diese Gestalt ebenfalls bezeugen.“

Verweise unter anderem bei den Römern

Tatsächlich gibt es Verweise auf Jesus unter anderem beim jüdisch-römischen Geschichtsschreiber Flavius Josephus, beim römischen Kaiserbiografen Sueton und dem römischen Historiker und Senator Tacitus zum Beispiel.

Man muss aber zwischen zwei Dingen unterscheiden: Der Christus-Figur des Glaubens und der historischen Persönlichkeit des real lebenden Menschen. Und da stimmt längst nicht immer alles überein. So gilt es als unwahrscheinlich, dass Jesus tatsächlich in dem Jahr geboren wurde, dass wir jetzt als 0 bezeichnen, eher zwei oder drei Jahre davor. Und wahrscheinlich kam er auch nicht in Bethlehem auf die Welt, wie es in der Weihnachtsgeschichte heißt, sondern doch eher in Nazareth. Er sprach wohl Aramäisch, ob er auch Griechisch konnte, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Sein aramäischer Name lautete Jeschua ben Josef. Jesus wurde er in den auf Griechisch geschriebenen Evangelien der Bibel genannt. Direkte archäologische Spuren von ihm gibt es nicht. Das gilt aber auch nicht als überraschend, weil das auf den allergrößten Teil der Menschen dieser Zeit, vor allem die ärmeren, zutrifft. „Es wäre schon sehr ungewöhnlich, wenn man 2000 Jahre alte Beweise für das Leben eines einzelnen Menschen finden würde“, so auch der italienische Archäologe Eugenio Alliata, der gleichzeitig Franziskanermönch ist.

Er wollte wohl keine eigene Religion gründen

Forscher gehen davon aus, dass sich Jesus nach seiner Jugend der Gruppe eines religiösen Predigers angeschlossen hat, der Johannes der Täufer genannt wurde. Später hatte er dann eigene Anhänger und war Wanderprediger. Jesus war jüdisch. Eine eigene Religion wollte er wohl gar nicht gründen. Er wollte aber die Menschen darauf vorbereiten, dass bald die Herrschaft Gottes auf Erden beginnt. Niemand weiß, wie Jesus aussah. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass er dunkelhäutig war.

Zur Gefahr wurde er für das religiöse jüdische Establishment und die römische Besatzungsmacht in seiner Heimat, als er die Herrschaft Gottes über alles andere stellte – und damit die weltlichen und geistlichen Herrscher in Erklärungsnöte brachte, wofür man sie dann eigentlich noch brauchte. Also musste er wohl sterben, vermutlich etwa um das Jahr 30 herum.

Die ersten schriftlichen Quellen sind Briefe seines Anhängers Paulus, die bis spätestens 26 Jahre nach der Hinrichtung entstanden. Und da sagen nun manche: Zu der Zeit haben noch viele Menschen gelebt, die das Geschehen und die Orte gekannt haben müssen. Hätte Paulus die Gestalt frei erfunden, er wäre nicht weit gekommen.

Bibeltexte wurden deutlich nach seinem Tod geschrieben

Die Bibeltexte der Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes wurden zum Teil deutlich später aufgeschrieben, in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts. Das erklärt vielleicht, warum manche Details nicht stimmen. Außerdem wurde die historische Person in eine religiöse Umgebung eingebettet. Das heißt, dass manche Dinge einfach passend gemacht wurden, damit zum Beispiel vorherige Weissagungen älterer Texte auch tatsächlich zutrafen.

Jesus kommt als Īsā ibn Maryam (Jesus, Sohn der Maria) auch im Koran vor. Im Islam ist er ein wichtiger Prophet, gilt aber nicht als Sohn Gottes wie im Christentum. Auch im jüdischen Talmud kommt Jesus (Jeschu) vor. Die Informationen stimmen aber nicht mit denen aus der Bibel überein. Die Juden betrachten Jesus nicht als Sohn Gottes.

Selbst sehr aktive Atheisten wie der Evolutionsbiologe Richard Dawkins bezweifeln nicht ernsthaft die Existenz des Menschen Jesus von Nazareth. Welche Schlüsse man daraus für den eigenen Glauben – oder eben Nicht-Glauben – zieht, ist aber jedem selbst überlassen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 02. April 2021 | 06:10 Uhr

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