Lebensretter auf dem Fußballplatz

11.12.2019 | 10:02 Uhr

Fridtjof Seiffert hat schnell und mutig gehandelt, als bei einem Fußballspiel an einem heißen Sommertag der Schiedsrichter zusammenbrach: Er reanimierte den Mann, bis der Rettungswagen eintraf und rettete ihm so das Leben. Der Fußballspieler und zweifache Vater hat uns im Studio besucht.

Fridtjof Seiffert
Bildrechte: MDR JUMP / Raphaela Fietta

Ein heißer und drückender Sommertag Anfang August: Auf dem Fußballplatz des SV Merseburg-Meuschau läuft die erste Halbzeit eines Testspiels gegen den SV Burgwerben. Im Mittelfeld von Merseburg-Meuschau spielt Fridtjof Seiffert.

Schiedsrichter bricht nach dreißig Minuten zusammen

Ein Pfiff des Schiedsrichters stoppt das Spiel, erzählt Fridtjof. Er denkt, der Unparteiische wolle das Signal zu einer kurzen Trinkpause geben. Das ist bei heißen Sommer-Temperaturen in der Kreisliga üblich.

Dann haben wir aber recht schnell gesehen, dass er auf die Knie gegangen ist und zu Boden sank.

Der Schiedsrichter hat auf dem Fußballplatz einen Herzinfarkt. Das weiß Fridtjof in dem Moment noch nicht. Er sieht nur einen Mann, der erst kaum noch Luft bekommt und dann gar nicht mehr atmet. Der Spieler beginnt ohne zu zögern mit der Herzdruckmassage:

Luft geben braucht man ja gar nicht mehr. Man muss nur noch drücken. Durch das Komprimieren von dem Brustkorb reicht es eigentlich, dass die Lunge ausreichend Sauerstoff einzieht, um die wichtigen Organe zu versorgen.

"Der größte Fehler wäre, gar nichts zu machen!"

Der Schiedsrichter hat großes Glück: Fridtjof hat als Krankenpfleger im Krankenhaus gearbeitet und musste dort auch schon Menschen wiederbeleben. Für ihn ist die Situation also nicht ganz neu. Der ruhige und besonnen wirkende Mann betont im Gespräch mit MDR JUMP aber: Helfen kann jeder! Der Rettungsdienst an der 112 hat ihn auch die ganze Zeit begleitet, bis der Notarzt auf dem Fußballplatz eintraf:

Blick in einen Rettungswagen
Bildrechte: imago images / Benjamin Horn

Da war auch die ganze Zeit jemand da und hat mir gesagt, was ich zu tun habe: Jetzt drücken, jetzt mal kurz Pause, mal gucken, ob er wieder ansprechbar ist. Das wusste ich auch selber nicht, dass die an der Leitstelle dann mit am Telefon bleiben und einen da auch mit anleiten.

Im Krankenhaus kann der Schiedsrichter operiert werden. Er bekommt einen Stent und ist schon wenige Wochen später wieder am Fußballplatz in Meuschau. Dort bedankt er sich bei Fridtjof – noch sichtbar geschwächt, aber wieder auf den Beinen.  

Das hat ihn auch wohl auch ganz schön Kraft gekostet. Er hat auch gesagt, er ruht sich sehr viel aus. Selbst die Treppe einmal hoch und runter, das ist schon wie richtiger Leistungssport für ihn.

Auch Amateurfußball sollte besser auf Notfälle vorbereitet sein

Seine Mannschaftskollegen waren danach richtig stolz auf ihn, erzählt Fridtjof und fügt hinzu:

Einige haben mir auch gesagt, dass sie sich nicht getraut hätten, so zu reagieren. Dass sie Berührungsängste gehabt hätten, weil da ein Mensch leblos da lag.

Fußballspiel in der Kreisliga A
Bildrechte: imago images / Patrick Scheiber

Dabei könne es auf dem Fußballplatz immer mal wieder passieren, dass jemand mit gesundheitlichen Problemen umfällt. Der Vater von zwei kleinen Kindern wünscht sich daher, dass sich auch der Amateursport besser auf solche Notfälle vorbereitet.

Vielleicht erklärt sich ja jede Mannschaft bereit, wenigstens einen dafür im Team zu haben. Das muss nicht immer ein Spieler oder Trainer sein. Aber dass einer am Spielfeldrand ist, der Ahnung hat, wie man richtig reagiert.

Dann hätte die mutige Tat des Fußballers aus Meuscha nicht nur einem Menschen das Leben gerettet - sondern vielleicht auch noch positive Folgen für andere!

Dieses Thema im Programm MDR JUMP - FEIERABENDSHOW | 27. Dezember 2019 | 16:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2019, 10:02 Uhr

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