Eine junge Frau mit einem Papp-Kaffeebecher sitzt auf einer Steintreppe.
Bildrechte: IMAGO

Umweltstudie Junge Deutsche sind umweltbewusst - aber handeln nicht so

Eine junge Frau mit einem Papp-Kaffeebecher sitzt auf einer Steintreppe.
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Öko, bio, umweltfreundlich - für mehr als 80 Prozent der jungen Deutschen ist ein umweltbewusstes Leben wichtig. Nur bei der Umsetzung hapert’s noch - das hat eine Studie des Bundesumweltministeriums rausgefunden.

In der Bilanz der Studie heißt es, dass die jungen Deutschen „ein hohes Maß an Problembewusstsein“ hätten, ihr eigenes Verhalten sei aber widersprüchlich: „Einerseits wollen sie ökologisch und sozial handeln. Andererseits möchten sie bei bestimmten, Freude bringenden Dingen, wie zum Beispiel Flugreisen, jetzt und in Zukunft keine Abstriche machen“, heißt es in der Untersuchung.

Öko nur, wenn es bequem ist

Hände halten Globus
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Dabei kam auch raus: Weniger als jeder Zehnte hat Kleidung mit Öko-Siegel im Schrank, gerade mal jeder Vierte kauft fair produzierte und gehandelte Produkte. Auch beim Fleischverzicht, Kauf von Bio-Lebensmitteln oder Recyclingpapier machen die Wenigsten mit. Nicht einmal die Hälfte der Befragten verzichtet auf Plastiktüten.

Für Psychologe Max Vetter von ConPolicy, dem Institut für Verbraucherpolitik, ist das nicht überraschend: „Das ist nicht nur bei Jugendlichen so - Wissen ist nicht Handeln. Da braucht es noch mehr: Zum Beispiel orientieren wir uns sehr stark daran, was die Leute um uns herum machen. Umweltbewusstes Handeln ist eher eine Nische – nur eine Minderheit verhält sich so.“

Wie kann es besser werden?

Tatsächlich war das auch eine Erkenntnis der Studie. Gefragt wurde, wie man den Ist-Zustand verbessern könnte: Also wie lässt sich die Lücke zwischen gutem Willen und praktischem Verhalten schließen? Rund 80 Prozent der Befragten würde es helfen, „wenn sich die anderen auch umweltbewusst verhalten“ und man dadurch „keinen Verlust an Komfort und Bequemlichkeit“ hinnehmen müsste.

Auch Psychologe Vetter sieht hier ein Problem: „Es ist sehr einfach, sich umweltschädlich zu verhalten. Plastiktüten, günstige Flugpreise – während umweltfreundliches Handeln mit Verzicht einhergeht. Insofern sind die Rahmenbedingungen für Umweltfreundlichkeit nicht ganz fair.“

Das bestätigt auch der Großteil der Studienteilnehmer. Fast 90 Prozent finden es wichtig, dass umweltfreundliche Produkte günstiger werden. Ähnlich viele wünschen sich eine klare Kennzeichnung für solche Produkte und mehr Aufklärung über die Folgen umweltschädlichen Konsums.

Lösungen vom Staat

Viele Jugendliche und junge Erwachsene sehen vor allem den Staat in der Pflicht, wenn es um Umweltschutz geht. Die Mehrheit der Befragten ist überzeugt, dass durch gezielte gesetzliche Maßnahmen mehr Umweltschutz für alle erreicht werden kann. Laut Vetter kann der Staat tatsächlich eine Rolle übernehmen: zum Beispiel indem er es Fahrradfahrern im Straßenverkehr erleichtert oder auch umweltfreundliche Standards setzt.

„Nehmen Sie beispielsweise vegetarisches Essen als Standard in der Kantine. Man kann sich dann zwar dagegen entscheiden – hat also nach wie vor die freie Wahl – aber der Standard ist erst mal ein umweltfreundlicher. Das sind kleine Ansatzpunkte bei denen der Staat auch Einfluss auf verändertes Handeln nehmen kann“, meint Vetter.

Mehr zur Studie Die Studie wurde im vergangenen Jahr im Rahmen einer Repräsentativbefragung mit über 1.000 jungen Menschen zwischen 14 und 22 Jahren durchgeführt. Die Studie wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) umgesetzt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP die Themen des Tages | 25. Januar 2018 | 19:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Januar 2018, 19:02 Uhr

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