Eine Zigarette wird zerbrochen
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Krankenkassen müssen Medikamente zur Rauchentwöhnung nicht bezahlen

28.05.2019 | 16:01 Uhr

Eine Frau aus Schleswig-Holstein wollte von ihrer Krankenkasse das Geld für Rauchentwöhnungsmittel wiederhaben. Die wollte nicht bezahlen und jetzt hat das Bundessozialgericht in Kassel ein Urteil gefällt.

Eine Zigarette wird zerbrochen
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Mit Rauchen aufzuhören ist nicht einfach. Wer es schonmal probiert hat, weiß das. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Hilfsmittel, wie Nikotinpflaster, Kaugummis oder Inhalatoren. Eine Frau aus Schleswig-Holstein, hat nun vor dem Bundessozialgericht geklagt, weil sie solche Hilfsmittel von der Krankenkasse bezahlt haben wollte. Die Kasse bewilligte ihr aber nur 255 Euro, nicht aber die gesamten 1.251 Euro für eine Verhaltenstherapie und ärztlich verordnete Medikamente zur Rauchentwöhnung.

Rauchentwöhnung vorrangig Verbesserung der Lebensqualität

Das Bundessozialgericht in Kassel entschied nun, dass Raucher von ihrer gesetzlichen Krankenversicherung keine Kostenübernahme für Arzneimittel zur Raucherentwöhnung verlangen können. Nach dem Gesetz sei die Kostenübernahme ausgeschlossen. Mittel zur Rauchentwöhnung fallen nach wie vor unter den sogenannten "Lifestyleparagraphen" - genau wie Potenzmittel oder Botox - und werden deshalb nicht von Krankenkassen bezahlt.

Nach Meinung der Richter nach verstoße es auch nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, dass nikotinabhängige Krankenversicherte nach dem Gesetz keine Arzneimittel zur Entwöhnung erstattet bekommen, alkohol- oder drogenabhängige Menschen dagegen Medikamente gegen ihre Sucht auf Kassenkosten erhalten können.

"Kosteneffektivste Methode in der gesamten Medizin"

Die Richter bekräftigten, dass Versicherte auch eine Eigenverantwortung hätten und Medikamente auch selbst bezahlen könnten. Der Gesetzgeber dürfe außerdem bei Arzneimitteln zur Raucherentwöhnung davon ausgehen, dass diese vorrangig der Verbesserung der Lebensqualität dienen.

Experten kritisieren die Gesetzeslage schon länger. Einer Untersuchung der TU Chemnitz geht davon aus, dass jeder Raucher, der aufhört, das Gesundheitssystem um 15.000 Euro entlastet. Tabakentwöhnung sei deshalb "die kosteneffektivste Behandlungsmethode in der gesamten Medizin". Die Ungleichbehandlung von Tabaksüchtigen in der gesetzlichen Krankenversicherung sei sachlich nicht zu rechtfertigen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Nachrichten | 28. Mai 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Mai 2019, 16:00 Uhr

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