Diskussion um Abschuss Kretschmer besucht nach verheerendem Wolfsriss Naturschutzstation in Ostsachsen

Die Nerven in der Lausitz liegen blank. Nach dem Wolfsriss in Förstgen, bei dem 40 Schafe und Ziegen getötet wurden, fühlen sich viele Einwohner mehr denn je allein gelassen. Für Freitag hat sich Regierungschef Kretschmer angekündigt.

Tote Schafe
Den Mitarbeitern der Naturschutzstation bot sich ein erschreckendes Bild. Bildrechte: MDR/Benno Bilk

Ministerpräsident Michael Kretschmer will sich am Freitag selbst ein Bild von den Folgen des verheerenden Wolfsangriffs in Ostsachsen machen. Er wird die Naturschutzstation "Östliche Oberlausitz" in Förstgen im Landkreis Görlitz besuchen, wie Regierungssprecher Ralph Schreiber am Mittwoch mitteilte. Kretschmer dränge seit Längerem auf eine zügige Lösung für die Probleme mit den Wölfen in der Lausitz, die sich immer häufiger an Schafen und Ziegen bedienen. Die Region hat inzwischen die höchste Dichte an diesen streng geschützten Tieren in Europa.

Zweitgrößter Schaden seit Wiederansiedlung

Michael Kretschmer
Michael Kretschmer will am Freitag nach Förstgen reisen. Bildrechte: dpa

Nahe der Ortschaft Förstgen hatten in der Nacht zum Dienstag Wölfe eine Herde von trächtigen Schafen und Ziegen angegriffen. Von 151 Tieren überlebten wohl nur 61. 39 Moorschnucken und Burenziegen wurden tot gefunden, rund 50 Tiere werden noch vermisst. Das Landratsamt Görlitz hat das sächsische Umweltministerium über den Vorfall informiert und prüft einen Wolfsabschuss. Mindestens vier Wölfe waren den ersten Erkenntnissen zufolge über die Schaf- und Ziegenherde hergefallen. Laut Wolfsstatistik ist es der zweitgrößte gemeldete Rissschaden seit der Wiederansiedlung der Wölfe in Sachsen.

Für den Angriff machen Experten das Daubaner Rudel verantwortlich. In diesem Jahr wurden vier Welpen in dem Rudel gesichtet. Experten gehen davon aus, dass ältere Wölfe den Jungen mit solchen Angriffen auch ein richtiges Jagdverhalten beibringen wollen.

Umweltminister schließt Abschuss nicht aus

Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt sieht inzwischen auch den Bund in der Pflicht, Maßnahmen gegen die hohe Wolfsdichte zu ergreifen. Schätzungen zufolge ist der Bestand der Wölfe in Westpolen und Deutschland auf 1.000 Tiere angewachsen. Damit sei der sogenannte Erhaltungszustand erreicht. Das heißt, für mehr Wölfe ist kein Platz. "Deshalb fordern wir auch vom Bund, das bei der EU anzumelden und das Monitoring und die Bewertung zu intensivieren." Zum Fall Förstgen sagte Schmidt, dass wohl nichts gegen einen Abschuss spricht. Das müsste aber die zuständige Behörde entscheiden. Den Tierhaltern in der Region sicherte er die finanzielle Unterstützung der Landesregierung zu. "Bei uns in Sachsen ist es so: Wenn festgestellt wird, dass ein Wolf als Ursache zumindest nicht ausgeschlossen werden kann - also es ist nicht notwendig festzustellen, dass es wirklich ein Wolf war - werden die gerissenen Schafe zu 100 Prozent entschädigt."

Menschen in der Region verunsichert

Unterdessen fühlen sich viele Menschen in der Lausitz mit dem Problem Wolf allein gelassen. In Förstgen wollte sich am Mittwoch niemand vor laufender Fernsehkamera zum künftigen Umgang mit dem Wolf äußern. Hintergrund sind Drohungen von Tierschützern, die es in der Vergangenheit mehrfach gegen Einwohner gegeben haben soll, die sich kritisch zum Thema Wolf äußerten.

Abschuss von Wölfen Wölfe sind streng geschützt. Die Gesetzeslage lässt aber unter bestimmten Umständen einen Abschuss zu. In Paragraf 45 des Bundesnaturschutzgesetzes steht, dass dies zur Abwendung erheblicher wirtschaftlicher Schäden erfolgen kann. In Sachsen hat darüber das jeweilige Landratsamt zu entscheiden. In jedem Fall müssen das Umweltministerium und die Landesdirektion eingebunden werden.

Auch der Managementplan für den Wolf in Sachsen enthält einen entsprechenden Passus. "Die Entfernung von Wölfen ist immer das letzte Mittel der Wahl und nur vorzunehmen, wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind oder aber Gefahr für Menschen besteht. Es gilt der Grundsatz: Die Sicherheit des Menschen steht immer an erster Stelle".

Quelle: MDR/dk/lg/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.10.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2018, 20:20 Uhr

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