#dasbewegtmich: Eltern, die keine Hebamme finden

18.10.2019 | 11:22 Uhr

Lisa aus Altenburg ist glücklich: Sie und ihr Manuel werden Eltern! Ihr Freund wird sie in den Kreißsaal begleiten – und eine Hebamme, ganz klassisch. Doch bis diese gefunden war, mussten Lisa und Manuel lange suchen. In Thüringen fehlen nahezu überall Hebammen.

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MDR JUMP Fr 18.10.2019 10:39Uhr 00:55 min

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Wie viele Hebammen sich um werdende Eltern kümmern, wie viele fehlen - das kann selbst der Thüringer Hebammen-Landesverband nicht genau sagen. Der Freistaat müsse endlich offiziell nachzählen!

Hebammen fehlen auch in Kreißsälen

Laut dem letzten Gutachten vom Familienministerium hatten Frauen in Weimar, Gera, Jena und im Saale-Holzlandkreis Probleme bei der Hebammensuche. Auch in Kreissälen großer Krankenhäuser müssen sich laut Landesverband Hebammen um zu viele Frauen kümmern, im Ernstfall um bis zu fünf Frauen gleichzeitig. Die Folgen können gravierend sein, sagt der Hebammenverband: Fühlen sich Frauen bei der Geburt alleingelassen, gibt es mehr Komplikationen, mehr Kaiserschnitte. Der Elternverein Motherhood fordert daher eine Eins-zu-Eins-Betreuung bei der Geburt.

Onlineplattform soll Hebammen vermitteln

Thüringen sei aber auf einem guten Weg, lobt der Hebammen-Verband: Der Freistaat haben in den letzten Jahren mehr ausbilden lassen, nur merke man das noch nicht in den Kreissälen. Der Elternverein kritisiert zudem: Man wisse nicht genau, wie viele nach der Hebammen-Ausbildung auch wirklich in dem Beruf arbeiten.

Säugling
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Zudem hat das Gesundheits-Ministerium eine Onlineplattform eingerichtet, auf der Eltern einfacher nach einer Hebamme suchen können als vorher über Telefonlisten. Die Suche funktioniert aber nur dann gut, wenn die Hebammen ihre Informationen immer aktuell halten, so der Elternverein.

Förderung von Geburtshäusern

Seit 2015 hat Thüringen zudem einen runden Tisch, an dem Eltern- und Hebammen-Probleme besprochen werden. Auch das helfe, so Landesverband und Elternverein. Zudem hat der Freistaat für das kommende Jahr noch mal eine halbe Million Euro für die Förderung von Geburtshäusern zugesagt: Die sind wichtig, damit Hebammen in ihrer Ausbildung Praxis bekommen.

Zudem fördert der Freistaat Weiterbildungen der Geburtshelfer. Aus Sicht des Verbandes muss Thüringen aber noch mehr machen: Etwa den Bund dazu bringen, ein Gesetz zu erlassen. Das soll dann private Krankenhausbetreiber dazu zwingen, mehr Hebammen einzustellen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Wochenende | 19. Oktober 2019 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 11:22 Uhr

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