Magisches Leuchten am Sommer-Nachthimmel über Mitteldeutschland

Kurz nach Sonnenuntergang bietet sich bei uns dieser Tage ein spektakuläres Bild. Bei entsprechendem Wetter sieht man leuchtende Nachtwolken. Wie es dazu kommt und wann man das Phänomen am besten beobachten kann, haben wir eine Expertin gefragt.

Leuchtende Nachtwolken über Jena
Leuchtende Nachtwolken über Jena Bildrechte: Susanne Hoffmann

Dr. Dr. Susanne M Hoffmann von der Physikalisch-Astronomischen Fakultät der Uni und dem Planetarium Jena liebt den Nachthimmel mit all seinen Erscheinungen. Regelmäßig hält sie ihre Beobachtungen in einem Blog fest. Zur Zeit haben es ihr die leuchtenden Nachtwolken angetan. Von ihrer Dachgeschosswohnung in Jena hat sie einen fast 360 Grad-Blick auf den Himmel. Wieso die Wolken leuchten, erklärt sie im MDR JUMP-Gespräch so:

Bei wechselhaftem Wetter, so wie zur Zeit, kann sich über den bekannten Schäfchenwolken eine weitere Wolkenschicht entwickeln, sehr sehr weit oben. Wolken bestehen ja aus feinen Wassertröpfchen und wenn sich die Wolken nun sehr weit oben in der Erdatmosphäre befinden, dann gefriert das Wasser zu Eiskristallen. Nun kommt die Sonne ins Spiel. Die ist zwar zum Zeitpunkt der Wolkensichtung schon untergegangen, befindet sich aber nur kurz unterm Horizont.

Während wir also das Gefühl haben, dass es draußen dunkel ist und am Himmel Sterne erkennbar sind – es also Nacht ist – werden diese Wolken als zart leuchtende Schleier in nördlicher Richtung sichtbar. 

Denn das Sonnenlicht kommt nun zwar nicht mehr auf der Erdoberfläche an, aber es gelangt immer noch bis zu den höheren Erdatmosphärenschichten, also auch zu den Eiskristallwolken und leuchtet sie von unten an. Und das macht diesen magischen Glanz, den wir jetzt bewundern können.

Nur für kurze Zeit

Das Phänomen zeigt sich bei uns nur für begrenzte Zeit: ein paar Wochen vor und nach der Sommersonnenwende, also wenn die Tage am längsten und die Sonne über der Nordhalbkugel der Erde den höchsten Punkt auf ihrer scheinbaren Jahresbahn erreicht. Bis in den August hinein können wir die leuchtenden Nachtwolken wohl noch beobachten, schätzt die Astronomin.

Weitere Himmelsphänomene

Was es dieser Tage außerdem am Nachthimmel mit bloßem Auge zu entdecken gibt: Komet Neowise, Jupiter und Saturn. Während der Komet am besten in den frühen Morgenstunden zu sehen ist, strahlen die beiden Planeten durchgängig sehr hell am Nachthimmel. Man sieht sie nebeneinander im Südosten, kurz über dem Horizont. Mit einem einfachen Opernglas oder Feldstecher kann man sogar die Jupitermonde (vier Pünktchen um den großen hellen Punkt herum) und die Saturn-Ringe erkennen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP Feierabendshow | 10. Juli 2020 | 18:40 Uhr

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