Mädchen liegt im Bett und wird von Mutter gestreichelt
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Dürfen Kita oder Krippe eine Gesundschreibung verlangen?

06.12.2018 | 09:04 Uhr

Laufende Nasen oder Husten gehören in Kita oder Schule derzeit zum Alltag. Oft helfen ein paar Tage Bettruhe und die Kids sind wieder fit. Aber anschließend wird manchmal eine "Gesundschreibung" verlangt. Zu Recht?

Mädchen liegt im Bett und wird von Mutter gestreichelt
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Eines ist klar: Hat das Kind Fieber und Gliederschmerzen, gehört es nicht in Krippe oder Kita, sondern ins Bett. Da sind sich die Kinderärzte einig. Erst wenn die Temperatur mindestens einen Tag normal ist, kann das Kind wieder in eine Betreuungseinrichtung.

Problem: Gesundschreibung

Sind die Kleinen wieder fit, verlangen Krippe oder Kita manchmal eine so genannte "Gesundschreibung". Also eine Bescheinigung des behandelnden Arztes darüber, dass das Kind wieder die Gemeinschaftseinrichtung besuchen kann ohne andere anzustecken. Ein bisschen schwingt dabei der Vorwurf mit: Eltern schieben ansonsten Kinder, die besser ins Bett gehören, in die Kita ab.

Corinna Neidhardt vom Sonnenstrahl e.V.
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Erst kürzlich haben Leipziger Kinderärzte darauf hingewiesen, dass die von den Kitas für alle möglichen Krankheitsbilder geforderten Atteste inflationär geworden seien, berichtet die LVZ. Deshalb stellen sie ab August Gesundschreibungen „nur in ausgewählten und gesetzlich vorgeschriebenen Fällen“ aus.

In der Tat hat es bis vor einigen Jahren solche Regelungen in verschiedenen Länder-Gesetzen gegeben. In Sachsen-Anhalt beispielsweise im Kinderförderungsgesetz. Darin hieß es: Nach Erkrankung des Kindes ist eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen, die die Eignung zum Besuch der Einrichtung bestätigt.

Diese Regelung ist aber schon 2013 abgeschafft worden. In der Begründung für diese Gesetzesänderung heißt es:

Die Aufhebung dient der Verwaltungsvereinfachung Ferner werden die Kinderärzte und Kinderärztinnen entlastet. Nicht zuletzt werden die Kinder nach erfolgter Genesung durch den Verzicht auf eine Gesundschreibung nicht mehr zu einem erneuten Arztbesuch gezwungen, der immer auch im Wartezimmer ein erneutes Infektionsrisiko in sich birgt. Eltern entstehen keine Kosten für nachträgliche Atteste.

Bedeutet: Eine generelle gesetzliche Pflicht zur Vorlage eines ärztlichen Attestes in der Kita nach der Erkrankung des Kindes besteht nicht. Darauf weist auch die Ständige Elternvertretung der Stadt Halle hin.

Gibt es keine Ausnahmen?

Mehr noch: Verlangt eine Kita generell nach jeder Krankheit des Kindes ein ärztliches Attest, verstößt das sogar gegen den Sinn der Gesetzesänderung. Schließlich sollen Eltern nicht unter Generalverdacht gestellt werden, ihre Kinder krank in die Kita zu geben.

Eine Ausnahme davon ist im Infektionsschutzgesetz geregelt. Dabei geht es um wenige schwere und bedrohliche Krankheiten (z.B.: Masern, Mumps, Windpocken). Sind Kinder daran erkrankt, dürfen sie erst wieder die Einrichtung besuchen, wenn „nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Krankheit oder der Verlausung durch sie nicht mehr zu befürchten ist“.

Bedeutet: Der Arzt muss nur über den Gesundheitszustand „urteilen“. Es besteht keine Verpflichtung ein „Attest“ auszustellen oder ein solches verlangen zu können.

Alle Babys oder Kinder in Mitteldeutschland müssen vor dem erstmaligen Besuch einer Kindertageseinrichtung die „gesundheitliche Eignung […] durch eine ärztliche Bescheinigung“ nachweisen.

Darf der Arzt für die Bescheinigung Geld verlangen?

Gesundschreibungen sind nicht im Katalog der Krankenkassen enthalten und damit eine privatärztliche Leistung. Bedeutet: Ärzte dürfen Geld dafür verlangen. Die Höhe der Gebühr richtet sich nach der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte. Die Kosten können demnach zwischen gut zwei Euro und knapp sechs Euro liegen. Ärzte dürfen auch mehr verlangen, dann müssen sie die höheren Kosten in der Rechnung begründen.

Also, Atteste und Gesundschreibungen können nicht grundsätzlich verlangen werden, sondern nur in begründeten Ausnahmefällen. Unter diesen Umständen kommt es möglicherweise zu einer Erstattungspflicht des Trägers der Tageseinrichtung gegenüber den Eltern, wenn der Träger eine solche Gesundschreibung unbegründet verlangt.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Dezember 2018 | 11:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2018, 09:04 Uhr

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