Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Ausgedruckte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen nach dem Willen des Wirtschaftsministers bald der Vergangenheit angehören. Bildrechte: dpa

Gelber Zettel Krankschreibungen sollen digitalisiert werden

Wer krank wird, der braucht das auch schriftlich. Spätestens ab dem dritten Tag gibt es den gelben Zettel. Ausgedruckt, auf Papier. Den müssen Patientinnen und Patienten dann selbstständig an Arbeitgeber und Krankenkasse schicken. Zu aufwendig - findet das Bundeswirtschaftsministerium, das Krankschreibungen deswegen digitalisieren will.

von Birgit Raddatz, MDR AKTUELL

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
Ausgedruckte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen nach dem Willen des Wirtschaftsministers bald der Vergangenheit angehören. Bildrechte: dpa

Bisher müssen Krankschreibungen spätestens am vierten Tag beim Arbeitgeber und der Krankenkasse vorliegen. Patientinnen und Patienten müssen den gelben Zettel eigenständig mit der Post verschicken. Das hat sie – so hat es das Bundeswirtschaftsministerium ausgerechnet – im Jahr 2017 über 19 Millionen Stunden und rund 77 Millionen Euro Porto gekostet. Sehr viel Aufwand, findet auch Roland Stahl von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:

Wer montagmorgens zu Grippe- oder Erkältungszeiten in einer Hausarztpraxis ist, weiß, wie voll die Praxen sind. Das sind viele Dokumente, die ausgestellt werden müssen.

Roland Stahl, Kassenärztliche Bundesvereinigung

Patienten sollen sich nur noch telefonisch krankmelden

Das soll demnächst schneller gehen: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier schlägt vor, die gelben Zettel abzuschaffen. Künftig sollen Krankschreibungen also über ein digitales Meldesystem laufen: Die Patienten müssen sich immer noch telefonisch krankmelden. Der oder die Ärztin schickt dann aber die Krankschreibung digital an die Krankenkasse.

Der Spitzenverband der Krankenkassen begrüßt das und teilt schriftlich mit: "Nach unserer Vorstellung soll der Arbeitgeber eine Anfrage an die Krankenkasse stellen, wenn der Arbeitnehmer sich krank gemeldet hat beziehungsweise die Verlängerung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gegenüber dem Arbeitgeber angezeigt hat. Der Arbeitgeber hat den Anspruch auf Basis des Gesetzes, sich die AU-Dauer [die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, Anm. d. Red.] übermitteln zu lassen. Diagnosen werden weiterhin nicht übermittelt."

Altmaier erhofft sich Bürokratieabbau

Und trotzdem: Der gelbe Papierschein soll weiterhin auf Wunsch ausgestellt werden können. Ein Mehraufwand für die Ärztinnen und Ärzte, kritisiert die Kassenärztliche Vereinigung:

Digitalisierung, das klingt verheißend. Ist aber als solches kein Zaubermittel.

Kassenärztliche Vereinigung

Weiter heißt es: "Wenn diese Digitalisierung sinnvoll ausgestaltet ist, sprich, dass diese AU-Scheine als Dokument leicht versendbar sind, leicht in die jeweilige Praxissoftware integrierbar sind und vor allem nicht noch einmal doppelt als Papierausdruck ausgedruckt werden müssen, dann kann das sinnvoll sein."

Peter Altmaier
Peter Altmaier (CDU) Bildrechte: dpa

Wie es genau aussehen werde, wisse man aber nicht, denn noch sei es ja ein Entwurf. Ein Entwurf, der aus dem sogenannten Bürokratieentlastungsgesetz resultiert und jetzt dem Bundeskabinett vorliegt. Damit, so hofft Wirtschaftsminister Altmaier, würden die Krankheitszeiten lückenlos dokumentiert und Bürokratie abgebaut. Laut Entwurf würde die Wirtschaft dadurch dann rund 550 Millionen Euro sparen. Wie das Meldesystem aber konkret umgesetzt wird, ist derzeit noch offen.

Dieses Thema im Programm MDR AKTUELL RADIO | 13. September 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2019, 05:00 Uhr

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