Eine vierköpfige Familie im Garten.
Bildrechte: imago/Westend61

Gelockerte Regeln für Kleingärtner - Mittel gegen Leerstand?

Zuletzt aktualisiert: 12.06.2019 | 09:00 Uhr

Millionen Deutsche haben da ihre Kindheit verbracht: im Schrebergarten. Besonders in der DDR war die „Parzelle im Grünen“ ein beliebtes Statussymbol – man fuhr gerne auf die „Datsche“! Am Ende gab es im Osten rund 1,5 Millionen davon. Heute sind die Kleingärten Zufluchtsorte für gestresste Städter. Auf dem flachen Land dagegen gibt es viel Leerstand in den Gartenkolonien. Ein Mittel um das zu ändern: gelockerte Regeln für Laubenpieper. Ob das funktionieren kann?

Eine vierköpfige Familie im Garten.
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Seinen Ursprung hat der Kleingarten bei uns in Mitteldeutschland. Dabei hat der erste Schrebergarten nichts mit dem mit den heutigen Gärten zu tun. Es war eine einfache Wiese, nahe dem Leipziger Johanna-Park. Gedacht war sie zum Spielen und Turnen für die Kinder der Fabrikarbeiter. Am Rand der Wiese gab es dazu noch Beete und Gärten – damit die Kinder sich beim Pflegen der Pflanzen sinnvoll beschäftigen können. 1865 war die feierliche Eröffnung. Schnell werden aus den Kinder- größere Familienbeete, mit einem Zaun abgegrenzt. Ab da werden sie “Schrebergärten” genannt.

Leerstand abseits der Städte

Heute gibt es noch rund eine Millionen Kleingärten in Deutschland. Aber: “Es ist richtig, dass auch in Sachsen-Anhalt viele Gärten gerade im ländlichen Raum leer stehen.” teilt das Umweltministerium in Magdeburg auf Anfrage von MDR JUMP mit. Schlimmer noch: Teilweise mussten Kleingartenanlagen von schon geräumt werden - inzwischen sind die Flächen umgewandelt in Bauland für Häuslebauer, Streuobstwiesen oder Ackerflächen. Den Grund für den Leerstand sehen die Beamten im “demografischen Wandel”. Meint: Es gibt nicht genug Nachwuchs, um die gestorbenen oder ausscheidenden Kleingärtner zu ersetzen. So auch das sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: “Sonst müsste auch in den Städten die Nachfrage sinken.” Dies sei aber nicht der Fall, schreibt Pressesprecher Frank Meyer auf MDR JUMP-Anfrage.

Konzepte gegen den Leerstand auf dem Land sind also gefragt. Eine Idee: Kleingärten sollen familien- und seniorenfreundlicher werden. Dafür soll das Kleingartengesetz geändert werden, fordert Mecklenburg Vorpommerns Umweltminister Backhaus. Fakt ist: Kleingärtner genießen in Deutschland einen besonderen rechtlichen Schutz. So ist beispielsweise die Höhe der Pacht gesetzlich geregelt. Im Gegenzug müssen sich Kleingärtner bei der Gestaltung ihrer Anlage bestimmten Regeln unterwerfen. Konkret stört sich Backhaus an der so genannten Mindestbewirtschaftung. Demnach müssen Pächter auf mindestens einem Drittel der Fläche sogenannte gärtnerische Produkte wie Obst und Gemüse angebaut werden. Das will der Minister aus Schwerin ändern.

Gelockerte Regeln für Laubenpieper?

Im Dresdener Umweltministerium will man davon nichts wissen. Weniger Regeln für Kleingärtner würde bedeuten, dass Kleingärten - rein rechtlich - “Erholungsgrundstücken gleichgestellt werden, für die marktübliche Pachtpreise die Regel sind”, schreiben die Beamten auf MDR JUMP-Anfrage. In Thüringen wird laut Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft "intensiv an der Lösung des Leerstandsproblems" gearbeitet.  Änderungsvorschläge für das Kleingartengesetz seien legitim, sollten aber zunächst mit den Kleingartenpächtern diskutiert werden. "Es ist zu prüfen, ob und an welcher Stelle das Bundeskleingartengesetz nachjustiert werden sollte, um auch neuen Nutzergruppen und geänderten Ansprüchen an Kleingartengrundstücken gerecht werden zu können." Noch deutliche Worte kommen aus Magdeburg: “Eine Anpassung des Gesetzes [...] würde das Kleingartenwesen in seinem Kern verändern und damit beschädigen”.

Aber vielleicht braucht es auch keine Gesetzesänderung. Oft entstehen die besten Ideen vor Ort, also dort, wo die Gärten leer stehen. Gefragt sind Menschen, die sich einbringen und neue Konzepte entwickeln. In Magdeburg bauen beispielsweise Arbeitslose in brachliegenden Kleingärten Obst und Gemüse an. Die eingefahrene Ernte geht dann an die Tafel der Stadt. In einzelnen Vereinen habe man auf den leeren Flächen auch zentrale Kompostplätze, Pferde- und Schafkoppeln oder Parkplätze für die Kleingärtner geschaffen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Juni 2019 | 13:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 08:40 Uhr

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