Johannes Oerding zu Corona: „Wir halten nur bis zum Frühjahr durch!“

Von MDR JUMP Musikredakteur Felix Heklau

Johannes Oerding hat es tatsächlich geschafft trotz Corona weitergehend normale Konzerte zu spielen: ohne Autos und ohne Plexiglaskästen. Nur finanziell lohnt sich das Ganze gar nicht, sagt er. Er könne seine Crew nur bis zum Frühjahr 2021 über Wasser halten.

Johannes Oerding
Bildrechte: Sony Music

Wieder einmal bin ich zu einem Corona-Konzert eingeladen. Diesmal bin ich allerdings überrascht, dass bei Johannes Oerding im Hamburger Stadtpark eine geradezu „normale“ Konzertatmosphäre herrscht. „Ich mag einfach Hupen nicht!“, erklärt Johannes mir eingangs und macht deutlich, dass die eher unpersönlichen Autokinokonzerte keine Option für ihn waren. Er nennt seine Veranstaltungsreihe „Lagerfeuerkonzerte“. Von Ende August bis Ende September hat Johannes Oerding fünfzehn Open-Air-Shows im Hamburger Stadtpark gespielt. Statt LED-Wänden gibt es eine riesige Feuerschale und Lichterketten. Statt lauten E-Gitarren höre ich vor allem akustische Klänge.

Johannes Oerding im Backstage-Talk mit MDR JUMP Redakteur Felix Heklau 23 min
Bildrechte: MDR JUMP

MDR JUMP Mo 12.10.2020 18:00Uhr 23:09 min

https://www.jumpradio.de/musik/star/johannes-oerding-backstage-corona-konzert-100.html

Rechte: MDR JUMP

Video

„Das ist nichts zum Geldverdienen“

Jedes Mal durften nur 880 Gäste kommen. Und damit sind wir beim Problem. Das sieht schön aus, aber: „Das ist nichts zum Geldverdienen“, betont Johannes. Er spiele diese Konzerte trotzdem, weil er sein Publikum nicht so lange warten lassen will und vor allem für seine Angestellten.

Die Crew wird hier normal bezahlt. Die muss in Lohn und Brot stehen, weil es da um Existenzen geht.

„Gottseidank bin ich in der Situation, dass ich kein Geld verdienen muss.“, ergänzt er. Johannes habe große Angst, dass die Strukturen für Kulturveranstaltungen in die Brüche gehen. „Technikfirmen, Bühnenbaufirmen und Lichtfirmen müssen zumachen, weil sie ihre Leute nicht bezahlen können.“

„Wir halten nur bis zum Frühjahr durch!“ Dank der Lagerfeuerkonzerte könne Johannes seine Crew momentan entlohnen, aber das Geld reiche nicht sehr lange.

Anfang nächsten Jahres im Frühjahr müsste es für Veranstaltungen weitergehen. Sonst sehe ich da schwarz. Ich kann jetzt nur von meinem Team reden. Wir werden uns alle gegenseitig durch den Winter bringen. Wir brauchen aber auch eine Perspektive.

Johannes hofft auf wissenschaftliche Erkenntnisse, die „der Politik den Schlüssel geben um zu sagen: Jetzt können wir etwas lockern.“

„Wo ist der Penis-Pass?“

Wie sehr Johannes an seiner Crew hängt, erlebe ich dann im Backstage. Hier wird zusammen Tischtennis gespielt, getrunken, gegessen und gelacht. Auch nach der Show sitzen alle noch lange zusammen. Ein sehr freundschaftliches Verhältnis, selbst wenn es um Strafen für Fehlverhalten geht. Wie bei Konzerten üblich, sind alle Band- und Crewmitglieder dazu angehalten, ihren Backstage-Pass immer bei sich zu tragen. Wer den vergisst, muss einen Tag lang mit einem Strafpass herumlaufen. Als ich frage, ob ich den mal sehen kann, ruft Johannes seiner Crew zu „Wo ist denn der Penis-Pass?“ Wer sich dafür interessiert, der sollte mal unseren Backstagereport schauen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Abend | 12. Oktober 2020 | 20:20 Uhr

Aktuelle Themen von MDR JUMP